ROSTOCK / LONDON (IT BOLTWISE) – H2APEX meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatzsprung um 67,5 % auf 7,0 Mio. Euro. Das Unternehmen zeigt die Transformation weg vom klassischen Projekt- und Servicegeschäft hin zur eigenen Projektentwicklung und zum Energie- bzw. Assetmanagement erstmals auch in der Segmentberichterstattung. In der Pipeline werden zudem der kommerzielle Einstieg der containerbasierten AKROS-Speichertechnologie und eine gesicherte Einspeisekapazität für das Projekt WAL hervorgehoben. Die Prognose für 2026 bestätigt H2APEX mit 14 bis 16 Mio. Euro Umsatz.

Der Halbjahresfinanzbericht 2026 von H2APEX Group SCA fällt vor allem deshalb auf, weil er nicht nur Zahlen liefert, sondern den Umbau des Geschäftsmodells mit konkreten Segmentumsätzen sichtbar macht. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 um 67,5 % auf 7,0 Mio. Euro, nachdem H1 2025 noch bei 4,2 Mio. Euro gelegen hatte. Damit liegt das Unternehmen laut eigener Darstellung sowohl rund zwei Drittel über dem Vorjahreswert als auch im Rahmen der Erwartungen des Managements. Inhaltlich ist das mehr als ein Wachstumssignal: H2APEX will die Erlösbasis stärker in Richtung eigener Wertschöpfung verschieben und die Schwankungen reduzieren, die typischerweise mit auslaufenden Projektphasen einhergehen.
Technisch und organisatorisch ist dafür die zum 1. Januar 2026 eingeführte Steuerung über drei Business Units entscheidend. In der Berichterstattung tritt das neue Raster erstmals deutlich hervor: Project Development & Energy-Assetmanagement (PD & EAM) steigerte die Außenumsätze auf 3,2 Mio. Euro gegenüber 0,7 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2025. Gleichzeitig generierte das bislang dominierende Services-Geschäft mit 3,6 Mio. Euro nahezu auf Augenhöhe, wobei hier insbesondere das planmäßig auslaufende EPC-Geschäft für Dritte sowie Betriebs- und Wartungsleistungen (O&M) den Ausschlag geben. Das Segment Storage & Transportation tauchte dagegen erst „erstmals“ mit 0,3 Mio. Euro in den Zahlen auf. Für Entscheider ist genau diese Staffelung relevant, weil sie zeigt, wie schnell ein neues Betriebsmodell in den Cash- und Ergebnisstrom hineinwächst: nicht sprunghaft nur über ein neues Projekt, sondern über mehrere Bausteine entlang der Wertschöpfungskette.
Ein weiterer Drehpunkt liegt bei den operativen Ergebnissen, die H2APEX im ersten Halbjahr 2026 klar einem veränderten Umsatzmix zuordnet. Das EBITDA betrug -14,8 Mio. Euro (H1 2025: -13,3 Mio.), das bereinigte EBITDA lag bei -14,4 Mio. Euro (H1 2025: -12,3 Mio.). Als wesentliche Treiber nennt das Unternehmen höhere, direkt zurechenbare Kosten im Zusammenhang mit dem Wasserstoffhandel sowie Personalkosten rund um den PMC-Vertrag (Project Management Consultancy) für das 100-MW-IPCEI-Projekt „WAL – Wasserstoff aus Lubmin“. Auch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen stiegen. Solche negativen Kennzahlen sind in frühen Projekt- und Skalierungsphasen nicht ungewöhnlich, doch die Aussagekraft steigt, wenn man die Gegenbewegung betrachtet: H2APEX liefert neben den Kostenhinweisen gleich mehrere Indikatoren, dass die Erlösqualität wächst, etwa über planbare Serviceerlöse aus dem PMC-Vertrag und über steigende Beiträge aus dem Eigenbetrieb.
Genau hier setzt die Unternehmenslogik an: H2APEX berichtet im Berichtszeitraum von 45 Tonnen grünem Wasserstoff aus eigener Erzeugung, nach 39 Tonnen im ersten Halbjahr 2025. Das entspricht einem Plus von rund 16 % und soll den fortgesetzten Hochlauf sowie eine verbesserte Auslastung der eigenen Produktionskapazitäten widerspiegeln. Außerdem hebt H2APEX hervor, dass das neue Kernsegment „nahezu“ das Umsatzniveau des Services-Segments erreicht. Um diesen Übergang greifbarer zu machen, nennt das Unternehmen außerdem den Verkauf von grünem Wasserstoff aus eigener Produktion als wesentlichen Treiber. Für die technische Einordnung ist dabei interessant, dass die Mengensteigerung nicht als isolierter Produktions-Boost präsentiert wird, sondern als Teil eines Systems aus Erzeugung, Vermarktung und Projektumsetzung.
Besonders praxisnah wirken die beiden operativen Meilensteine, die H2APEX separat hervorhebt. Erstens erzielt die 100%ige Tochter AKROS Energy nach Angaben des Unternehmens „kurz nach Inbetriebnahme der Pilotanlage in Laage“ im Mai 2026 erste Umsätze mit ihrer containerbasierten Technologie zur Speicherung von Wasserstoff in Salz; die Kooperation umfasst Scale-up und Technologielizenzierung. Damit versucht H2APEX offenbar die Lücke zwischen Labor- bzw. Pilotphase und wiederkehrenden Erlösarten zu schließen: Während Engineering und Lizenzen häufig einmalige oder projektgetriebene Erträge sind, kann Wartung im Betrieb eine stabilere Planungsbasis schaffen. Zweitens schreitet das Großprojekt WAL voran: Gemeinsam mit Copenhagen Infrastructure Partners habe das Projekt im Mai 2026 einen Kapazitätsreservierungsvertrag mit der GASCADE Gastransport GmbH abgeschlossen und so die Einspeisekapazität für die geplante Elektrolyseanlage in Lubmin ins deutsche Wasserstoff-Kernnetz gesichert. In der Wasserstoffwirtschaft ist genau diese Schnittstelle zwischen Anlage und Netz oft die Engstelle; eine reservierte Kapazität reduziert das Risiko, dass Produktion ohne Abnahmeweg skaliert.
Für zusätzlichen Rückenwind sorgt aus Sicht des Unternehmens die Regulierung. Mit der Umsetzung der novellierten EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III gelten in Deutschland seit 2026 verbindliche Mindestquoten für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biogenen Ursprungs, darunter grüner Wasserstoff, innerhalb der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote). H2APEX leitet daraus eine regulierte, langfristig wachsende Nachfrage ab und argumentiert, dass diese Abnahmechancen sowie Umsatzvisibilität für künftige Projekte verbessert. Damit adressiert das Unternehmen ein typisches Marktproblem: Selbst wenn Anlagen technisch stehen, braucht es belastbare Nachfrage und Abnahmewege. H2APEX nennt in diesem Zusammenhang zentrale Großprojekte wie WAL, SKY und SPARK sowie dezentrale, standardisierte Anlagen als potenzielle Nutznießer der Quotenlogik.
Unter dem Strich positioniert sich H2APEX im ersten Halbjahr 2026 als Unternehmen, das die Transformation nicht nur rhetorisch beschreibt, sondern in Kennzahlen, Segmentlogik und operativen Meilensteinen hinterlegt. Der Ausblick bleibt dabei klar: Auf Basis der überwiegend vertraglich gesicherten Umsätze bestätigt das Unternehmen die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 mit einem erwarteten Umsatz zwischen 14 Mio. und 16 Mio. Euro. Für Investoren und strategisch planende Industriepartner ist das vor allem deshalb relevant, weil die Kombination aus höherer eigener Produktion, einem neuen Kernsegment sowie konkreten Infrastruktur-Schritten (Kapazitätsreservierung) zeigt, wie H2APEX die Unsicherheiten klassischer EPC-getriebener Wertschöpfung abzufedern versucht. Zugleich bleibt die Frage, wie schnell sich die Kostenbasis aus dem Hochlauf in Richtung Break-even bewegt – die negativen EBITDA-Zahlen mahnen hier zur Geduld.
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