LOS GATOS / LONDON (IT BOLTWISE) – InfiniG hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 5,2 Millionen US-Dollar abgeschlossen und erweitert damit seine Plattform für Mobile Coverage as a Service (MCaaS). Das Startup will Gebäudeeigentümern eine neutral-host, Multi-Carrier-Funkabdeckung für Innenräume ermöglichen, ohne die typische Komplexität und Kosten von Distributed Antenna Systems. Gleichzeitig soll die cloudbasierte Integration die Einbindung neuer Mobilfunkbetreiber automatisieren und die Bereitstellung deutlich beschleunigen. Geplant sind außerdem die Skalierung von „InfiniG Insights“ sowie weitere Schritte in Richtung Plattformautomatisierung und physischer KI.

InfiniG setzt im Gebäudefunk an der Stelle an, an der klassische Mobilfunk-Rollouts in den USA besonders teuer und langsam werden: nicht beim Funksignal selbst, sondern bei der Umsetzung pro Gebäude. Die neue Seed-Finanzierung über 5,2 Millionen US-Dollar soll die Plattform „Mobile Coverage as a Service“ (MCaaS) schneller ausrollen. Im Kern geht es darum, dass Anbieter nicht mehr jedes Objekt mit eigenem Setup, eigener Hardware und eigenem Integrationsaufwand versorgen müssen, sondern über eine standardisierte Infrastruktur mit einer einheitlichen Kopplungsschicht angebunden werden.
Technisch adressiert InfiniG dafür ein Indoor-Abdeckungsproblem, das seit Jahren vor allem Betreiber und Immobilienunternehmen spürbar beschäftigt. In der bisherigen Praxis liefern Mobilfunkbetreiber wie AT&T, Verizon oder T-Mobile die Abdeckung, allerdings über Prozesse, die über Jahrzehnte gewachsen sind und pro Standort eigene Komponenten und Personal erfordern. Lindholm, Mitgründer und CEO von InfiniG, ordnet das als ein Modell ein, das die Reichweite auf die größten Standorte begrenzt, während viele Gebäudearten wie Krankenhäuser, Hotels, Büros, Lagerhallen und Produktionsstätten ohne ausreichende Abdeckung bleiben. Die Plattform soll genau hier eine Skalierung ermöglichen: statt für hunderte Objekte perspektivisch für Tausende.
Damit das funktioniert, nutzt InfiniG CBRS (Citizens Broadband Radio Service), also ein nicht-betreibergebundenes Spektrum, um in einem Gebäude eine gemeinsame Funkinfrastruktur bereitzustellen, die mehrere Carrier verwenden können. Der Immobilieneigentümer installiert dabei die Infrastruktur, während InfiniG über seine cloudbasierte Plattform das Gebäude an die Mobilfunkbetreiber „andockt“. Für Carrier verspricht InfiniG vor allem planbare Integration, weil die Bereitstellung standardisiert wird und sich die Kosten für die Teilnahme an einem Netzwerk um 5 Prozent reduzieren sollen. Für Kunden entfällt dagegen ein großer Teil des administrativen und rechtlichen Overheads, weil individuelle Vereinbarungen pro Carrier weniger oder nicht mehr nötig sein sollen.
Ein wichtiger Hebel steckt in der Automatisierung der Betreiberintegration und in der Geschwindigkeit der Bereitstellung. Laut Unternehmen kann die gesamte Lösung als Dienstleistung in weniger als drei Monaten installiert und produktiv geschaltet werden. Das setzt voraus, dass die Plattform nicht nur Funktechnik verwaltet, sondern auch die Muster wiederverwendet, die in einzelnen Einbauprojekten zuvor immer wieder von vorn geplant werden mussten: von der physischen Infrastruktur im Gebäude über die Kopplung in die Carrier-Umgebung bis zur fortlaufenden Betriebslogik. Genau diese Verbindung aus standardisierter Bereitstellung, cloudbasierter Steuerung und nachgelagerter Daten- bzw. Insight-Schicht wird auch als „InfiniG Insights“ beschrieben.
Die strategische Bedeutung zeigt sich außerdem daran, welche „Upgrade-fähige“ Basis InfiniG aufbauen will. Die Plattform soll nicht bei der aktuellen Indoor-Carrier-Abdeckung stehen bleiben, sondern Voraussetzungen für künftige 5G-Dienste, private drahtlose Netzwerke, physische KI sowie vernetzte Gebäudeanwendungen schaffen. Für ein Unternehmen, das in gewerblichen Immobilien operiert, ist das mehr als ein Marketingversprechen: 5G im Gebäude ist oft ein Zusammenspiel aus Funkplanung, Betriebskonzepten und Integrationsaufwand, der häufig an proprietären Insellösungen hängt. InfiniG positioniert sich daher explizit als „neutral-host“ und Multi-Carrier-fähige Infrastruktur, die spätere Erweiterungen weniger zu einem Neubau der Systemlandschaft machen.
Dass die Skalierbarkeit hier im Zentrum steht, passt auch zur Entstehungsgeschichte des Startups. InfiniG wurde 2023 gegründet und entstand bei Meta, während Lindholm dort tätig war; als Hauptanreiz für Investoren nennt das Unternehmen die Skalierbarkeit der MCaaS-Plattform. Die Argumentation der Geldgeber dreht sich entsprechend um die Modernisierung eines Markts, der bisher auf Bereitstellungsmodelle setzt, die vor allem für eine kleine Zahl von Premium-Standorten ausgelegt sind. Gleichzeitig bringt InfiniG in die Diskussion einen zweiten Faktor ein: Im öffentlichen Sektor und Militär werde zunehmend Bedarf an kommerziellen Technologien gesehen, die kritische Infrastruktur, Gesundheitswesen und Kommunikation stützen – mit dem Hinweis auf die Eignung widerstandsfähiger, skalierbarer Mobilfunkinfrastruktur.
Für die Marktseite heißt das: Das Startup versucht, den Integrationsaufwand vom „einmaligen Projekt“ zum „wiederholbaren Service“ zu verschieben. Wenn die Versprechen rund um Kostenreduktion (5 Prozent für Carrier-Teilnahme) und Zeitplan („weniger als drei Monate“) in der Praxis ankommen, könnte MCaaS für Betreiber und Immobilienunternehmen ein klarer Beschaffungsweg werden. Für Anbieter entsteht dabei die Chance, Indoor-Funk schneller zu standardisieren, ohne für jeden Standort ein eigenes Rollout-Setup zu entwerfen. Unklar bleibt vorerst, wie sich die Lösung in heterogenen Gebäudeumgebungen in großen Stückzahlen operationalisieren lässt und wie zuverlässig die Plattformautomatisierung beim Zusammenspiel aus Funk, Carrier-Anbindung und laufendem Betrieb skaliert.
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