LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein gezielter Cyberangriff auf Haruko soll 15 Krypto-Kunden getroffen haben. Dabei sollen Angreifer read-only Exchange-API-Details und Tradingdaten aus Prozessen ausgelesen haben. Haruko erklärt, die Schwachstelle behoben und die serverseitigen Geheimnisse erneuert zu haben. Für kleinere Hedge-Fonds mit schwächeren Kontrollen soll zudem ein kleiner Teil der Gelder abhandengekommen sein.

Haruko-Hack trifft 15 Krypto-Kunden: API-Infos und Tradingdaten betroffen
Haruko-Hack trifft 15 Krypto-Kunden: API-Infos und Tradingdaten betroffen (Foto: IT BOLTWISE)
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Haruko, ein auf institutionelle Krypto-Firmen spezialisiertes Infrastruktur-Unternehmen aus London, sieht sich nach einem Cyberangriff mit einem klar begrenzten, aber technisch heiklen Schadenbild konfrontiert: Nach Angaben von drei mit dem Vorfall vertrauten Personen soll ein gezielter Angriff 15 Kunden betroffen haben. Im Zentrum steht dabei nicht der Zugriff auf die Kundenkonten über deren eigene Systeme, sondern das Auslesen von Informationen aus der Umgebung des Anbieters. Der Vorfall zeigt damit ein Muster, das in der Branche seit Jahren diskutiert wird: Wenn Plattformen für Handel, Risiko-Management und Datenaustausch digitale Identitäten, Token und prozessinterne Speicherformen bündeln, kann ein kompromittierter Token schnell zu „Beobachtungs- und Verwertungsrechten“ führen, ohne dass der Angreifer zwingend die vollständige Kontrolle über die eigentlichen Custody- oder Wallet-Infrastrukturen benötigt.

Technisch beschreibt Haruko laut den im Artikel wiedergegebenen Nachrichten eine sehr konkrete Angriffskette: Der Angreifer habe eine Schwachstelle in einem der Haruko-Prozesse ausgenutzt, einen User-Access-Token extrahiert und anschließend Daten aus dem Speicher dieses Prozesses abgegriffen. Dieser Speicher könne unter anderem read-only Exchange-API-Details sowie weitere Daten enthalten haben. Entscheidend ist dabei der Unterschied zwischen dem, was auf Kundenseite „sichtbar“ wird, und dem, was auf Serverseite passiert: Nach den Angaben aus den Nachrichten sollen die Login-Zugangsdaten der Kunden auf deren eigenen Systemen nicht kompromittiert worden sein. Stattdessen sei der Zugriff über den Token in der Infrastruktur von Haruko entstanden – ein Ablauf, der für Incident-Responder besonders anspruchsvoll ist, weil er nicht primär mit klassischen Credential-Leaks bei Kundenworkstations korreliert, sondern mit serverseitigen Geheimnissen und Session-Artefakten.

Der Umfang bleibt laut den verfügbaren Informationen zugleich eingrenzbar und riskant. Berichten zufolge wurden ausschließlich Harukos Nicht-Whitelisted-Kunden betroffen; eine Whitelist begrenzt dabei, welche Computer oder Websites überhaupt kommunizieren dürfen. Damit wirkt die Sicherheitsmaßnahme zwar wie eine Firewall-Regel für den Kommunikationspfad, verhindert aber offenbar nicht, dass ein Angreifer innerhalb der Umgebung eines nicht zugelassenen Pfads über eine Schwachstelle an Token und Speicherdaten gelangt. Auch beim Thema Geld ist das Bild differenziert: Nach Angaben der Quellen soll ein kleiner Betrag gestohlen worden sein, und besonders kleinere Hedge-Fonds mit schwächeren Sicherheitskontrollen könnten anfälliger gewesen sein. Zusätzlich seien Tradingdaten ebenfalls entnommen worden – ein Verlust, der für Unternehmen nicht nur aus Vertraulichkeitsgründen relevant ist, sondern auch für Strategien, Timing und Risikoexposition.

Im Sicherheitsdesign spielt für den Vorfall ein weiterer Aspekt eine zentrale Rolle: Haruko setze laut einer der befragten Personen auf bare-metal-Server, also physisch dedizierte Rechner, statt auf Cloud-Dienste wie Amazon Web Services mit zusätzlichen Schutzmechanismen. „Bare metal“ kann je nach Aufbau Vorteile bei Kontrolle und Isolation bringen, verschiebt aber die Verantwortung für harte Schutzschichten, Patch-Management und Token-Schutz zurück auf den Betreiber. Wenn dann noch Prozess- und Speicherzugriffe nicht konsequent gegen Token-Extraktion und Datenabgriff abgesichert sind, entsteht genau die Art von Angriffsfläche, die in der Krypto-Welt besonders teuer werden kann. Krypto-Transaktionen sind in der Regel nicht rückholbar, und Plattformen stützen sich häufig auf digitale Berechtigungen sowie Signing-Systeme; selbst ein „nur“ read-only Token kann Angreifern dennoch verwertbare Informationen liefern, etwa wenn er API-Details oder Zugriffstafeln beinhaltet.

Haruko reagiert mit zwei operativen Maßnahmen, die in solchen Situationen Standard sind, aber im Detail entscheidend: Die Schwachstelle sei behoben und die serverseitigen Secrets seien erneuert worden. Zudem empfahl das Unternehmen, einen Inbound-IP-Whitelist-Mechanismus so zu konfigurieren, dass der Zugriff auf definierte Internetadressen beschränkt wird – ausdrücklich als „maximum protection“ positioniert. Außerdem kündigt Haruko an, einen vollständigen technischen Post-mortem zu veröffentlichen. Für die betroffenen Kunden bedeutet das vor allem, dass sie ihre eigenen Token- und Integrationspfade prüfen müssen: Selbst wenn deren eigene Credentials nicht kompromittiert wurden, kann ein Anbieter-Token-Layer Hinweise auf die nötigen Härtungsmaßnahmen liefern, etwa bei Least-Privilege-Konzepten, Token-Lebensdauer (TTL) und Speicherisolation innerhalb der laufenden Dienste.

Die Vorfalllage passt in ein breiteres Marktbild, in dem Angriffe auf Krypto-Unternehmen in der Frequenz zunehmen. Laut TRM Labs habe es im ersten Halbjahr 2026 einen Rekord von 207 Angriffen gegeben, mehr als doppelt so viele wie die 83 im Vorjahreszeitraum. Auch aus dieser Zahl lässt sich eine Arbeitsrealität ableiten: Security-Teams und DevOps-Gruppen stehen nicht vor einem Ausnahmefall, sondern vor wiederkehrenden Mustern. TRM Labs beziffert zudem, dass Infrastruktur- und operative Kompromittierungen etwa 76% des gestohlenen Geldes ausgemacht hätten, obwohl sie nur rund 15% der Vorfälle stellten – ein Signal dafür, dass „große“ Schäden häufig dort entstehen, wo Systeme, Berechtigungen und Betriebsprozesse direkt betroffen sind, nicht nur bei isolierten Webfehlern.

Für Unternehmen, die ähnliche Infrastruktur für digitale Assets betreiben oder in ihre Workflows integrieren, ist der Vorfall besonders lehrreich, weil er verschiedene Ebenen zusammenzieht: Datenzugriff über read-only Schnittstellen, die Grenzen von Whitelisting, die Risiken bei Token-Extraktion aus Prozessspeicher sowie die Bedeutung von Schutzmaßnahmen auf Provider-Seite. Neben Haruko stehen dabei viele Anbieter im Wettbewerb um institutionelle Kunden, deren Anforderungen an Risiko-Transparenz, Auditierbarkeit und technische Robustheit hoch sind. Aus Sicht der KI- und Automatisierungsentwicklung („KI“) wird die Relevanz zusätzlich greifbar: Reaktionsabläufe, Anomalieerkennung und Log-Korrelation profitieren zwar stark von KI-gestützter Auswertung, ersetzen aber nicht die harte Sicherheitsarbeit im Integrations- und Token-Design. Entscheidend ist, dass aus einem Vorfall messbare Kontrollpunkte entstehen – etwa wie Token minimal Rechte besitzen, wie Prozesse gegen Speicherabgriffe gehärtet werden und wie Integrationen bei Anbieter-Sicherheitsupdates kurzfristig neu validiert werden können.


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