KYOTO / LONDON (IT BOLTWISE) – HORIBA stellt mit dem modularen Automotive-Emissionsanalysator MEXA-ONE ein System vor, das Gas- und Partikelmessung im Prüflabor sowie im Homologationskontext bündeln soll. Das Konzept zielt auf zuverlässige Messketten für CO, NOx und Kohlenwasserstoffe ebenso wie auf Partikelzahl- und Feinstaubmessungen nach gängigen Prüfanforderungen. Entscheidend für Betreiber sind dabei die robuste Integration in bestehende Testumgebungen, die Kalibrier- und Wartungsroutine sowie Schnittstellen für Datenerfassung. Für OEMs und Motorenentwickler bedeutet das: mehr Vergleichbarkeit über Zyklen wie WLTP oder US-FTP hinweg, bei gleichzeitig skalierbarer Systemkonfiguration.

HORIBA MEXA-ONE: Modulare Emissionsmessung für R&D, WLTP und Partikel-Tests
HORIBA MEXA-ONE: Modulare Emissionsmessung für R&D, WLTP und Partikel-Tests (Foto: IT BOLTWISE)
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Emissionsmessungen sind im Automotive-Labor schon lange kein reines „Messgerät“-Thema mehr, sondern Infrastruktur. Genau dort setzt HORIBA mit dem modularen Automotive Emissions Analyzer MEXA-ONE an: Er soll im Prüfstand und im Homologationskontext Gas- und Partikelmessung in einer Systemarchitektur zusammenführen, die sich an unterschiedliche Antriebsarten anpassen lässt. Im Kern geht es um die Frage, wie Unternehmen Testaufbauten so standardisieren, dass Ergebnisse aus R& D, Konformitätsprüfungen und späteren Validierungen besser vergleichbar werden. Hintergrund ist ein Markt, in dem Prüfzyklen, Grenzwerte und Methodendetails weiter unter Druck stehen, während Entwicklungszyklen zunehmend parallel laufen.

Technisch ist MEXA-ONE als Plattform gedacht, die sich aus mehreren Messkomponenten zusammensetzt. Dazu gehören Gasanalysatoren, eine Partikelmessung sowie Probenaufbereitung und je nach Konfiguration Verdünnungslösungen. Für Betreiber ist dabei nicht nur die Messfähigkeit entscheidend, sondern die Auslegung auf unterschiedliche Lastzustände: Der Analysator soll so dimensioniert sein, dass sowohl Leerlaufmessungen als auch Volllastprüfungen zuverlässig abgedeckt werden. Auf der Gas-Seite nutzt HORIBA etablierte Verfahren wie NDIR (Infrarot-Absorption) für CO, CO2 und HC, während NOx typischerweise über Chemilumineszenz (CLD) und O2 über Paramagnetik abgebildet wird.

Bei Partikeln wird es noch konkreter, weil die Messketten stark davon abhängen, welche Kennzahl am Ende für eine Typprüfung oder einen Vergleich im Labor benötigt wird. In entsprechenden Ausbaustufen adressiert MEXA-ONE daher Partikelzahl- und Feinstaub-Workflows über Messketten, die an gängige CPC- und PMP-konforme Ansätze angelehnt sind. Diese Unterscheidung ist wichtig: Gas- und Partikelmessung müssen im gleichen Takt und mit konsistenter Probenführung laufen, damit Emissionsprofile über einen Fahrzyklus hinweg nicht „auseinanderdriften“. Historisch waren solche Workflows oft aufwendige Einzelaufbauten; moderne Plattformen versuchen, Probenaufbereitung, Messprinzipien und Auswertung enger zu koppeln, um Fehlerquellen zu reduzieren.

Auch die Bedienung wirkt in der Praxis auf die Qualität der Ergebnisse ein. MEXA-ONE kommt mit einer Touchscreen-Bedienoberfläche auf einem Industrie-PC und zeigt Live-Kurven, numerische Werte sowie Statusmeldungen an. Gleichzeitig lassen sich Anzeigen und Logik nach Prüfsituation und Nutzerprofil konfigurieren, etwa mit spezifischen Kanälen für verschiedene Abgaskomponenten. Für die Integration in Testumgebungen setzt HORIBA auf gängige Schnittstellen wie Ethernet und CAN sowie herstellerspezifische Protokolle. Damit kann der Analysator in bestehende Prüflabore eingebettet werden; die Auswertung liefert anschließend typische Kennwerte, darunter Rohdaten, Mittelwerte sowie berechnete Emissionen etwa bezogen auf Strecke oder Energie.

Im Markt steht HORIBA mit solchen Emissionsmesssystemen in direkter Konkurrenz zu etablierten Test- und Messanbieter-Ökosystemen. Häufig genannte Alternativen aus der industriellen Testumgebung sind Lösungen von AVL im Bereich Antriebstechnik und Prüfstands-Integration sowie spezialisierte Mess- und Homologationsplattformen anderer Prüflaboranbieter. Der Vergleich ist weniger „Bestes Gerät“-Diskussion als vielmehr die Frage, wie gut die Gesamtlösung aus Hardware, Probenhandling, Kalibrierprozess und Software-Integration in den Alltag der Prüfzellen passt. Branchenkenner sehen in modularen Plattformen den Versuch, Investitionen über mehrere Antriebsgenerationen hinweg zu strecken, statt jedes Mal bei neuen Normdetails komplett umzubauen.

Ein zentraler Hebel für den Betrieb sind Wartung und Kalibrierung, denn Emissionsmessung ist regulatorisch hochsensibel. HORIBA betont daher regelmäßige Kalibrierungen mit Gasen bekannter Konzentration und definierter Eigenschaften. Typische Routinearbeiten umfassen Filterwechsel, die Prüfung von Pumpen und das Kontrollieren von Messzellen auf Verschmutzung oder Alterung. In der Praxis sind es oft die „laufenden“ Verbrauchsmaterialien, die den Aufwand und die Kosten beeinflussen: Filtereinsätze, Prüfgase und ähnliche Elemente. Größere Wartungen fallen in größeren Abständen an. Für Labore werden diese Kosten in der Regel als Fixbestandteil pro Teststandstunde eingeplant, weil sie eng mit der Planbarkeit von Entwicklungs- und Homologationsfenstern verbunden sind.

Der modulare Ansatz adressiert zudem unterschiedliche Einsatzszenarien: klassische Verbrenner, Hybridantriebe und Antriebe mit alternativen Kraftstoffen. Damit kann MEXA-ONE beispielsweise in der Entwicklung von Benzin- und Dieselmotoren ebenso eingesetzt werden wie bei Gasmotoren oder bei Kraftstoffen wie E-Fuels. In Homologationslaboren kommt das System typischerweise mit Fahrzyklen wie WLTP oder US-FTP in Verbindung, um Emissionen über den Zyklus zu integrieren. Interessant ist dabei der Unterschied zwischen fest installierten Prüfumgebungen und mobilen Konfigurationen: Je nach Teststrategie können Betreiber den Analysator entweder als dauerhaften Bestandteil der Testzelle nutzen oder für temporäre Messaufbauten flexibel einsetzen.

Aus historischer Perspektive ist das Thema Emissionsanalyse ein Dauerlauf: Frühe Messlösungen waren oft stärker monolithisch, und die Kopplung von Gas- und Partikelmessung war in vielen Laboren eher „zusammengesetzt“ als „plattformbasiert“. Mit zunehmender Komplexität der Antriebstechnologien und der Weiterentwicklung von Prüfanforderungen wurden Standardisierung und Software-Integration wichtiger. Genau hier entsteht ein Wettbewerbsvorteil, wenn Plattformen so gestaltet sind, dass sie Messketten konsistent halten, Schnittstellen für Datenerfassung bereitstellen und Kalibrier-Workflows nachvollziehbar machen. Für Unternehmen bedeutet das indirekt auch bessere Auditierbarkeit: Wenn Messmethoden, Konfigurationen und Datenflüsse sauber dokumentiert sind, sinkt der Aufwand bei Nachfragen in der Konformitätskette.

Regulatorisch und datenschutzrechtlich gilt: Emissionsdaten sind nicht nur technische Ergebnisse, sondern Teil eines Governance- und Qualitätsrahmens. Zwar sind die Messsignale selbst technisch, doch sie fließen meist in Prüfberichte, Qualitätsmanagementsysteme und Entwicklungsentscheidungen, wodurch Zugriff, Protokollierung und Integrität der Daten eine Rolle spielen. Dazu kommt die IT-Seite der Prüflabor-Infrastruktur: Schnittstellen zu Datenerfassungssystemen und Prüflaufsystemen müssen so abgesichert sein, dass unautorisierte Änderungen an Konfigurationen oder Messläufen möglichst ausgeschlossen werden. In der Zukunft werden Betreiber deshalb stärker darauf achten, wie die Plattform ihre Datenqualität entlang des Lebenszyklus beschreibt – von der Kalibrierung über den Messlauf bis zur Auswertung.

Der Ausblick ist dabei eindeutig: Je mehr Antriebsvarianten und Testfahrpläne parallel existieren, desto wertvoller werden skalierbare Systeme. Modularität kann Investitionen strecken, weil ein Labor nicht zwingend jedes Mal „von vorn“ beginnen muss, wenn sich Messdetails oder Prüfdrehbücher ändern. Für Entwickler eröffnet das außerdem bessere Vergleichbarkeit über mehrere Iterationen hinweg, sofern Auswertungslogiken konsistent bleiben. In naher Zukunft ist außerdem zu erwarten, dass solche Plattformen stärker mit Software-gestützter Datenanalyse und Automatisierung im Teststand zusammenwachsen – etwa, um Messläufe schneller auszuwerten oder Abweichungen früher zu erkennen. Unternehmen, die jetzt auf eine robuste Integrations- und Wartungsstrategie setzen, verschaffen sich damit einen praktischen Geschwindigkeitsvorteil bei der Entwicklung und Validierung neuer Antriebsgenerationen.


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