BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Trotz massiver Investitionen in Automatisierung und Künstliche Intelligenz steigen die Burnout-Raten in Unternehmen auf ein Rekordhoch. Eine neue Studie zeigt, dass menschliche Fähigkeiten weiterhin entscheidend sind, während die Belegschaften unter der Belastung leiden.

Die Automatisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen sollte eigentlich die Arbeitsbelastung verringern, doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Burnout-Raten unter den Angestellten trotz dieser technologischen Fortschritte auf ein Rekordhoch gestiegen sind. Dies wirft Fragen über die tatsächlichen Vorteile der Automatisierung auf und zeigt, dass menschliche Fähigkeiten weiterhin von entscheidender Bedeutung sind.
Ein Phänomen, das als ‘Job-Bluff’ bekannt ist, hat sich in der hybriden Arbeitswelt etabliert. Zwei Drittel der Angestellten geben an, ihre Produktivität in den letzten zwölf Monaten nur vorgetäuscht zu haben. Experten wie Professor Hannes Zacher von der Universität Leipzig sehen die Ursache in einer toxischen Arbeitskultur, in der Sichtbarkeit mehr zählt als tatsächliche Leistung. Dies führt zu einem erhöhten Druck, ständig erreichbar zu sein, was die Zeit für komplexe Aufgaben erheblich einschränkt.
Die Integration von KI durch Unternehmen wie Google und Microsoft schreitet schnell voran. Neue Funktionen wie ‘Take notes for me’ in Google Meet oder der Copilot von Microsoft, der Outlook-Aufgaben übernimmt, sollen die Effizienz steigern. Doch diese Effizienzgewinne haben auch eine Schattenseite: Eine australische Studie zeigt, dass die KI zwar den Aufwand für das Schreiben von E-Mails senkt, aber gleichzeitig die Belastung durch die Flut eingehender Nachrichten erhöht. Dies führt zu einer weiteren Verwischung der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit.
Die psychischen Folgen dieser Entwicklungen sind alarmierend. In den USA leiden fast 80 Prozent der Arbeitnehmer unter arbeitsbedingtem Stress. Eine Umfrage unter Assistenzärzten zeigt, dass 80 Prozent über 60 Stunden pro Woche arbeiten, was zu schweren Erschöpfungszuständen und Angststörungen führt. Experten plädieren daher für ‘Monotasking’ – die bewusste Konzentration auf eine einzige Aufgabe über längere Zeiträume, um den Stress zu reduzieren und die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern.
Unternehmen müssen die biologischen Voraussetzungen ihrer Mitarbeiter stärker berücksichtigen. Die Forschung zu circadianen Rhythmen zeigt, dass Menschen unterschiedliche Leistungsphasen haben. ‘Lerchen’ arbeiten morgens am besten, während ‘Nachteulen’ abends produktiver sind. Starre Arbeitszeiten ignorieren diese Unterschiede und tragen zur Erschöpfung bei. Auch die Pausenkultur spielt eine entscheidende Rolle, um die Produktivität und das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu fördern.
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