LONDON (IT BOLTWISE) – Iran lockert laut Berichten schrittweise strenge Devisenregeln und lässt für Exporteinnahmen mehr Spielraum. Dabei sollen Händler grenzüberschreitende Transaktionen über Krypto-Börsen abwickeln, unter anderem mit Tether und Bitcoin. Ergänzend können Exporterlöse offenbar direkt zur Finanzierung von Importen genutzt werden, ohne die offiziellen Wechselkursmechanismen zwingend zu durchlaufen. Die Maßnahme gewinnt im Umfeld des US- und Israel-Konflikts spürbar an Dringlichkeit.

Der Devisenkorridor wird enger, also weitet Iran offenbar die Krypto-Schiene. In den letzten Monaten soll die Notenbank bzw. das Finanzsystem deutlich pragmatischer geworden sein, um den Warenhandel trotz US-Sanktionen und Blockade auf Kurs zu halten. Laut Berichten aus dem Umfeld der Verhandlungen lockerte das Regime zudem strikte Vorgaben zur Rückführung und Verwertung von Exporterlösen. Der Kern der Änderung: Händler müssen dem System anscheinend seltener erklären, wie der Transfer technisch zustande kam, solange die Devisen- bzw. Zahlungsströme für den Importbedarf funktionieren.
Technisch betrachtet verschiebt das Modell die Zahlungsinfrastruktur weg von klassischen Zahlungswegen und hin zu einem Mix aus lokalen Krypto-Börsen, Freiverkehr und stabilitätsorientierten Tokens. Besonders relevant ist der Einsatz von Tether als dollar-gebundene Stablecoin: Der Grund liegt nicht im Spekulationsmotiv, sondern in der Anbindung an den US-Dollar, wenn es darum geht, Wertschwankungen bei grenzüberschreitenden Abrechnungen zu dämpfen. Gleichzeitig wird berichtet, dass auch Bitcoin genutzt wird, um Transaktionen über Grenzen hinweg abzuwickeln. Unter der „entspannten“ Logik können Exporteure offenbar ihre Erlöse direkt für Importe verwenden und dabei die offizielle Devisenabwicklung umgehen, die zuvor vor allem über festgelegte Regierungskurse lief und damit häufig weit unter dem Marktniveau lag.
Die Devisenpolitik hatte in der Vergangenheit konkrete Nebenwirkungen. Vor dem Krieg mussten iranische Exporter vor allem einen Großteil der Einnahmen in Fremdwährung zurückbringen und über eine staatlich betriebene Plattform zu offiziellen Kursen verkaufen, die in Berichten als oft deutlich niedriger beschrieben werden als der tatsächliche Marktpreis. Genau diese Differenz erhöhte den Anreiz, Gelder im Ausland zu parken oder Rückführungen ohne vollständige Deklaration vorzunehmen. Berichten zufolge schätzt die Justiz inzwischen ein Volumen von mehr als 100 Mrd. US-Dollar an nicht deklarierten Gewinnen im In- und Ausland. Diese Dimension erklärt auch, warum eine Notenbank-Entscheidung zur „Transfermethode“ nicht nur ein technischer Hebel ist, sondern auf die Liquiditätsplanung von Importeuren durchschlägt.
Im aktuellen geopolitischen Umfeld bekommt das Vorgehen zusätzliche Dynamik. Laut Berichten habe die Relaxierung seit dem Start der kriegerischen Eskalation im Februar an Bedeutung gewonnen. Die US-Seite soll ihre Strategie stärker auf wirtschaftlichen Druck ausweiten, indem Sanktionen gegen Handels- und Finanzpartner angekündigt wurden, darunter Pläne für entsprechende Maßnahmen gegen Banken in Ägypten und der Türkei sowie gegen Unternehmen, die mit der iranischen Luftfahrt verbunden sein sollen. Parallel dazu soll das US-Finanzministerium Transaktionen mit Iran über digitale Assets unterbunden haben wollen und das als gezielte Umgehung von Sanktionen beschrieben haben. Vor diesem Hintergrund wird in der Berichterstattung auch auf die Rolle von Stablecoins verwiesen, weil sie im Alltag Zahlungsabwicklungen „glatter“ machen, wenn die eigentlichen Devisenkanäle unter Druck geraten.
Dass Krypto in Iran nicht nur als Experiment, sondern als Betriebsrealität funktioniert, wird unter anderem durch öffentlich verfügbare Datenpunkte gestützt. Für 2025 wird berichtet, dass fast 10 Mrd. US-Dollar an Krypto über Iran bewegt wurden, basierend auf Angaben eines Blockchain-Datenanbieters. Für Nutzer im Land ist das laut Einordnung zudem weniger „Hobby“ als Antwort auf die Tatsache, dass viele internationale Zahlungssysteme den Zugang zu traditionellen Wegen erschweren. Zugleich gibt es aber Grenzen: Vertreter der Branche räumen zwar ein, dass die Aufsicht über Krypto-Börsen weniger streng geworden sein soll, erwarten jedoch nicht, dass allein die gestiegenen Transaktionsvolumina den gesamten Devisenbedarf abdecken können. Ein Import-Export-Unternehmen aus der Industrie wird in der Berichterstattung als Beispiel genannt, das bislang noch keine Krypto genutzt haben will, aber nun seine Exporteinnahmen direkter für Materialimporte einsetzen darf.
Parallel zu den Lockerungen bleibt Iran laut Berichten nicht untätig – vielmehr soll es zugleich Ermittlungen gegen Akteure geben, die Gelder „unter der Oberfläche“ parken. Der Chef einer Kontrollbehörde wird mit Aussagen zitiert, wonach Zehntausende von Personen und Unternehmen ihren Verpflichtungen zur Rückführung des Gegenwerts von Exporterlösen nicht nachgekommen seien, inklusive namentlich genannter staatlicher Öl- und Gaskonzerne. Auch wenn diese Aussagen keine abschließenden Gerichtsentscheidungen darstellen, bleibt die Tendenz klar: Die neue Handlungsfreiheit bei Transfers soll nicht bedeuten, dass alle Kontrollen verschwinden. Nach Angaben des Justizsprechers wurden zudem 22 Personen, die mit Ölhandel verbunden seien, festgenommen, während für weitere 19 Personen Haftbefehle erlassen worden seien; die Vorgänge stehen damit weiterhin im Rahmen laufender Verfahren. Selbst bei Krypto-basierten Umgehungsstrategien bleibt also die Überwachung ein Bestandteil des Systems.
Eine zusätzliche historische Säule liegt im Mining. Iran kann über den Betrieb von Mining-Rigs, begünstigt durch vergleichsweise günstige Energiekosten, selbst Krypto-Assets generieren. Laut einer Einschätzung eines Blockchain-Analytics-Unternehmens entfalle ein Anteil von 4,5 % des weltweiten Bitcoin-Minings auf Iran. Das kann dem Staat helfen, Kryptovermögen aufzubauen, das sich später für Importe oder für die Überbrückung von Sanktions-Lücken einsetzen lässt. Der politische Kontext wird in der Berichterstattung als „Schließung verbleibender Finanzkanäle“ beschrieben; in solchen Phasen steigen demnach die Anreize, Zahlungsketten zunehmend in Richtung Krypto-Infrastruktur zu verlagern. Für Unternehmen außerhalb Irans bedeutet das vor allem eines: Wer Geschäfte mit iranischen Partnern plant, muss Zahlungs- und Abwicklungsmodelle realistischerweise als veränderlich betrachten, weil sich Regeln rund um Devisen, Stablecoins und Austauschplattformen offenbar dynamisch an Konflikt- und Sanktionslagen anpassen.
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