HO-CHI-MINH-STADT / LONDON (IT BOLTWISE) – In Ho-Chi-Minh-Stadt rückt der Journalismus als praktischer Baustein für Startup-Wachstum in den Fokus. Verantwortliche betonen, dass verlässliche, wahrheitsgemäße Informationen sowohl von Unternehmen als auch von der Presse aktiv geliefert und überprüft werden müssen. Zugleich unterstützt die Stadt mit der Resolution Nr. 64/2026/NQ-HĐND den Startup-Nachwuchs über mehrere Phasen der Inkubation. Die Diskussion verbindet dabei Medienethik, datenbasierte Transparenz und den gestiegenen Stellenwert von KI-gestützter Berichterstattung.

Ho-Chi-Minh-Stadt will das Startup-Ökosystem nicht nur über Förderlogik und Inkubationsprogramme stärken, sondern auch über die Qualität der Kommunikation. Auf einem Workshop wurde sehr deutlich, dass “Informationsfluss” nicht als Nebenschauplatz verstanden wird, sondern als Infrastruktur: Ohne präzise, umfassende und verlässliche Informationen bleibt der Weg von der Idee bis zur Finanzierung für viele Teams holprig. Tran Trong Tuyen, stellvertretender Direktor des Wissenschafts- und Technologieamtes der Stadt, beschrieb innovatives Unternehmertum dabei als einen kontinuierlichen Prozess, der sowohl Erfolge als auch Misserfolge einschließt. Entscheidend ist aus seiner Perspektive, dass Unternehmen proaktiv wahrheitsgemäße Informationen bereitstellen und die Presse diese anschließend prüft – damit aus einer Kampagnenmeldung nicht bloß ein selbstreferenzielles Marketinginstrument wird.
Der mediale Anspruch hängt in der Praxis eng an der Art, wie Informationen im Startup-Kontext entstehen: Produkte, Traction und Technologie werden in kurzen Zyklen weiterentwickelt, Hypothesen müssen nach Tests neu bewertet werden, und Kennzahlen ändern sich oft schneller als Redaktionspläne. Genau hier soll die Presse als Prüfinstanz wirken. In der Diskussion wurden die drei Rollen “Aufdecken, Vernetzen und Verbreiten” als Leitlinie genannt: Aufdecken bedeutet, wahre Wertschöpfung sichtbar zu machen und fragwürdige Geschäftsmodelle zu entlarven, etwa wenn sich ein Vorhaben nur als Technologie “tarnt” oder falsche Erwartungen weckt. Vernetzen zielt darauf, die oft technische Sprache von Startups in verständliche Narrative zu übersetzen, damit Investoren, Kunden und auch Aufsichtsbehörden zielgerichtet in Gespräche kommen. Verbreiten wiederum schafft Anschlussfähigkeit, indem individuelle Erfolgsgeschichten in gemeinsames Wissen überführt werden und Misserfolge als Lernkurve für die Community dienen.
Damit diese Mechanik funktioniert, verknüpft die Stadt Startup-Programme auch mit institutionellen Rahmenbedingungen. Ho-Chi-Minh-Stadt setzt derzeit die Resolution Nr. 64/2026/NQ-HĐND des Volksrats der Stadt um, die die Unterstützung von Projektinkubationskosten in drei Phasen vorsieht: Ideenfindung, Überprüfung und Beschleunigung. Für die Startup-Praxis heißt das, dass Teams in unterschiedlichen Reifegraden mit jeweils passenden finanziellen Entlastungen rechnen können – vom ersten Proof-Ansatz bis zur Phase, in der sich aus Hypothesen belastbare Umsetzungspfade entwickeln sollen. Der Workshop stellte außerdem heraus, dass gerade in diesem Übergang die Presse als Bindeglied wirkt: Sie soll Richtlinien in leicht verständlicher Sprache erläutern, praxisnahe Modelle vorstellen und Akteure innerhalb des Ökosystems miteinander verbinden. Gerade bei Fördermechanismen entscheidet sich viel daran, ob Teams die Anforderungen wirklich verstehen und ob die öffentliche Kommunikation die Hürden nicht “schönrechnet”.
Die Markt- und Lagebeschreibung liefert dabei den Hintergrund, warum der Anspruch hoch ist. Laut den Aussagen von Ly Viet Trung, Vizepräsident des Journalistenverbands von Ho-Chi-Minh-Stadt, sind dort 50 % aller Startups und 40 % aller Gründerzentren ansässig; außerdem fließen 44 % des Kapitals in die Stadt und 60 % aller Geschäftsabschlüsse werden landesweit abgewickelt. Diese Konzentration hat eine Kehrseite: Wenn Aufmerksamkeit und Finanzierung stark gebündelt sind, wächst auch die Gefahr, dass einzelne Narrative zu schnell greifen – besonders dann, wenn Unternehmen PR-Ziele mit Medienarbeit vermischen. In der anschließenden Debatte räumten Delegierte offen ein, dass die Grenzen zwischen journalistischer Information und kommerzieller Werbung fließend sein können. Aus Berufsethik-Sicht wird deshalb Objektivität, Unabhängigkeit und die Vermeidung übertriebener Sprache als Kernanforderung genannt.
In diesem Spannungsfeld erhält der Umgang mit digitalen Technologien, einschließlich KI, eine neue Relevanz. Der Workshop ordnete den “Wert des etablierten Journalismus” vor allem über Gründlichkeit, Genauigkeit und Verantwortungsbereitschaft ein – Eigenschaften, die bei automatisierten Formaten oder schnellen Social-Media-Zyklen leicht unter die Räder kommen. Gleichzeitig wurde klar, dass Medienarbeit im Startup-Umfeld nicht nur das “Ob” von Informationen betrifft, sondern auch das “Wie”: Delegierte schlugen eine umfassende Lösung vor, die Journalismus nicht als externe Begleitung, sondern als Unterstützungsfunktion für Startups versteht. Konkret sollten Startups Journalisten als Partner betrachten und authentische Geschichten über Menschen und Probleme erzählen, bevor sie technische Details in den Mittelpunkt stellen. Transparente Daten sowie das Offenlegen von Schwierigkeiten sollen die Berichterstattung nachprüfbar machen. Journalisten wiederum müssen Geschäftsmodelle eingehend analysieren, um die richtigen, manchmal unbequem präzisen Fragen zu stellen – Fragen, die über die reine Story hinausreichen und die Plausibilität von Annahmen testen.
Für die Organisationsseite ist ebenfalls Bewegung vorgesehen. Der Journalistenverband von Ho-Chi-Minh-Stadt will als Brücke fungieren, Schulungen und Austauschprogramme organisieren und seine Mitglieder zu Beiträgen ermutigen, die inhaltlich substanziell sind. Das passt zu einem Modell, bei dem Medienkompetenz und Startup-Fachwissen parallel wachsen: Redaktionen gewinnen Verständnis für Produktzyklen, Messgrößen und typische Validierungsfehler; Startups gewinnen Verständnis dafür, welche Informationen Medien wirklich prüfen können, ohne in Werbewolken zu enden. Als zusätzlicher Impuls wurde bei der Gelegenheit außerdem der Innovations- und Unternehmerpreis (I-Star 2026) ins Leben gerufen, mit dem herausragende journalistische und mediale Arbeiten zum Thema innovatives Unternehmertum gewürdigt werden sollen. Damit bekommt die Qualität der Berichterstattung im Startup-Kontext nicht nur einen moralischen, sondern auch einen sichtbaren Anreiz.
Am Ende läuft das Vorhaben auf einen praktischen Zusammenhang hinaus: Förderung und Inkubation brauchen Vertrauen, und Vertrauen entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch überprüfbare Inhalte. Für Unternehmen bedeutet das, dass Transparenz nicht als einmaliger Pitch-Akt gedacht werden darf, sondern als fortlaufender Prozess, der Daten, Lernschritte und auch Rückschläge umfasst. Für Redaktionen heißt das, dass Medienethik im digitalen Zeitalter gleichzeitig Standard und Wettbewerbsvorteil ist: Wer verlässlich, klar und nachvollziehbar berichtet, liefert Startups Reichweite mit Substanz – und schützt zugleich Leser und Entscheider vor falsch kalibrierten Erwartungen. Genau hier setzt die Stadt mit der Verknüpfung von Resolutionen, Inkubationsphasen und medienbezogenen Aufgaben an. Damit wird Journalismus in der KI- und Startup-Zeit nicht zum Selbstzweck, sondern zu einem Taktgeber für bessere Entscheidungen im Ökosystem.
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