ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Zürcher KI-Startup intonate beschleunigt die digitale Dokumentationsarbeit im Gesundheitswesen. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die Zahl der Kundinnen und Kunden verdoppelt, die Software läuft bereits bei hunderten Praxen, Kliniken und ersten Spitälern in der Schweiz und Deutschland. Mit dem intonate Assistant v2 erweitert das Unternehmen die Automatisierung in Praxis- und Kliniksystemen. Entscheidend ist dabei die direkte Integration in die Werkzeuge, die Ärztinnen und Ärzte im Alltag ohnehin nutzen.

Intonate zielt mit seiner KI-gestützten Software auf einen Bereich, der im Krankenhaus- und Praxisalltag oft unsichtbar bleibt: die administrative Dokumentation rund um Befunde, Austrittsberichte und die Nachbearbeitung von Terminen. Das Zürcher Startup unterstützt Ärztinnen und Ärzte sowie weiteres medizinisches Fachpersonal dabei, Workflows so zu entlasten, dass mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung übrig bleibt. Nach Unternehmensangaben hat sich die Zahl der Kundinnen und Kunden im ersten Halbjahr 2026 verdoppelt, während die Lösung bereits bei hunderten Praxen, Kliniken und ersten Spitälern in der Schweiz und Deutschland im Einsatz ist.
Der Ausgangspunkt der Entwicklung liegt laut den Gründern in konkreten Beobachtungen aus dem klinischen Alltag. Co-Founder und CEO Julian Sutter ist Arzt und brachte Erfahrungen aus seiner Tätigkeit am Kantonsspital Baden sowie am Universitätsspital Basel in das Startup ein. Er beschreibt, dass ein erheblicher Teil der Arbeitszeit in administrativen Aufgaben gebunden ist. Gemeinsam mit Livio Schläpfer und Romano Schäpper startete intonate im Januar 2024 zunächst mit der Automatisierung einzelner Prozessschritte, bevor sich daraus eine umfassendere Softwarelösung entwickelte, die die Funktionen in enger Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten validierte und weiter ausbaute.
Technisch betrachtet setzt intonate auf eine direkte Integration in die Systeme, die im Tagesgeschäft ohnehin verwendet werden. Laut Sutter ist dadurch mehr als ein „Dokumentations-Generator“ möglich: Die Software kann den Kontext aus Patientenakten und -historien verarbeiten, während zusätzliche Copy-and-Paste-Schritte entfallen. „Ein zentrales Merkmal der Lösung ist die direkte Integration in die Systeme, die Ärztinnen und Ärzte im Arbeitsalltag nutzen. Dadurch kann intonate den Kontext aus Patientenakten und -historien verarbeiten, während zusätzliche Copy-and-Paste-Schritte entfallen. Dies unterscheidet die Software von Lösungen, die ausserhalb bestehender Workflows eingesetzt werden“, sagt Julian Sutter, Co-Founder und CEO von intonate. Für die Praxis bedeutet das vor allem weniger Medienbrüche zwischen Sprechstunden, Befunderstellung und der anschließenden Weiterleitung in die Dokumentationskette.
Mit dem intonate Assistant v2 erweitert das Unternehmen die Einsatzmöglichkeiten und automatisiert zusätzliche Schritte in Praxis- und Kliniksystemen. Dazu gehören unter anderem die Vervollständigung von Rückmeldungen auf Versicherungsanfragen, das Erstellen von Austrittsberichten sowie das gezielte Suchen relevanter Informationen in Patientenakten. Der Assistant v2 befindet sich bereits bei ausgewählten Gesundheitseinrichtungen als Research Preview im Einsatz; solche frühen Rollouts sind in regulierten Umgebungen häufig der Weg, um die Passung an konkrete Daten- und Systemlandschaften zu prüfen, bevor breite Rollouts starten. Gerade im Dokumentationsumfeld entscheidet nicht nur die Modellqualität, sondern auch die Einbettung in bestehende Masken, Freigabeprozesse und Datenflüsse.
Auch der Marktaspekt der Expansion ist für die nächsten Schritte zentral. Intonate erreicht nach eigenen Angaben über die Integration in die Praxis- und Klinikinformationssysteme seiner Softwarepartner mehr als 70 Prozent der Grundversorger in der Schweiz. Gleichzeitig zeigt sich laut den Unternehmensangaben zwischen Februar und Mai 2026 eine Verdopplung der Gesundheitsorganisationen, die auf die Lösung setzen. Romano Schäpper ordnet das mit Blick auf die fragmentierte Landschaft ein: „Die Software-Landschaft im Gesundheitswesen ist stark fragmentiert. Dass wir trotzdem einen so hohen Marktzugang erreicht haben, ist für uns ein starkes Signal“, so Co-Founder Romano Schäpper. Für Entscheider ist das ein relevanter Hinweis darauf, dass die Strategie nicht primär über einzelne Leuchtturm-Integrationen läuft, sondern über Partner-Ökosysteme, die viele Einrichtungen mit ähnlichen Systemen verbinden.
Für die Skalierung arbeitet intonate dabei offenbar an mehreren Hebeln gleichzeitig: Neben Partnerschaften mit der Schweizer Post und der Zühlke Group wächst auch das Team. Innerhalb der vergangenen drei Monate soll es auf über zwölf Mitarbeitende angewachsen sein; zusätzlich verstärkt Frederic Boesel, Founding Member des deutschen Unicorns Black Forest Labs, das Advisory Board. Während ein solcher Ausbau im Startup-Umfeld häufig mit Go-to-Market und Produktreife zusammenhängt, steht hier vor allem die nächste technische Hürde im Vordergrund: Der Assistant v2 muss sich bei wachsender Anzahl an Standorten in heterogenen Systemlandschaften zuverlässig verhalten, inklusive der Abbildung unterschiedlicher Dokumentationsstile und der Verknüpfung von Textvorschlägen mit vorhandenen Kontextdaten.
Im nächsten Schritt bereitet das ICT Startup das Wachstum in weiteren Zielmärkten vor. Im Fokus stehen gezielte Partnerschaften über bestehende Europäische Softwaresysteme. Damit verschiebt sich die Herausforderung zunehmend von der Modell-Performance hin zur Integrations- und Betriebsfähigkeit: KI-Unterstützung im Klinikalltag muss nicht nur gute Ergebnisse liefern, sondern auch robust in den täglichen Betriebsabläufen funktionieren. Für medizinische Anbieter wird intonate damit vor allem interessant, wenn der Nutzen direkt am Dokumentationsaufwand messbar wird – etwa durch kürzere Zeiten zwischen Sprechstunde und fertiggestelltem Befund oder durch weniger Nacharbeit bei Rückmeldungen und Austrittsberichten.
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