FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Die ING will ihre Kontostrukturen in allen Märkten neu aufstellen, setzt in Deutschland aber auf Kontinuität beim Girokonto. ING Deutschland bleibt beim kostenlosen Modell, solange die Bedingungen erfüllt sind. Wenn 1.000 Euro pro Monat eingehen oder der Kontoinhaber unter 28 Jahre alt ist, fallen keine Gebühren an. Sonst kostet das Konto 4,90 Euro monatlich – der Konzernchef stellt damit die neue Kostenstruktur klar auf bewährte Nutzungsszenarien ein.

Die ING ordnet ihre Girokonten in mehreren Ländern neu und führt dafür eine standardisierte Struktur mit vier unterschiedlichen Kontomodellen ein. Für viele Privatkunden in Deutschland ist dabei weniger die Modellzahl entscheidend als die Frage, ob das beliebte kostenlose Girokonto verschwindet. ING-Konzernchef Steven van Rijswijk kündigte beim „Handelsblatt-Bankengipfel“ in Frankfurt an: „Daran wird sich nichts ändern“ – eine klare Botschaft, gerade weil Direktbanken in den vergangenen Jahren ihre Preislogik stärker an Nutzung und Status gekoppelt haben.
Technisch und operativ hängt die Vereinheitlichung der Kontomodelle meist weniger von der Kontoführung selbst ab als von der Abbildung in Abrechnungssystemen, Produkt-Logiken und Kundenkommunikation. Bei der ING Deutschland orientiert sich das kostenlose Girokonto bereits jetzt an zwei Standardhebeln: Entscheidend ist, ob monatlich mindestens 1.000 Euro auf dem Konto eingehen oder ob der Kontoinhaber unter 28 Jahre alt ist. Unter diesen Voraussetzungen bleibt das Konto kostenlos; in der Praxis bedeutet das, dass sich das Preisrisiko für junge Kundinnen und Kunden häufig über das Alter steuern lässt, während für andere die Gehalts- oder regelmäßige Transferströme zur Eintrittskarte werden.
Wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, greift ein klarer Kostenmechanismus: Dann verlangt die Direktbank 4,90 Euro Gebühren pro Monat. Dieses Muster passt zu dem, was in der Branche seit dem Wegfall oder der Verlagerung vieler „bedingungsloser“ Gratismodelle zu beobachten ist. Ein pauschales Null-Euro-Girokonto ohne Einschränkungen gibt es laut der Darstellung im Markt inzwischen kaum noch; stattdessen werden Nutzungs- und Kundenprofile in die Preisgestaltung integriert. Damit steigt zwar die Vergleichbarkeit innerhalb einer Bankfamilie, aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Kundengewichte verschieben, etwa wenn Gehaltseingänge nicht mehr regelmäßig oder Haushaltsbudgets unter Druck geraten.
Die zeitliche Planung zielt auf einen späteren Rollout: ING Deutschland-Chef Lars Stoy hatte Anfang August angekündigt, dass das Design der künftigen Kontomodelle noch ausgearbeitet werde und dass der aktuelle Plan auf einen Rollout Mitte des Jahres 2027 hinausläuft. Das ist ein relevanter Vorlauf, denn Kontomodelle lassen sich selten „über Nacht“ wechseln: Laufende Produkte müssen in Migrationspfade überführt werden, bestehende Kundenbeziehungen brauchen eine rechtssichere Umstellung, und Gebührenlogiken müssen in allen relevanten Kanälen konsistent funktionieren – von der App bis zu Kontoauszügen und Serviceprozessen.
Finanzseitig liefert der Artikel zudem einen weiteren Hinweis auf die Konditionendynamik rund um Tagesgeld und ähnliche Bausteine: Es wird ein Zins-Check erwähnt, bei dem erstmals 4,25 Prozent Zinsen genannt werden. Auch wenn das im Text nicht zwingend direkt an das Girokonto gekoppelt ist, zeigt es doch, wie Banken ihre Produktlandschaft häufig in Pakete aus Kontofunktionen und verzinslichen Elementen denken. Für die Kundenseite bedeutet das: Wer die Bankbeziehung aktiv nutzt, kann mehrere Hebel gleichzeitig bedienen – Konto über Nutzung, Zinsen über passende Sparprodukte oder Einlagenmodelle.
Für die Markteinordnung ist zudem wichtig, dass der Konzern die Kontostrukturen „in allen Märkten“ vereinheitlichen will. Das ist vor allem eine Wettbewerbsstrategie: Einheitliche Modelle reduzieren Komplexität in IT, Produktsteuerung und Marketing, während lokale Konditionen zumindest teilweise über Parameter wie Alter, Mindestumsatz oder Staffellogik abbildbar bleiben. Gleichzeitig bleibt der operative Druck hoch: Sobald andere Direktbanken ihre Einstiegshürden weiter verschärfen oder neue, stärker segmentierte Modelle einführen, entscheidet nicht nur der Preis, sondern auch die Transparenz der Bedingungen und die Latenz zwischen Ankündigung und tatsächlichem Rollout über die Kundenwanderung.
Für Unternehmen, die Gehaltszahlungen, Dienstreisekosten oder Projektabrechnungen über eine Bank bündeln, ist die neue Kontostruktur mittelbar relevant: Wenn private Girokonten stärker an regelmäßige Geldeingänge gekoppelt werden, müssen Haushalte und auch kleinere Selbstständige ihre Zahlungsströme genauer planen. Für Banken wiederum bietet die angekündigte Vereinheitlichung die Chance, Kontomodelle künftig schneller zu testen und nachzusteuern, etwa indem sie Produktparameter in Kampagnen und Wechselprozesse integrieren. Entscheidend wird aber sein, ob ING den „kostenlos bleiben“-Ansatz tatsächlich in allen vier Kontomodellen so stabil hält, dass die Zielgruppen nicht durch Nebenbedingungen aus dem kostenlosen Raster fallen.
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