FRANKFURT – Deutsche Firmenchefs blicken laut einer KPMG-Umfrage erstmals seit Jahren wieder optimistischer auf ihr Unternehmenswachstum. 86 Prozent erwarten in den kommenden drei Jahren Wachstum, 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Besonders auffällig: 77 Prozent sehen KI als Top-Investitionspriorität, und 94 Prozent rechnen mit einer Rendite innerhalb von drei Jahren. Gleichzeitig bleiben Regulierung, geopolitische Instabilität und eine schwache Weltwirtschaft die größten Wachstumsbremsen.

Die wirtschaftliche Stimmung unter Deutschlands Führungsetagen wirkt wieder „normaler“ als noch im Vorjahr: Laut einer KPMG-Umfrage erwarten 86 Prozent der befragten Firmenchefs Wachstum für ihre Unternehmen – nach 72 Prozent im Vorjahr. Für den Vergleich ist vor allem die Langstrecke entscheidend, denn in den Jahren 2023 und 2024 lag der Optimistenanteil noch bei 80 beziehungsweise 77 Prozent. Die Erhebung lief vom 11. August bis 21. September und umfasste weltweit 1.400 Chefs großer Unternehmen aus zwölf Ländern, darunter 125 aus Deutschland.
Der Blick richtet sich dabei nicht nur auf „allgemeine“ Konjunkturhoffnungen, sondern auf konkrete Zielwerte im Unternehmensalltag. Fast 70 Prozent der befragten Firmenchefs in Deutschland rechnen in den nächsten drei Jahren mit 2,5 Prozent Gewinnwachstum oder mehr. Im Jahr 2025 waren es demnach erst 42 Prozent – ein Sprung, der in vielen IT- und Innovationsbudgets sofort eine Konsequenz hat: Wenn Gewinnziele realistisch geplant werden, verschiebt sich die Frage von „ob“ investiert wird hin zu „woran“ und „wie schnell“ sich Maßnahmen amortisieren sollen. Genau diese Logik wird in der Studie an einer Stelle besonders greifbar, weil sie den Investitionsfokus explizit auf neue Technologien legt.
Was die Optimisten treibt, ist dabei nicht primär Rückenwind aus dem globalen Handel, sondern Investitionsentscheidungen im Unternehmen. Als Deutschlandchef wird Mattias Schmelzer zitiert, die Stimmung werde weniger durch bessere Rahmenbedingungen befeuert, sondern durch die Bereitschaft, Wettbewerbsfähigkeit durch neue Technologien zu stärken und die eigene Transformation voranzutreiben. Die Daten dazu sind klar: 77 Prozent nennen KI als Top-Investitionspriorität. Und bei der Wirtschaftlichkeit wird es noch konkreter – 94 Prozent erwarten spätestens binnen drei Jahren eine Rendite aus ihren KI-Investitionen, entweder weil sie sie bereits erzielt haben oder weil sie fest damit rechnen.
Für die KI-Entscheidungsebene ist das eine wichtige Verschiebung: Eine Renditeerwartung innerhalb von drei Jahren zwingt Unternehmen in der Praxis zu einer stärkeren Kopplung von Modellentwicklung, Datenanbindung und Betrieb. Denn „KI“ ist im Unternehmenskontext selten nur ein einzelnes Modell, sondern eine Kette aus Use-Case-Auswahl, Datenqualität, Integrationsaufwand, MLOps- bzw. LLMOps-Prozessen, Sicherheits- und Governance-Mechanismen sowie laufendem Monitoring. Dass zugleich 90 Prozent der Firmenchefs in den kommenden drei Jahren Übernahmen in Betracht ziehen, passt zu diesem Muster: Wer Geschwindigkeit gewinnen will, sucht neben Eigenentwicklung häufig auch nach „kaufbaren“ Fähigkeiten, Teams oder Technologien, statt alles sequenziell aufzubauen.
Trotz der gestiegenen Zuversicht bleibt die Risikolage spürbar, und sie ist für CIOs, CDOs und Sicherheitsverantwortliche gleichermaßen relevant. Als größte Risiken für Wachstum werden in Deutschland vor allem externe Faktoren genannt: Regulierung (30 Prozent), geopolitische Instabilität (29 Prozent) und eine schwache Weltwirtschaft (27 Prozent). Auch die Weltwirtschaft selbst wird von den Führungskräften vorsichtiger eingeschätzt: Knapp zwei Drittel (62 Prozent) rechnen mit Wachstum – nach 64 Prozent im Vorjahr. Das globale Umfeld wird damit „etwas vorsichtiger“ bewertet als im internationalen Vergleich, heißt es in der Erhebung.
Ein letzter Aspekt betrifft den Standortbezug: Während die Weltlage Unsicherheit mitbringt, beurteilen die Firmenlenker die eigene Branche und Deutschland offenbar wieder besser als im Vorjahr. Für die eigene Branche steigt der Wert von 71 auf 78 Prozent, für den Standort sogar von 75 auf 78 Prozent. Politische Rahmenbedingungen spielen hier indirekt hinein, denn als Beispiel für den makroökonomischen Hintergrund wird genannt, dass die Bundesregierung ihre Prognose für 2026 mehr als verdoppelt hat – auf 1,3 Prozent. Für Unternehmen bedeutet das: Die Wahrscheinlichkeit für positive Investitionsentscheidungen steigt, aber der Pfad bleibt anspruchsvoll, weil Regulierung und Geopolitik als Bremsfaktoren gleichzeitig im Blick bleiben.
In Summe zeigt die Umfrage damit weniger eine reine Stimmungslage, sondern ein Muster aus Erwartungen und Umsetzung: Wachstum ist wieder wahrscheinlicher, KI-Investitionen werden klar priorisiert, und die meisten Manager erwarten eine wirtschaftliche Wirkung innerhalb eines überschaubaren Zeitfensters. Für die Tech- und Plattformteams in Deutschland ist das der Punkt, an dem Strategie in Architektur übergeht: Wer KI erfolgreich skaliert, muss nachweisen, dass sich Projekte in produktive Workflows überführen lassen – und zwar so, dass Renditeversprechen messbar werden. Genau deshalb dürfte die Kombination aus KI-Fokus, M&A-Überlegungen und Risikomanagement in den kommenden Quartalen stark an Bedeutung gewinnen.
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