HANNOVER / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Startup Inleap Photonics aus Hannover hat bei Investoren 20 Millionen Euro für laserbasierte Drohnenabwehr eingesammelt. Die Technologie setzt auf einen gebündelten Lichtstrahl statt auf Funkstörung, weil Jamming und Spoofing bei bestimmten Drohnentypen an Grenzen stoßen. Laut Gründer Marius Lammers verspricht das System pro Einsatz weniger als einen Euro Stromkosten und schaltet automatisch ab, sobald der Strahl auf ein anderes Objekt trifft. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine Produktion hochfahren und gleichzeitig Serienfähigkeit anstreben.

Inleap Photonics sammelt 20 Mio. Euro: Laser gegen Drohnen im Aufwind
Inleap Photonics sammelt 20 Mio. Euro: Laser gegen Drohnen im Aufwind (Foto: IT BOLTWISE)
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Laser gegen Drohnen rücken derzeit spürbar näher an den Alltag von Betreibern kritischer Infrastruktur. Der Ausgangspunkt ist die wachsende Zahl unerlaubter Drohnenflüge: Für Deutschland nennt die Deutsche Flugsicherung für das erste Halbjahr 145 Beeinträchtigungen des Flugbetriebs durch solche Vorkommnisse, nach 226 im gesamten Vorjahr. Genau dort setzt das Geschäftsmodell von Inleap Photonics an: Statt auf gängige Störmethoden zu setzen, verfolgt das Startup eine Laserstrategie, die sich in wenigen Sekunden entscheiden und gezielt wirken soll.

Technisch betrachtet ist der Unterschied zwischen „Funk kaputtmachen“ und „Energie in ein Ziel bringen“ entscheidend. Jamming unterbricht die Funkverbindung zwischen Drohne und Pilot, wird aber insbesondere bei glasfasergesteuerten Drohnen wirkungslos, weil die Kommunikation dann nicht mehr über Funk läuft. Auch Spoofing, bei dem dem System falsche Daten bereitgestellt werden, greift bei bestimmten Architektur- und Navigationsansätzen nicht zuverlässig. Inleap zielt deshalb auf ein anderes Wirkschema: Ein gebündelter Lichtstrahl soll die Drohne zerstören, während das System zugleich Sicherheitslogik mitbringt, die im Zweifel die Energiezufuhr stoppt.

Dass Laser-Lösungen grundsätzlich funktionieren, ist nicht neu, aber der industrielle Einstieg in den Alltag ist es. Die israelische Armee nutzt nach dem vorliegenden Bericht bereits ein entsprechendes System; außerdem kam zuletzt auf einem US-Marineschiff eine Laserwaffe zum Einsatz, um iranische Drohnen zu neutralisieren. Auf der politischen Agenda steht Laserabwehr ebenfalls: Großbritannien plant, ab 2027 laserbasierte Drohnenabwehr auf Kriegsschiffen einzusetzen. Inleap positioniert sich dabei als Anbieter für zivile Umgebungen und überträgt das Prinzip vom taktischen Einsatz in Richtung skalierbarer Systeme, die sich in Nähe urbaner Standorte betreiben lassen.

Für die Akzeptanz bei Betreibern ist neben der Reichweite vor allem die Betriebskostenrechnung relevant. In der Darstellung von Inleap verspricht der Laser einen enormen Kostenvorteil: Der Gründer Marius Lammers nennt weniger als einen Euro an elektrischer Energie pro erfolgtem Einsatz. Ebenso wichtig ist die Sicherheitsauslegung: Trifft der Laserstrahl aus Versehen kein Zielobjekt mehr, sondern etwa ein anderes Objekt wie ein Lebewesen, soll das System automatisch abschalten. Genau diese Kombination aus vergleichsweise niedrigen Energiekosten und eingebauter „Stop-if-wrong“ Logik adressiert laut Bericht Betreiber wie Rechenzentren, Energieanlagen und Flughäfen, die häufig nahe an dicht besiedelten Bereichen liegen.

Marktseitig zeigt sich zugleich, dass der Wettbewerb in die Breite geht. Neben Inleap geht auch das Düsseldorfer Startup Ground A in die Serienlogik: Das Unternehmen entwickelt ebenfalls Lasersysteme zur Drohnenabwehr und startete im Januar. Zeitgleich zu Inleap schloss Ground A dem Bericht zufolge eine erste Finanzierungsrunde über 9 Millionen Euro ab und holte dafür die Münchner VC-Gesellschaft Vsquared Ventures als Hauptinvestor. Damit wird aus einem Nischenansatz zunehmend ein „Category Play“, in dem zwei Teams mit ähnlicher Technologie jeweils versuchen, Produktions- und Systemreife in Kapital und Kundenzugriff zu übersetzen.

Die aktuelle Finanzierung unterstreicht den Anspruch, von der Labor- und Vorserienphase in die Produktion zu wechseln. Anfang September kam bei Inleap im Rahmen einer Seed-Finanzierung, die von der Münchner Wagniskapitalgesellschaft UVC Partners angeführt wurde, eine Summe von 20 Millionen Euro zusammen. Laut Bericht beteiligten sich zudem der Hightech Gründerfonds sowie die VC-Firmen Balnord aus Luxemburg, Sentris aus Estland und Scale Capital aus Dänemark. Eingesetzt werden soll das Geld für den Produktionsausbau: Das Unternehmen gibt an, aktuell ein System pro Monat fertigen zu können, das Ziel seien bis 2027 100 Systeme pro Jahr.

Damit stellt sich auch für Unternehmen und Infrastrukturbetreiber die Frage, wie sich „Laser gegen Drohnen“ in Beschaffungs- und Betriebskonzepte einpassen lässt. Systeme liegen je nach Leistungsfähigkeit laut Bericht in einer Preisspanne von mehreren hunderttausend Euro bis zu mehreren Millionen Euro; das ist für viele Organisationen spürbar, aber angesichts der potenziellen Risiken von Drohneneinträgen in sensible Bereiche dennoch plausibel. Inleap nennt bereits Kunden aus dem Zivilschutz und aus dem militärischen Bereich innerhalb der NATO, während gleichzeitig rechtliche Rahmenbedingungen für private Betreiber kritischer Infrastruktur in Deutschland noch diskutiert werden. Für den praktischen Betrieb wird die Serienreife deshalb nicht nur an der Hardware gemessen: Entscheidend ist, wie gut sich Sensorik, Zielerkennung, Sicherheitsabschaltung und Wartungsprozesse in den Alltag integrieren lassen.

In den kommenden Monaten wird es weniger um einzelne Demonstrationen gehen als um Skalierung, Zuverlässigkeit und klare Betriebsabläufe. Wenn sich Inleaps Produktionsziel von 100 Systemen pro Jahr bis 2027 halten lässt, entsteht ein messbarer Umbruch in der Beschaffungslogik: Weg von vereinzelten Einsatzmitteln hin zu planbaren Schutzsystemen. Für den Markt bedeutet das auch, dass Betreiber häufiger Tests, Pilotinstallationen und Nutzungsbedingungen gegeneinander abwägen werden, etwa hinsichtlich Energiekosten, Sicherheitsverhalten bei Fehltreffern und der realen Wirkung gegen unterschiedliche Drohnentypen. Genau dort entscheidet sich, ob Laserabwehr als Nischenlösung bleibt oder sich als Standardbaustein in Sicherheitsarchitekturen durchsetzt.


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