LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsforscher zeigen, dass Apples iCloud Private Relay bei bestimmten WebKit-Funktionen die echte IP-Adresse eines Nutzers offenbaren kann. Das Problem hängt laut Analyse mit DNS prefetching, WebAuthn Related Origin Requests und WebTransport zusammen. Damit könnten auch Passkey-fähige Webseiten Nutzerspuren über die normale Proxy-Route hinaus verknüpfen, selbst wenn das iCloud-Feature aktiv ist. Ein Proof-of-Concept-Seitenaufbau soll den Leak-Status direkt im Browser prüfbar machen.

iCloud Private Relay: WebKit-Features können echte IPs leaken
iCloud Private Relay: WebKit-Features können echte IPs leaken (Foto: IT BOLTWISE)
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Apples iCloud Private Relay gilt für viele Nutzer als zentrale Stellschraube, um die Privatsphäre beim Safari-Webzugriff zu erhöhen. Die Idee dahinter: Der Browserverkehr wird über eine Dual-Hop-Architektur geleitet, sodass weder ein einzelner Dienstanbieter noch Apple selbst den Ursprung der Anfrage und das Ziel gleichzeitig eindeutig bestimmen kann. Entwickelt wurde das Ganze mit iOS 15 und ist Teil des iCloud+ Abos. Für die Sicherheitspraxis ist jedoch entscheidend, wie die Schutzlogik in den Browser-Stack eingreift – und genau hier setzen nun veröffentlichte Details an.

Die Forscher Talal Haj Bakry und Tommy Mysk machen eine Schwachstelle in Apples WebKit fest, die den Schutzpfad an drei Stellen aushebeln kann: DNS prefetching, WebAuthn Related Origin Requests und WebTransport. Konkret lautet die Kernaussage, dass diese Funktionen den konfigurierten Proxy „bypass[en] und Traffic direkt vom Gerät senden“, wodurch die echte Netzwerkidentität sichtbar wird. In der Folge können Webseiten trotz aktivem Private Relay die reale IP-Adresse des Clients erhalten und dadurch Nutzersitzungen besser zuordnen – ein Szenario, das mit dem Datenschutzversprechen von Private Relay kollidiert, weil der Dual-Hop dann nicht mehr die vollständige Isolation zwischen Anfragesender und -ziel gewährleistet.

Technisch ist WebKit als zentraler Vermittler in mehreren Umgebungen relevant: Safari nutzt WebKit als Standard-Engine, und auch Drittanbieterbrowser auf iOS und iPadOS (etwa Chrome, Edge oder Firefox) laufen dort auf derselben WebKit-Basis. Die beschriebenen Leaks sollen deshalb nicht nur Safari betreffen, sondern allgemein jeden Browser, der die WebKit-Proxy-Konfigurations-APIs entsprechend einsetzt. Zudem nennen die Forscher auch macOS als betroffenes Umfeld. Das erhöht die Tragweite, weil es weniger eine isolierte Safari-Implementierung ist, sondern eher ein breiteres API- und Laufzeitproblem innerhalb der WebKit-Schicht.

Besonders brisant wird die Lage im Kontext von Passkeys: WebAuthn wird verwendet, um Benutzern das risikoreduzierende Login über passwortlose Verfahren zu ermöglichen. Nach den vorliegenden Angaben können „jede Webseite WebAuthn (die API für Passkeys) so konfigurieren, dass WebKit die echte IP-Adresse des Browsers offenlegt“, selbst wenn iCloud Private Relay in Safari aktiv ist. Tommy Mysk beschreibt weiter: „Because of the nature of the bug, the website has to deliberately exploit it to associate the user’s current browsing session with the leaked IP address. This does not require any user interaction or the use of passkeys.“ Für Unternehmen und Sicherheitsverantwortliche ist das ein wichtiger Punkt, weil daraus abgeleitet wird, dass Nutzeraktionen nicht zwingend nötig sind, sofern eine Webseite die entsprechende Schachstelle gezielt ansteuert.

Als praktischer Nachweis steht ein Proof-of-Concept namens „leaks.psylo[.]app“ bereit. Solche Testseiten sind meist zweigeteilt: Während der Bereich „HTTPS Traffic“ den normalen Verbindungsstrom zeigt, visualisiert „Possible IP leaks“ offenbar, wie und wo die echte IP-Adresse aus dem erwarteten Proxy-Pfad herausfallen kann. Dabei ordnen die Forscher das Risiko bewusst als „possible“ ein: Nicht jeder Browser sei gleichermaßen betroffen; zum Beispiel sei Desktop-Chrome laut den Angaben nicht betroffen. Außerdem sollen Leaks mitigiert werden, wenn der Nutzer mit einem VPN verbunden ist – ein Hinweis darauf, dass alternative Netzwerkpfade die Proxy-Bypass-Auswirkungen in der Praxis abfedern können.

Dass es bei Private Relay bereits zuvor Auffälligkeiten gab, ordnet die aktuelle Meldung in eine wiederkehrende Sicherheitsrealität ein. Kurz nach dem Release 2021 hatte FingerprintJS bereits eine WebRTC-basierte Mechanik thematisiert, die echte IPs leaken konnte. Wenige Monate zuvor wurde zudem ein anderes Datenschutzproblem rund um „Hide My Email“ beschrieben, bei dem reale E-Mail-Adressen unter bestimmten Bedingungen entmaskiert werden konnten. Die Parallele ist weniger ein einzelner Bug als vielmehr die grundsätzliche Herausforderung: Privacy-Techniken, die Verkehr über Proxies, Relays oder spezielle Browsermechaniken umleiten, müssen mit modernen Web-APIs wie WebAuthn und WebTransport konsistent bleiben. Sobald einzelne Transport- oder Namensauflösungswege an der Proxy-Logik vorbeilaufen, kippt der Schutzmechanismus.

Apple hat auf eine Anfrage nach Einschätzung zunächst nicht unmittelbar reagiert. Laut Angaben aus einer Kommunikation an eine Medienadresse untersucht das Unternehmen aber den Bericht der Forscher. Für die nächsten Schritte ist aus Sicht der Betreiber und Entwickler entscheidend, welche WebKit-Teile in zukünftigen Updates die Proxy-Policy konsequent durchsetzen und wie stark sich die Kette zwischen DNS-Auflösung, Origin-Abläufen und HTTP/3-Verbindungen (WebTransport) künftig validieren lässt. Besonders für Organisationen, die stark auf Browser-Sicherheit und datenschutzkonforme Zugriffe setzen, heißt das auch: Private Relay sollte nicht als „vollständig alleinstehende“ Schutzgarantie betrachtet werden, sondern als Baustein in einem Gesamtmodell aus Netzwerk-Architektur, VPN-Regeln und ggf. Browser-Policy-Standards.


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