NEWARK / LONDON (IT BOLTWISE) – Als Victoria Funn nach über 16 Jahren Militärdienst in den Zivilmarkt wechselte, fehlte ihr vor allem ein belastbarer Plan für ihr Business. ImpactNJ, ein neues Gründerprogramm von Seton Hall University, schickt ausgewählte Unternehmerinnen und Unternehmer in eine sechs wöchige Bootcamp-Phase und verknüpft sie danach 1:1 mit erfahrenen Mentoren. In der Auftaktkohorte waren 44 Gründerinnen und Gründer, darunter Funn, die mit Green Genius im Bereich Culinary Medicine und metabolische Strategien arbeitet. Die Initiative kombiniert Ausbildung, Coaching und Partnerzugang, finanziell begleitet unter anderem durch Citizens über ein Small-Business-Economic-Opportunity-Fund.

In Newark wird Unternehmertum derzeit nicht nur mit Hoffnung, sondern mit einem klaren Prozess strukturiert. Victoria Funn ist dafür ein greifbares Beispiel: Nach mehr als 16 Jahren Militärdienst wechselte sie in eine neue Rolle als Gründerin. Sie brachte Führungserfahrung und ein wachsendes Interesse an Health & Wellness mit, aber keinen “Go-to-Market”-Fahrplan. Ihr heutiger Weg führt über Green Genius, ein Unternehmen für Culinary Medicine und metabolische Strategien, das Frauen praktische, auf Lebensmitteln basierende Lösungen anbietet. Genau hier setzt ImpactNJ an und versucht, aus Leidenschaft systematisch einen tragfähigen Geschäftsaufbau zu machen.
ImpactNJ: Urban Ventures Collaborative ist als Auftaktprogramm mit einer definierten Kandidatenauswahl gestartet. Insgesamt wurden 44 Unternehmerinnen und Unternehmer für die erste Kohorte selektiert; mehr als 100 Bewerbungen kamen dafür aus der Region. Aus den Teilnehmenden beendeten 38 das sechs wöchige Bootcamp, bevor viele in eine Mentoring-Phase übergingen. Das Mentoring wird dabei nicht als generisches “Networking” verstanden, sondern als Zuordnung zu erfahrenen Business Leaders mit 1:1-Coaching. Für Funn war vor allem der Zugang zu konkreten Werkzeugen entscheidend: Sie nennt etwa Marketing, Social Media und die Skalierung des eigenen Geschäfts als Themen, die sie zuvor allein lösen musste.
Programm-Design ist in solchen Initiativen selten der spannendste Teil, aber bei ImpactNJ ist er ein Wettbewerbsvorteil. Das Setup wurde gemeinsam von Seton Hall University mit der University of Notre Dame über deren Urban Poverty and Business Initiative (UPBI) entwickelt. Zielgruppe sind Gründerinnen und Gründer aus unterversorgten Communities, die oft Vision und Energie mitbringen, aber nicht die Ressourcen oder Guidance besitzen, um aus Ideen stabile Unternehmen zu machen. Die Kombination aus Business Education, Mentoring und Community-Partnerschaften ist dabei bewusst als “Ökosystem-Ansatz” gebaut: Ausbildung liefert Grundlagen, Mentoring reduziert Fehlentscheidungen, und Partner öffnen Türen zu Ressourcen, die über einzelne Förderanträge hinausgehen.
Wenn man ImpactNJ mit anderen Business-Enablement-Programmen vergleicht, wird der Fokus auf operative Lernpfade deutlich. Als Referenz aus dem US-Markt gilt etwa “10,000 Small Businesses” von Goldman Sachs, das ebenfalls auf Trainingsmodule und begleitete Kapazitätsaufbauten setzt. Der Unterschied liegt weniger in der Zielrichtung als in der Ausgestaltung der lokalen Einbettung: ImpactNJ wird in Newark gehostet, u. a. bei Equal Space im Stadtkern, und arbeitet mit einem Bündnis aus 11 Community-Partnern. Laut Programmkonzept sollen so nicht nur kurzfristige Impulse entstehen, sondern ein nachlaufender Mechanismus, der Gründerinnen und Gründer mit finanziellen und institutionellen Ansprechpartnern verbindet.
Aus technischer Sicht wirkt das zunächst wie “nur” Coaching, doch dahinter steckt eine messbare Logik. Mentoring-Programme funktionieren besonders gut, wenn sie Entscheidungen in kleine Lernzyklen zerlegen: Hypothesen zu Kundenbedarf, Angebot, Preismodell und Vertrieb werden in Trainingsphasen überprüft, danach im Coaching anhand konkreter Kennzahlen nachgeschärft. Funn bringt das inhaltlich auf den Punkt, wenn sie beschreibt, dass ihr ImpactNJ geholfen habe, Fragen zu Marketing und Social Media zu beantworten und den Blick stärker zu machen, was Green Genius werden könnte. Für Entscheider in Unternehmen und Startups ist diese Struktur relevant, weil sie ähnliche Prinzipien aus dem Produktmanagement auf Entrepreneurship überträgt: iterativ planen, testen, Feedback einbauen.
Auch die Markt- und Wirkungskommunikation ist ein Teil der Strategie. Das Programm wird nicht im luftleeren Raum betrieben: Berichten zufolge unterstützt The Coca-Cola Company die UPBI-Erweiterung als Teil der ökonomischen Empowerment-Agenda, auch mit Blick auf das kommende FIFA World Cup 26. Solche Partnerschaften sorgen typischerweise für Reichweite, aber sie verändern auch die Erwartungshaltung an messbare Fortschritte. Zusätzlich nennt das Programm Wirkungssignale aus der Auftaktkohorte: 94% der Teilnehmenden identifizieren sich als Mitglieder von Minderheiten-Communities. Damit adressiert ImpactNJ nicht nur Talent, sondern auch Fairness- und Zugangsthemen entlang der Wertschöpfungskette.
Besonders interessant ist der finanzielle Baustein über Citizens. Im Programmkontext arbeitet Citizens mit ImpactNJ daran, Gründerinnen und Gründer mit Ressourcen zu verbinden, die Small Business Wachstum ermöglichen. Die Kooperation knüpft an Citizens’ Small Business Economic Opportunity Fund an, der Kapitalzugang mit Training und Mentoring kombiniert. Dan Fitzpatrick, Mid-Atlantic Regional president bei Citizens, beschreibt Small Businesses als zentral für die Resilienz von Communities und betont, dass Partnerschaften wie ImpactNJ Gründerinnen und Gründern die Tools und Netzwerke geben, die sie brauchen, um langfristige Chancen zu schaffen. Das ist mehr als Rhetorik: Ohne Kapital und ohne begleitendes Know-how scheitern viele Wachstumspläne an Liquiditäts- und Execution-Engpässen.
Für die Praxis stellt sich nun die Frage, wie der Übergang in die nächste Phase gelingt. Das Programm sieht vor, dass Mentoring fortgesetzt wird und viele Teilnehmende zusätzlich mit Seton-Hall-Student-Consultants zusammenarbeiten. Das erzeugt für beide Seiten einen Lerneffekt: Gründer erhalten hands-on Unterstützung, Studierende sammeln reale Beratungsfälle. Aus Unternehmenssicht ist das ein wertvoller Pipeline-Mechanismus, weil er Talententwicklung mit konkreten Use Cases verbindet. Gleichzeitig sollten Programmbetreiber darauf achten, Daten und Prozesse sauber zu gestalten: Bewerbungsunterlagen, Coaching-Feedback und Finanzinformationen erfordern Datenschutz- und Sicherheitsmaßnahmen, etwa eine klare Rollenverteilung, Zugriffskontrollen und ein belastbares Umgangskonzept für personenbezogene Daten im Einklang mit geltenden US- und ggf. international berührten Standards.
Der Blick in die Zukunft macht deutlich, warum solche Initiativen auch für Tech-Organisationen spannend sind. ImpactNJ zeigt, dass “Enablement” zunehmend wie ein Produkt gebaut wird: Es gibt eine klar definierte Zielgruppe, eine strukturierte Lernphase, Matching mit Mentoren und eine Verlängerung über studentische Projekte. Wenn das skaliert, könnten ähnliche Modelle in anderen Städten nachgezogen werden, insbesondere dort, wo lokale Ökosysteme aus Bildung, Kapitalgebern und Community-Partnern noch nicht dicht genug verkettet sind. Für Gründerinnen wie Funn bleibt entscheidend, dass das Mentoring nicht nur Motivation liefert, sondern konkrete Entscheidungsgrundlagen: Angebot schärfen, Vertrieb testen, Kundenfeedback in Prozesse übersetzen. Genau dieser Weg dürfte in Newark in den nächsten Monaten sichtbar werden.
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