BASEL / LONDON (IT BOLTWISE) – HIAG meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Reingewinnanstieg um 90,4% auf 85,0 Mio. CHF. Getrieben wird das Ergebnis vor allem durch den Vermarktungserfolg bei Eigentumswohnungen auf dem Areal „Chama“ in Cham sowie durch positive Neubewertungen des Immobilienportfolios. Gleichzeitig sinkt der Leerstand im Gesamtportfolio auf 2,8% zum 1. Juli 2026. Das Management verweist zudem auf einen soliden Finanzierungsspielraum, um die Projektpipeline weiter voranzutreiben.

Die Nachricht wirkt auf den ersten Blick wie ein klassisches Zwischenfazit aus dem Immobiliensektor, bekommt aber durch die Detailzahlen schnell Substanz. Für das erste Halbjahr 2026 weist HIAG einen Reingewinn von 85,0 Mio. CHF aus, das entspricht einem Plus von 90,4% gegenüber der Vorjahresperiode (H1 2025: 44,6 Mio. CHF). Auch das Betriebsergebnis fällt deutlich höher aus: Das EBIT steigt um 92,7% auf 105,7 Mio. CHF. Auffällig ist dabei die Struktur des Ergebnisses: Nach Wertänderungen nimmt der Reingewinn um 80,2% auf 36,9 Mio. CHF zu, wodurch klar wird, dass der Effekt nicht nur aus dem Bewertungsthema stammt, sondern auch aus laufenden operativen Erfolgen.
Technisch betrachtet ist das Unternehmensprofil weniger „Trading“ als vielmehr das Zusammenspiel aus Projektentwicklung, Vermarktungsreife und Immobilienbewertung. HIAG nennt als zentrale Treiber insbesondere den Ergebnisbeitrag aus Promotionen in Cham („Chama“) in Höhe von 23,3 Mio. CHF sowie Nettoaufwertungen der Immobilienanlagen von 53,4 Mio. CHF. Dazu kommt ein Erfolg aus Devestitionen von nicht mehr strategiekonformen Bestands- und Entwicklungsliegenschaften: 6,1 Mio. CHF. In der Sprache eines Projektentwicklers bedeutet das: Wird Vermarktungsfenster zur richtigen Zeit genutzt, wirken sich sowohl Cashflow-nahe Erlöse als auch die Neubewertung der Entwicklungsfortschritte auf das Gesamtergebnis aus.
Im laufenden Geschäft zeigt sich parallel, dass Wachstum nicht automatisch „ohne Reibung“ entsteht. Die Gesellschaft berichtet, dass die Portfoliobereinigung vorübergehend den Liegenschaftsertrag drückt: Nach Devestitionen sinkt der Liegenschaftsertrag um 3,3% auf 38,0 Mio. CHF, während der Like-for-like-Liegenschaftsertrag um 3,8% zulegt (H1 2025: 7,9%). Für eine Immobiliengruppe ist dieser Unterschied zwischen aggregierten und like-for-like Werten wichtig, weil er den Effekt aus Veränderungen im Bestand sichtbar macht. Zeitlich ordnet HIAG das auch ein: Per Jahresende dürften die Mieterträge durch die fertiggestellten Projekte in Cham und Zürich-Altstetten leicht über dem Vorjahresniveau liegen.
Der Blick auf die operative „Qualität“ der Bestände wird besonders greifbar, wenn man den Leerstand betrachtet. HIAG reduziert ihn weiter und nennt für den 1. Juli 2026 einen Wert von 2,8% (1. Januar 2026: 3,2%). Solche Werte sind in der Praxis mehr als nur ein kosmetischer Kennzahlencocktail, weil sie direkt in die Vermietungsplanung, Preisgestaltung und das Risikoprofil der Erträge einzahlen. Interessant ist außerdem, dass die Wertänderungen mit konkreten Projektfortschritten zusammenfallen: In Zürich-Altstetten ist das 80 Meter hohe Wohnhochhaus „Alto“ (mit Gewerbesockel) im März 2026 innerhalb von Budget und Zeitplan fertiggestellt worden; alle 149 Mietwohnungen und die Gewerbeflächen waren kurz nach Fertigstellung vermietet, die jährlichen Mieterlöse beziffert HIAG auf 6,3 Mio. CHF.
Für den Kapitalmarkt ist die Frage entscheidend, wie viel davon in den nächsten Jahren „durchreicht“. HIAG stellt dafür eine Projektpipeline mit sichtbarer Größenordnung in Aussicht: Das geplante offene Investitionsvolumen der sich im Bau befindenden oder kurz vor Baustart stehenden Projekte beträgt rund 278 Mio. CHF. Der erwartete jährliche Mietertrag aus diesen Projekten liegt laut Mitteilung bei etwa 16 Mio. CHF, während aus dem Verkauf von Stockwerkeigentumseinheiten ein Erlös von rund 356 Mio. CHF angestrebt wird. Dass HIAG im ersten Halbjahr keine Akquisitionen getätigt hat, ordnet das Unternehmen als disziplinierten und selektiven Ansatz ein; zugleich zeigt das Transaktionsgeschäft einen gewissen Markt-Zug: Eigentumsübertragungen in Aesch (BL) und St. Maurice (VS) sowie weitere Verkäufe brachten 6,1 Mio. CHF (H1 2025: 3,5 Mio. CHF), wobei die Verkaufspreise im Durchschnitt rund 40% über den jeweiligen Bilanzwerten lagen.
Die finanziellen Rahmenbedingungen liefern schließlich den „Sicherheitsgurt“ für die Strategie. HIAG weist eine Eigenkapitalquote von 56,4% aus (31.12.2025: 57,0%) und einen Loan-to-Value (LTV) netto von 39,2% (31.12.2025: 37,3%). Ergänzend nennt die Gesellschaft eine kommittierte, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Syndikatskreditlinie über 500 Mio. CHF, bei der zum Stichtag 350 Mio. CHF frei verfügbar gewesen seien. In Summe wirkt das wie eine solide Basis, um Entwicklungs- und Bestandsportfolio weiter auszubauen und Opportunitäten am Immobilienmarkt zu nutzen. Für das Gesamtjahr 2026 bleibt HIAG zudem zuversichtlich, nach dem Rekordergebnis von 2025 wieder ein Spitzenresultat zu erreichen, wobei das Unternehmen die erwarteten Fortschritte in der zweiten Jahreshälfte als wesentlichen Hebel beschreibt.
Als Einordnung lohnt sich, die Ergebnisse als Signal für die Kombination aus Timing und Bestandsmanagement zu lesen. Einerseits zeigt HIAG, dass Vermarktungserfolge bei Eigentumswohnungen („Chama“ mit 23,3 Mio. CHF) kurzfristig stark in die Ergebnisrechnung wirken. Andererseits zeigt der Rückgang beim Liegenschaftsertrag trotz positiver Like-for-like Entwicklung, dass Portfolioanpassungen kurzfristig Kosten im Ertragsprofil erzeugen können. Das Zusammenspiel aus sinkendem Leerstand, Nettoaufwertungen und einer finanziell belastbaren Plattform deutet darauf hin, dass HIAG die nächste Wachstumsphase vor allem über Projektfertigstellungen und selektive Verkäufe absichern will, statt über aggressives Zukaufen.
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