LONDON (IT BOLTWISE) – IBM meldet nach einer überraschend harten Vorwarnung ein enttäuschendes Quartal und senkt die Jahresprognose. Besonders schmerzhaft trifft die Einbuße im Mainframe-Geschäft: Der Bereich wird mit -42% beziffert. Der Konzern betont gleichzeitig, dass die Künstliche Intelligenz die Mainframe-Strategie nicht verdrängt, sondern neue Datenzentren antreibt. Offen bleibt, wann die ausgebliebenen Mainframe-Käufe nachgeholt werden.

IBM warnt vor schwachem Quartal: Mainframe bricht um 42% ein, KI bleibt Thema
IBM warnt vor schwachem Quartal: Mainframe bricht um 42% ein, KI bleibt Thema (Foto: IT BOLTWISE)
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IBM hat die Hoffnungen der Anleger in dieser Woche spürbar enttäuscht – und das ausgerechnet in dem Moment, in dem die Branche KI-gestützte Rechenzentren hochfährt. Der Konzern konnte zwar weiterhin sehr hohe absolute Kennzahlen vorweisen, nennt für das Quartal jedoch einen deutlichen Rückstand gegenüber den Erwartungen: In der Meldung werden 17,2 Milliarden US-Dollar Umsatz, 9,9 Milliarden US-Dollar Bruttogewinn, nahezu 58% Margen und 2,2 Milliarden US-Dollar Nettoergebnis genannt. Damit bleibt IBM zwar ein Cash-Generator, die Richtung stimmt aber kurzfristig nicht. Besonders heikel ist dabei, dass das Unternehmen auf der Investorenebene ungewöhnlich offen vorgewarnt hatte – inklusive eines vorbereiteten Blicks auf die Entwicklung im Vorfeld.

Im Zentrum der negativen Schlagzeilen steht der Einbruch im Mainframe-Geschäft um 42%. Auf dem Quartalscall erklärten CFO Jim Kavanaugh und das Management, dass IBM für jedes 1-Dollar-Mainframe-Hardwareverkauf im Schnitt 3 Dollar Softwareumsatz erzielt. Genau dadurch wirkt ein Rückgang bei den Hardwareauslieferungen wie ein Hebel auf die gesamte Profit-Mechanik: Weniger Mainframes bedeuten nicht nur weniger Hardwareerlös, sondern auch einen geringeren Software- und Wartungsstrom. Dazu kommt, dass IBM den betroffenen Bereich als Teil der „Infrastructure“-Kategorie beschreibt, in der das Unternehmen im Ergebnis zu schwächeren Werten als zuvor erwartet kommt und in der es außerdem Margendruck signalisiert. Die Konsequenz: Der Vorstand senkte die Prognose für das Gesamtjahr, wodurch das schwache Quartal nicht bei einzelnen Zahlen bleibt, sondern auf die restliche Jahresplanung durchschlägt.

Das Management versucht gleichzeitig, die Story zu stabilisieren: Die Verantwortlichen sprechen von einem temporären „Blip“ und verweisen auf Kunden, die in diesem Quartal eigentlich neue Mainframes hätten kaufen sollen, dies aber zunächst nicht getan hätten. Konkret nennt IBM, dass es sich um „Tens“ (also eine zweistellige Anzahl) von Kunden handelt, deren Kaufzeitfenster in das Quartal fiel und dann verschoben wurde. Für Außenstehende wirkt das zunächst nach wenigen Einheiten, in der Mainframe-Welt ist es aber ein anderes Kaliber: Mainframes kosten typischerweise hunderte Tausend bis Millionen US-Dollar pro System, und mit Wartungsverträgen sowie Softwarelizenzen entstehen häufig weitere Einnahmen in derselben Größenordnung. IBM stellt demgegenüber die These, dass Kunden nicht grundsätzlich vom Mainframe weggehen, sondern Budgets lediglich in andere Bereiche verlagern.

Diese Verschiebung ordnet IBM direkt in die Dynamik des KI-„Booms“ ein – allerdings nicht als Wachstumstreiber für die Mainframe-Absätze, sondern als Konkurrenz um Rechenzentrums-Budgets und verfügbare Kapazitäten. Die Begründung: Wenn Unternehmen neue KI-Cluster und Datenzentrumskomponenten aufbauen, steigen Kosten in mehreren Ebenen gleichzeitig. IBM führt dabei besonders „astronomische“ Aufschläge an, unter anderem in einer Spanne von 15% bis 30% für Data-Center-Equipment und PCs. Das Management beschreibt den Mechanismus als Budget-Umwidmung: Statt in dieser Phase auf neue Mainframe-Systeme zu setzen, steuerten Kunden zunächst dorthin, wo die Preissteigerungen am stärksten waren. IBM macht daraus aber kein Abschiedsszenario, sondern ein Timing-Problem – denn laut Krishna gebe es keine Anzeichen dafür, dass Kunden den Mainframe verlassen.

Technisch und marktseitig passt das Bild in eine bekannte Herausforderung moderner IT-Portfolios: Es ist nicht nur die Software-Lizenz, die Investitionsentscheidungen bestimmt, sondern die physische Lieferkette und die Kostenstruktur des gesamten Rechenzentrums. Speicher, Komponenten und Plattformen wurden in den letzten Quartalen durch den KI-Ausbau vielerorts stärker nachgefragt, was Hersteller wie Dell und HP bereits öffentlich mit Preis- und Kostensteigerungen in Verbindung gebracht haben; auch Apple hat entsprechende Aussagen adressiert. Für IBM bedeutet das: Die Mainframe-Architektur steht als System zwar weiterhin für Stabilität, Skalierung und oft auch für historisch gewachsene Unternehmensprozesse, aber die Beschaffung konkurriert kurzfristig mit KI-nahen Infrastrukturkomponenten, die in vielen Roadmaps gerade Priorität haben. Der Konzern versucht deshalb, die „KI tötet den Mainframe“-These zu entkräften, indem er den Mainframe als langfristig benötigte Plattform für bestimmte Workloads positioniert – während kurzfristig andere Beschaffungen den Cash- und Budgetfluss binden.

Für Entscheider in Unternehmen ist das vor allem eine Frage der Planungssicherheit. Wenn Mainframe-Käufe zeitlich verschoben werden, betrifft das nicht nur den Hersteller, sondern auch Systemlandschaften, Migrationen, Wartungszyklen und die Frage, wann Software-Commitments fällig werden. IBM liefert dazu einen wichtigen Hinweis: Einige Kunden hätten bereits im laufenden Quartal wieder Mainframe- und Softwareverträge abgeschlossen, was der Aussage „keine Verschiebung weg vom Mainframe“ zusätzliche Plausibilität gibt. Gleichzeitig bleibt das Risiko bestehen, dass Preisvolatilität im Rechenzentrum und Projektverschiebungen aus anderen Gründen die Nachfrage weiterhin in Wellen treiben. Die nächste Bestätigung wird also weniger in der Überzeugungsarbeit liegen als in den Folgequartalen: Wenn sich der Einbruch in -42% beim Mainframe-Geschäft glättet, dürfte die „KI kontra Mainframe“-Erzählung deutlich an Schlagkraft verlieren.


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