BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei Jahre nach der Umsetzung des Kreditzweitmarktgesetzes zeigt sich, dass die zentralen Ziele der EU-Richtlinie verfehlt wurden. Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen kritisiert die überbordende Bürokratie, die den Markt für notleidende Kredite nicht belebt, sondern eher geschwächt hat. Experten fordern nun eine Rückkehr zu bewährten Strukturen, um die Finanzstabilität zu sichern.

Das Kreditzweitmarktgesetz, das vor zwei Jahren in Deutschland in Kraft trat, sollte den Sekundärmarkt für notleidende Kredite beleben. Doch der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) zieht eine ernüchternde Bilanz: Die zentralen Ziele der EU-Richtlinie wurden nicht erreicht. Statt einer Belebung des Marktes ist das Gegenteil eingetreten, wie Marcel Hofmann vom BDIU-Präsidium betont.
Die EU-Richtlinie, die auf eine Initiative der EU-Kommission zurückgeht, sollte das Anwachsen notleidender Kredite in den Bilanzen der Banken eindämmen. Nach der Finanzkrise 2008/09 und den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie war der Handlungsbedarf groß. Doch die Umsetzung in Deutschland führte zu einem hohen bürokratischen Aufwand, der viele Kreditdienstleister abschreckte.
Der BDIU kritisiert insbesondere die überdimensionierte Bürokratie, die durch das Kreditzweitmarktgesetz eingeführt wurde. Diese sei redundant, da Kreditdienstleistungen rechtlich nicht anders zu bewerten seien als Inkassodienstleistungen, die bereits durch das Rechtsdienstleistungsgesetz reguliert werden. Die zusätzliche Erlaubnis der BaFin und neue Informationspflichten hätten viele Anbieter vom Markt verdrängt.
Hofmann und seine Arbeitsgruppe fordern eine Rückkehr zu einem verhältnismäßigen Regulierungsmodell. Sie sehen die Lösung in der Nutzung etablierter Strukturen des Rechtsdienstleistungsgesetzes, um den Markt für notleidende Kredite zu stärken. Eine Übertragung der Aufsicht von der BaFin an das Bundesamt für Justiz könnte die Ziele der EU-Richtlinie doch noch erreichbar machen.
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