LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Bitkom-Befragung unter 102 Tech-Startups zeigt: KI führt bei 27 Prozent dazu, dass geplante Neueinstellungen entfallen. Gleichzeitig stellen 16 Prozent wegen des KI-Einsatzes zusätzlich Personal ein, und bei der Hälfte bleibt der Personalbedarf laut eigenen Angaben unverändert. Für 2026 erwarten 62 Prozent wieder steigende Beschäftigtenzahlen, nur 6 Prozent planen Stellenabbau. Entscheidend ist offenbar, wie sich Aufgaben verschieben und welche Kompetenzen neu gebraucht werden.

Die Personalplanung von Tech-Startups in Deutschland hängt zunehmend davon ab, welche Teile der Arbeit sich durch Künstliche Intelligenz tatsächlich automatisieren lassen. Laut einer Bitkom-Recherche, basierend auf einer Online-Befragung von 102 Unternehmen, verzichtete im Zeitraum der vergangenen zwölf Monate mehr als jedes vierte Startup (27 Prozent) wegen KI auf geplante Neueinstellungen. Anders gelagert ist es bei 16 Prozent der Startups: Dort führte der Einsatz von KI nach eigenen Angaben zu zusätzlichen Einstellungen. Bei 7 Prozent kam es sogar zu einem Abbau von Stellen, während für die Hälfte der Befragten bislang kein Einfluss der Technologie auf den Personalbedarf sichtbar war.
Diese Zahlen deuten damit weniger auf einen flächendeckenden Jobabbau hin als auf eine Verschiebung innerhalb der Rollenlandschaft. Die Befragten beschreiben offenbar ein Muster aus drei Effekten: KI ersetzt bestimmte Tätigkeiten, reduziert damit den Bedarf an zusätzlichem Personal in einzelnen Aufgabenfeldern, erzeugt aber parallel neue Anforderungen und neue Projektbedarfe. Im Ergebnis kann der Einsatz von KI sowohl Wachstums- als auch Drosselungssignale senden – je nachdem, ob ein Startup zum Beispiel Routineprozesse automatisiert oder neue KI-basierte Produkte und Services erst möglich macht. Genau diese Interaktion erklärt auch, warum 47 Prozent der Startups für die kommenden zwölf Monate keinerlei Einfluss der Technologie auf die Beschäftigtenzahl erwarten, während 28 Prozent eine Entlastung bei Neueinstellungen und 19 Prozent einen Mehrbedarf an Personal angeben.
Ein wichtiger Kontext ist die Ausgangslage der Unternehmen: Die befragten Startups beschäftigen aktuell im Schnitt zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu kommt jeweils etwa eine offene Stelle, wodurch die durchschnittliche Belegschaft im Vergleich zum Vorjahr gesunken wirkt: Vor einem Jahr lag der Durchschnitt bei 13 Beschäftigten, 2024 bei 15. Für das laufende Jahr rechnen viele dennoch mit Wachstum. 62 Prozent der Startups erwarten steigende Beschäftigtenzahlen; im Durchschnitt sollen dabei vier weitere Mitarbeitende hinzukommen. Gleichzeitig planen nur 6 Prozent einen Abbau von Stellen, während bei 26 Prozent die Beschäftigtenzahl voraussichtlich stabil bleibt.
Technisch lässt sich das Bild gut mit den Produktivitätsgewinnen erklären, die Künstliche Intelligenz in Entwicklungs- und Betriebsprozesse hineintragen kann. Für Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst liegt ein Grund in genau dieser Effizienz: KI mache viele Bürotätigkeiten und insbesondere auch die Softwareentwicklung schneller. Für Startups ist das doppelt relevant, weil sie typischerweise mit knappen Budgets und einem kleinen Team arbeiten und deshalb ihre Kapazitäten sehr gezielt einsetzen müssen. Daneben passt die Beobachtung zur Innovationslogik junger Unternehmen: Sie integrieren neue Technologien häufig früh in Arbeitsabläufe, sodass sich Produktivitätsvorteile schneller in konkrete Zeit- und Kostenersparnisse übersetzen lassen – aber eben nicht automatisch in einen dauerhaften Personalabbau, sondern oft in andere Schwerpunktsetzungen.
Dass KI inzwischen in vielen Projekten operativ „mitläuft“ und nicht nur als Zukunftsvision betrachtet wird, unterstreicht die Untersuchung zusätzlich. Laut den Angaben der befragten Tech-Startups setzen alle KI bereits in ihren Geschäftsprozessen ein. Welche Folgen das für die Beschäftigung hat, variiert dann offenbar stark zwischen Unternehmen. Automatisierte Abläufe können den Bedarf an zusätzlichem Personal senken, etwa wenn wiederkehrende Tätigkeiten wegfallen oder schneller erledigt werden. Gleichzeitig entstehen durch neue KI-Anwendungen häufig neue Aufgabenbereiche: Datenaufbereitung, Modellbetrieb, Qualitätssicherung oder die Anpassung bestehender Software an neue Workflows können zusätzliche Fachkräfte erfordern. Genau deshalb erscheint der Personalbedarf in den Ergebnissen als Summe aus Substitution und Ergänzung statt als eindimensionaler Trend.
Für die Einordnung der Daten spielt die methodische Reichweite eine Rolle: Die Ergebnisse stammen aus einer Bitkom-Research-Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom und sind als Stimmungsbild zu verstehen. Die Erhebung ist nicht repräsentativ für die gesamte deutsche Startup-Landschaft; befragt wurden jedoch immerhin 102 Tech-Startups, und die Online-Erhebung fand zwischen der 21. und 27. Kalenderwoche 2026 statt. Trotzdem lassen sich daraus Handlungsschwerpunkte ableiten, die über die Branche hinaus gelten: Startups werden zunehmend daran gemessen, wie schnell sie KI-fähige Prozesse identifizieren, welche Kompetenzen sie intern aufbauen müssen und wie gut sie Aufgaben entlang der Produkt-Roadmap neu strukturieren. Wenn für 2026 mehr Unternehmen mit steigenden Beschäftigtenzahlen rechnen als mit Abbau (62 Prozent versus 6 Prozent), spricht das dafür, dass sich die Beschäftigungsdynamik vor allem auf Neueinplanung, Skill-Shift und Organisationsdesign verlagert.
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