LONDON (IT BOLTWISE) – Die Erwerbsbeteiligung junger Erwachsener ist laut IAB-Daten auf ein Jahrzehnthoch gestiegen. Für 2025 liegt die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen bei 76,8 Prozent. Das entspricht einem Plus von 7,1 Prozentpunkten gegenüber 2015, während die Debatte um mangelnde Leistungsbereitschaft junge Menschen pauschal abwertet. Im Hintergrund sorgt vor allem die Arbeit studierender Personen für einen messbaren Strukturwandel.

IAB-Daten widerlegen Vorwürfe: 76,8 % Erwerbsquote bei 20- bis 24-Jährigen
IAB-Daten widerlegen Vorwürfe: 76,8 % Erwerbsquote bei 20- bis 24-Jährigen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Debatte über eine vermeintlich sinkende Leistungsbereitschaft junger Erwachsener bekommt durch aktuelle Zahlen eine klare Gegenposition: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht bei der Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen eine deutliche Aufwärtsbewegung. Im Jahr 2025 erreicht die Erwerbsquote dieser Altersgruppe 76,8 Prozent. Damit steht sie nach den IAB-Auswertungen so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr, während politische Vorwürfe in die gegenteilige Richtung zielten.

Rechnet man die Entwicklung zeitlich zurück, wird der Effekt besonders sichtbar. Gegenüber 2015 ist die Quote um 7,1 Prozentpunkte gestiegen: 2015 lag sie noch bei etwa 70 Prozent. Auch innerhalb der jüngeren Entwicklungslinie zeigt sich der Trend stabil und nicht nur ein statistischer Ausreißer. Seit 2023 nahm die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen noch einmal um 0,9 Prozentpunkte zu. Zum Einordnen lohnt der Blick auf eine ältere Referenzgruppe: Die Erwerbsquote der 25- bis 64-Jährigen lag 2025 bei 87,2 Prozent, stieg seit 2015 aber nur um 3,1 Prozentpunkte und seit 2023 um weitere 0,4 Prozentpunkte.

Technisch betrachtet ist das kein einzelner Indikator, sondern ein Zusammenspiel aus Bildungs- und Arbeitsrealität. Besonders prägnant ist die Rolle arbeitender Studierender: Für 2023 weist eine IAB-Studie aus, dass 56 Prozent der Studierenden einer Erwerbstätigkeit nachgingen. Das entspricht einer Steigerung um 19,3 Prozentpunkte gegenüber 2015. Andere Datenquellen bestätigen dieses Niveau auch für 2025, was für eine gewisse Verstetigung spricht. Für Arbeitgeber und Personalverantwortliche heißt das: Die Erwerbsquote junger Menschen entsteht nicht nur durch einen schnellen Übergang von Schule in Ausbildung oder Job, sondern zunehmend durch eine längere Parallelität von Lernen und Arbeit.

Damit rückt auch ein Punkt in den Fokus, den viele Diskussionen über Arbeitsmotivation übersehen: Wenn mehr junge Menschen neben dem Studium arbeiten, steigt der Bedarf an belastbaren Prozessen rund um Arbeitsorganisation, Zeiterfassung und Vertragsgestaltung. Schon die Diskussionen um Arbeitszeiten zeigen, wie leicht sich politische Schlagworte in die falsche Richtung verselbstständigen. In der Quelle werden dazu konkrete Positionen genannt: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder setzte sich zuletzt für eine Stunde Mehrarbeit pro Woche ein, während CDU-Chef Friedrich Merz Arbeit als wesentlichen Teil der Lebenserfüllung betonte. Dem stellt das IAB über die Forscherperspektive entgegen, dass das Klischee von Arbeitsunwilligkeit in dieser Pauschalität nicht durch die Daten gestützt werde.

Die differenzierte Betrachtung setzt sich auch fort, wenn nicht studierende junge Erwachsene in den Blick kommen. Für die Gruppe der 20- bis 24-Jährigen, die nicht studiert, liegt die Erwerbsquote 2025 bei 85,9 Prozent. Das bedeutet zwar nur ein Plus von 1,6 Prozentpunkten seit 2015, aber insgesamt weiterhin ein hohes Niveau. Ergänzend nennt die Studie, dass junge Menschen häufig in Branchen wie Handel oder Gastronomie arbeiten und damit einen messbaren Beitrag zur Wirtschaftsleistung leisten. Für Unternehmen ist das relevant, weil sich daraus konkrete Bedarfe ableiten lassen: Wer dort beschäftigt, muss verlässlich planen können, und zwar nicht nur bei Schichtmodellen, sondern auch bei der Dokumentation der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit.

Vergleicht man diese Resultate mit weiteren Untersuchungen, ergibt sich kein isoliertes Bild. In der Darstellung wird außerdem auf die Studie „Jugend in Deutschland 2026“ verwiesen, die der jungen Generation eine hohe Leistungsbereitschaft bescheinigt. Ebenso wird auf eine Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2024 verwiesen, die Arbeit weiterhin als hohen Stellenwert beschreibt, gleichzeitig aber betont, dass sich Erwartungen an Rahmenbedingungen und Arbeitsbedingungen verändert haben. Zusammengenommen liefern die genannten Befunde einen plausiblen Mechanismus: Junge Menschen ziehen sich nicht aus dem Erwerbsleben zurück, sondern verhandeln eher die Bedingungen, unter denen Arbeit stattfindet – und diese Verhandlung spielt sich zunehmend auch im Alltag von Teilzeitjobs neben dem Studium ab.

Gerade für den Arbeitsmarkt ergibt sich daraus eine nüchterne Botschaft für die Praxis. Erstens sollten Unternehmen ihre Personalgewinnung nicht auf die Annahme stützen, junge Talente seien grundsätzlich weniger arbeitsorientiert; die IAB-Zahlen sprechen dagegen. Zweitens wird der Trend zur parallelen Existenz von Bildung und Erwerbstätigkeit die Anforderungen an HR-Workflows erhöhen: von sauberer Arbeitszeitdokumentation über flexible Einsatzplanung bis hin zu rechtssicheren Vertragsbausteinen. Drittens wird der Wettbewerb um diese Alterskohorte nicht nur über Gehalt, sondern auch über Planbarkeit, Transparenz und verlässliche Prozesse entschieden.

Offen bleibt gleichwohl, wie sich die Daten in einzelnen Regionen und in unterschiedlichen Berufsgruppen weiter ausprägen. Der Hinweis auf Branchen wie Handel und Gastronomie zeigt zumindest, dass die Erwerbsquote nicht nur durch „Bürojobs“ geprägt wird, sondern stark durch Service- und Nahversorgungsbereiche. Wenn mehr junge Erwachsene arbeiten, steigen aber auch die Chancen für Arbeitgeber, die Ausbildungspfade und Arbeitsmarktintegration besser zu verzahnen – zum Beispiel indem Karriereangebote so gestaltet werden, dass sie mit Studium realistisch vereinbar sind. Für die öffentliche Debatte bedeutet das: Statt über eine angeblich sinkende Leistungsbereitschaft zu spekulieren, liefern die IAB- und Begleitdaten einen belastbaren Ausgangspunkt – und machen deutlich, dass Strukturwandel im Hintergrund sichtbar wird.


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