LONDON (IT BOLTWISE) – Informa erweitert sein Event-Portfolio um das Informa Tech Forum Europe, das ab Q4 2026 auf europäische Tech-Entscheider mit Expo und KI-/Cyber-Tracks zielt. Geplant sind 5.000 bis 7.000 Besucher in der Startausgabe, begleitet von kuratierten Workshops und Roundtables. Besonders relevant für Unternehmen: ein datengetriebener Besucher- und Lead-Ansatz, der über einen digitalen Layer auch nach der Messe fortwirkt. Gleichzeitig verschiebt das Format die Konkurrenz um Marketing- und Vertriebsbudgets stärker in Richtung Projekt- und Budgetplanung.

Informa geht mit dem Informa Tech Forum Europe im vierten Quartal 2026 einen Schritt weiter, weg von allgemeinen Branchenmessen hin zu einem stärker kuratierten Format für europäische Unternehmens-Entscheider. Statt nur Reichweite zu liefern, sollen CIOs, Sicherheitsverantwortliche und Einkaufsteams vor allem konkrete Projekte vergleichen: Cloud-Migrationen, KI-Einsatz im Kundenservice und Strategien gegen Ransomware. Der Start ist als dreitägige Konferenz- und Expo-„Plattform“ in einer großen Messehalle in Westeuropa gedacht, mit mehreren Bühnen und einer begleitenden Logik aus Workshops, geschlossenen Roundtables und kuratierten Tracks.
Technisch bleibt das Event selbst zwar eine klassische Präsenzveranstaltung, aber es setzt auf ein bekanntes Muster aus dem B2B: digitale Interaktion als Verlängerung der physischen Kontakte. Informa plant einen digitalen Layer mit gestreamten Keynotes, On-Demand-Sessions und virtuellen Ausstellerprofilen, die nach dem Event abrufbar bleiben. Entscheidend ist dabei der operative Unterbau: Anmeldung, Terminplanung und Matchmaking sollen aus einer bestehenden Eventplattform kommen. Für Teilnehmer bedeutet das praktisch, dass Meeting-Termine und Agenda-Wahl nicht nur „vor Ort“ funktionieren, sondern als digitale Datenbasis in den Nachlauf eingebettet sind.
Historisch betrachtet folgt das Forum damit einer Entwicklung, die in den letzten Jahren besonders bei Tech-Events in Europa sichtbar wurde: Der Übergang von „Standfläche plus Vorträge“ zu datengetriebenen Begegnungs-Mechaniken. Viele Veranstalter haben dafür in den letzten Zyklen ihre Plattformen modernisiert, etwa im Bereich Lead-Scoring, Terminmatching und Content-Personalisierung. Der Unterschied zum reinen Kongress liegt im Mix aus Expo und Fachprogramm: Aussteller mieten Standflächen und erhalten durch Lead-Generierung eine messbarere Vertriebsgrundlage, während die Inhalte mehr auf Umsetzungserfahrungen als auf grundsätzliche Technologiedebatten ausgerichtet sind. Damit adressiert Informa die Erwartungshaltung von Unternehmen, die ROI-getriebene Formate bevorzugen.
Im Markt steht das Format direkt in einem Wettbewerbsumfeld, in dem sowohl Konferenzhäuser als auch Medienanbieter eigene B2B-Events für Cloud, Security und Datenanalyse betreiben. Informa positioniert sich allerdings nicht als „größtes Tech-Event“, sondern als fokussierte Plattform für Entscheider, die Budgets steuern. Das verschiebt den Wettbewerb von klassischen Messeetats hin zu Marketing- und Vertriebsbudgets: Wer heute in Lead-Qualität, konkrete Projektpipeline und Nachverfolgbarkeit investiert, sucht Formate, die nicht nur „Besucher bringen“, sondern qualifizierte Gespräche. Branchenanalysten berichten in diesem Zusammenhang häufig, dass Kuratierung und Datenintegration mittlerweile genauso wichtig sind wie die reine Themenbreite.
Auch aus Expertensicht ist die Timing-Frage zentral. Wer Q4 2026 ein neues Tech-Event aufbaut, muss zugleich die Planungszyklen europäischer IT-Organisationen treffen: Security-Budgets werden in vielen Unternehmen früh festgezurrt, während Cloud- und Datenprogramme oft entlang von Migrations- und Operating-Model-Entscheidungen laufen. Ein Beispiel aus der Marktpraxis: Organisationen, die Ransomware-Risiken adressieren, wollen weniger allgemeine Awareness als konkrete Migrations- und Incident-Response-Ansätze sehen. Laut Aussagen von Event- und Branchenberatern gewinnt deshalb ein Format an Zugkraft, das Security-Workflows, KI-Anwendungsfälle und „Wie wir geliefert haben“-Fallstudien kombiniert. Genau diese Kombination wird in der Agenda-Skizze von Informa angedeutet.
Für das Geschäftsmodell setzt Informa auf drei Erlösquellen, die in solchen Plattform-Setups typischerweise die Ausrichtung bestimmen: Standmieten, Sponsoringpakete und Ticketing. Sponsoring soll Branding und Lead-Generierung bündeln, während Ticketpreise und Premiumzugänge die Profitabilität „abrunden“. Die entscheidende Stellschraube für die erste Ausgabe ist aus Investorensicht die Wechselwirkung aus Besucherzahlen und Zielgruppenpassung: Wenn die 5.000 bis 7.000 Besucher die richtigen Rollen abdecken, erreichen Aussteller und Sponsoren ihre Ziele eher so, dass Verträge verlängert werden. Informa will dieses Risiko über bereits bestehende Kundennetzwerke und Datenbanken abfedern, anstatt komplett neue Zielgruppen aufzubauen.
Genau hier wird auch die Datenschutz- und Security-Perspektive wichtig, obwohl es „nur“ um ein Event geht. Ein datengetriebener Layer basiert auf Anmelde- und Nutzungsdaten (z. B. Session-Wahl, Kontaktinteraktionen, Agenda-Interessen), die Rückschlüsse auf Unternehmensprioritäten erlauben können. Unternehmen werden deshalb sensibler darauf schauen, wie Einwilligungen verwaltet werden, wie Daten minimiert und wie lange Kontaktdaten gespeichert bleiben. Für Aussteller und Sponsoren ist zudem relevant, wie das Lead-Matching technisch abgesichert wird, damit nicht versehentlich personenbezogene Informationen in unkontrollierten Flows landen. Gerade im Security-Umfeld ist die Erwartung hoch, dass das Format selbst „secure by design“ denkt.
In der Zukunft könnte das Informa Tech Forum Europe zum Baustein einer breiteren, wiederkehrenden Plattformstrategie werden: Präsenzevent, digitaler Nachlauf und daraus abgeleitete Reports oder zielgerichtete Kampagnen. Für Entwickler und Anbieter im Ökosystem ist das interessant, weil sie nicht nur Reichweite kaufen, sondern gezielt in Projekt- und Budgetgespräche hineinwirken können. Gleichzeitig wird der Maßstab härter: Wettbewerber wie große Messeveranstalter mit Digital-Formaten oder spezialisierte Tech-Kongressanbieter werden verstärkt daran gemessen, wie gut Termin- und Content-Personalisierung tatsächlich funktioniert. Wenn Informa diese Mechaniken in Q4 2026 stabil ausrollt, ist die wahrscheinlichste Entwicklung eine engere Verzahnung von KI-Use-Cases, Security-Betrieb und Cloud-Delivery-Ansätzen in wiederkehrenden Tracks.
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