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LONDON (IT BOLTWISE) – Huawei positioniert die Freebuds Neo als günstige Alternative zu teureren In-Ears mit aktiver Geräuschunterdrückung. Für 109 Euro liefert das Modell 11-mm-Treiber, ANC vor allem für tiefe Frequenzen sowie LDAC und Spatial Audio. In der Bedienung setzen die Kopfhörer auf Gesten per Touch an kurzen Stielen, die aber etwas Übung verlangen. Entscheidend ist auch: Die App-Ausstattung und Codecs hängen stark vom Smartphone ab.

Huawei Freebuds Neo im Test: ANC-Kopfhörer mit LDAC und 109 Euro Preis
Huawei Freebuds Neo im Test: ANC-Kopfhörer mit LDAC und 109 Euro Preis (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit den Freebuds Neo bringt Huawei einen typischen Stellhebel ins Spiel, den der Markt bei True-Wireless-Kopfhörern seit Jahren nutzt: Man reduziert den Preis, versucht aber zentrale Features wie aktive Geräuschunterdrückung und „Premium“-Audio-Standards beizubehalten. Im Test wird genau dieser Spagat sichtbar, denn die In-Ears kosten 109 Euro und adressieren damit vor allem Nutzer, die bislang in der Einstiegs- oder Mittelklasse geblieben sind. Gleichzeitig packt Huawei die Freebuds Neo nicht nur mit ANC, sondern auch mit LDAC sowie Spatial Audio aus, beides Dinge, die in dieser Preiskategorie nicht alltäglich sind.

Technisch setzt Huawei auf einen dynamischen 11-mm-Treiber pro Stöpsel, unterstützt durch einen Dual-Magnet-Antrieb. Der Hersteller nennt einen Frequenzbereich von 10 Hz bis 48 kHz; im Alltag zeigt sich das vor allem als kräftiger Bass, der auch bei höherer Lautstärke kontrolliert bleibt. Hinzu kommt Bluetooth 6.0 als Funkgrundlage. Wichtig ist aber der Realitätscheck: Die Vorteile neuer Codecs hängen nicht nur von der Hardware, sondern auch vom Smartphone ab, das die Codecs überhaupt unterstützt. Im Test bleibt die Verbindung weitgehend stabil, und Multipoint sorgt dafür, dass sich die In-Ears gleichzeitig mit zwei Geräten koppeln lassen.

Bei den Audio-Codecs wird die Preisstrategie besonders spannend, weil sie aus einer Mischung aus „kann ich nutzen“ und „hängt von meinem Gerät ab“ besteht. Huawei nennt hochwertige Unterstützung für LDAC und den hauseigenen L2HC 4.0; L2HC soll bis zu 2,3 Mbit/s übertragen und verlustfreien Klang ermöglichen. Praktisch ist der Haken jedoch eindeutig: L2HC funktioniert nur mit Huawei-Smartphones, LDAC nur mit Android, während am iPhone lediglich AAC zur Verfügung steht. Daneben sitzt ein 3D-Audiochip für räumlichen Klang, optional mit Head-Tracking. Für Filme ist das ein spürbarer Mehrwert, aber bei Stereomusik wirkt der Effekt im Test eher künstlich und hallig; ohne Raumklang spielt das System präziser.

Auch beim Design versucht Huawei, sich erkennbar von der klassischen Stielbauform abzuheben. Die Kopfhörer sind mit 4,8 g pro Ohrhörer klein und leicht, mit einer sehr kurzen Stielgeometrie und stark abgerundeten Kanten. Das macht sie im Ohr angenehm, aber auch hier gibt es Kompromisse: Das glänzende Kunststoffgehäuse wirkt laut Test nicht ganz so hochwertig wie bei anderen Huawei-Modelle, und das Ladeetui fällt ebenfalls aus dem „Premium“-Raster. Mit 31 g ist es zwar leicht, wirkt aber durch seine breite Ovalform in der Hosentasche deutlich präsenter als schlankere Cases.

Für die Bedienung setzt Huawei auf Gesten per Touch an den kurzen Stielen: zweimal tippen startet oder pausiert die Wiedergabe, dreimal wechselt zum nächsten Titel, und lange Berührungen steuern Geräuschmodi oder das Ablehnen von Anrufen. Das Wischen verändert die Lautstärke, funktioniert also zuverlässig. Der Test nennt allerdings einen Lernaufwand, weil die kurze Geometrie dazu führt, dass man beim Tippen anfangs eher „trifft“, statt sauber zu bedienen; bei Huawei Freebuds Pro wird dagegen mit Drucksteuerung gearbeitet, die präziser sein soll. In den Apps lassen sich Gesten und Audiofunktionen anpassen: Die Einstellungen werden über Huawei AI Life und Huawei Audio Connect abgebildet, wobei Audio Connect auf Audiogeräte spezialisiert sein soll und AI Life stärker als Plattform für weitere vernetzte Huawei-Geräte dient.

Gerade für Android-Nutzer ist die App-Verfügbarkeit ein praktischer Punkt: Da beide Apps nicht im Google Play Store angeboten werden, installieren viele Nutzer über die Huawei Appgallery oder direkt von der Huawei-Website; im Test war Audio Connect zusätzlich im Honor App Market zu finden. Ohne App sind weder Gesten-Remapping noch Firmware-Updates möglich, was die Kaufentscheidung für technisch orientierte Nutzer indirekt beeinflusst. Beim Akku setzt Huawei auf 60-mAh pro Ohrhörer und 460 mAh im Case. Bei AAC nennt der Hersteller bis zu 10 Stunden ohne und 6,5 Stunden mit ANC; insgesamt sind es bis zu 40 bzw. 24 Stunden. Der Test bestätigt die Werte weitgehend, warnt aber, dass Laufzeit und Gesprächsleistung bei LDAC spürbar sinken.

Beim ANC wird der Einsatzbereich klar: Die aktive Geräuschunterdrückung arbeitet vor allem bei tiefen Frequenzen solide. Gleichmäßiges Brummen etwa von Motoren oder Klimaanlagen wird deutlich leiser, bleibt aber noch hörbar. Stimmen im Mitteltonbereich werden erwartbar weniger stark abgeschattet; Durchsagen am Flughafen oder im Flugzeug dringen daher noch durch. Für „weitgehend ungestörtes“ Musikhören reicht das Ergebnis dennoch, auch wenn die Oberklasse-Qualität nicht erreicht wird. Ergänzend gibt es einen Aufmerksamkeitsmodus, der über Mikrofone Umgebungsgeräusche durchleitet – praktisch am Gate oder im Straßenverkehr. Schutz bietet außerdem IP55 gegen Staub und Strahlwasser; der Test ordnet das als ausreichend für kurze Regenschauer und Schweiß beim Sport ein.

Unterm Strich zeigen die Freebuds Neo, wie stark sich gute Klang- und ANC-Ergebnisse im Einstiegspreisbereich bündeln lassen. Für 109 Euro im Huawei Shop bekommt man im Test guten Klang, ein ANC, das besonders bei tiefen Frequenzen überzeugt, und Funktionsbausteine wie LDAC sowie Spatial Audio, die in dieser Preisklasse selten sind. Die Abstriche liegen vor allem in der Haptik: Das glänzende Kunststoffgehäuse und das breite „Pillen“-Etui wirken einfacher, und das Case trägt sich spürbar auf. Genau diese Mischung aus starker Feature-Packung und klaren Material- bzw. Bedienkompromissen macht die Freebuds Neo zu einer Option für Nutzer, die bewusst für Audio-Funktionen zahlen wollen – und weniger für „Premium-Feeling“ im Case.

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