LONDON (IT BOLTWISE) – Angreifer nutzen eine kritische Sicherheitslücke in Langflow gezielt aus: CVE-2026-105740 ermöglicht Remote Code Execution trotz Authentifizierung. Laut Daten aus Honeypot-Sensoren gab es seit dem 19. September 2026 insgesamt 1.423 Exploit-Versuche aus 27 IP-Adressen. Der Angriff setzt auf das Hinzufügen eines bösartigen MCP-Servers mit dem „stdio“-Transport und führt beim Abruf der Serverliste zur sofortigen Codeausführung. Betroffen sind Langflow-Versionen vor 1.9.0, während ein Patch und zusätzliche Härtungsmaßnahmen dringend empfohlen werden.

Die aktuelle Sicherheitslage rund um Langflow nimmt eine besonders kritische Form an, weil der Weg zur Ausnutzung nicht bei einer reinen Unauthentifiziertheit endet. Die Lücke CVE-2026-105740 ist als authentifizierte Remote Code Execution (RCE) klassifiziert (CVSS 9,9) und betrifft Langflow-Versionen vor 1.9.0. In der Praxis bedeutet das: Ein Angreifer braucht zunächst gültige Zugangsdaten und kann dann OS-Befehle auf dem Server auslösen. Genau diese Kombination aus vorhandener Authentifizierung und fehlender Eingabeabsicherung erklärt auch, warum das Thema nicht nur für klassische Penetrationstests relevant ist, sondern unmittelbar in den Betrieb von KI-Workflows hineinwirkt.
Technisch setzt der Kernfehler an einer Stelle an, an der sich Entwickler oft auf „konfigurierte Integrationen“ verlassen: der MCP-Server-Anbindung (Model Context Protocol) mit dem „stdio“-Transport. Nach der Beschreibung in der Sicherheitsnotiz lässt Langflow einen von Nutzern übergebenen Befehl unverändert an eine Shell-Kette weiterreichen: Der Command-Feldinhalt wird direkt an bash -c übergeben und ohne Allowlisting sowie ohne Sandbox ausgeführt. Zusätzlich eröffnet das env-Feld die Möglichkeit, beliebige Umgebungsvariablen einzuspritzen – etwa um Pfade wie PATH zu überschreiben oder mit LD_PRELOAD die Laufzeitumgebung zu manipulieren. Entscheidend ist dabei der Auslöser: Die Ausführung erfolgt unmittelbar, wenn der Server die MCP-Serverliste lädt, nicht erst bei einem späteren Interaktionsschritt.
Der Angriffsablauf, wie er in der Darstellung als hypothetisches Szenario beschrieben wird, folgt damit einem Muster, das in produktiven Umgebungen oft unterschätzt wird: Erst wird als normaler Nutzer (ohne Adminrechte) eingeloggt, dann wird über einen gezielten HTTP POST ein bösartiger MCP-Server hinzugefügt und das bösartige Command-Element gespeichert. Anschließend reicht bereits ein HTTP GET auf den Endpoint zum Abruf der Serverliste, inklusive Parameter wie action_count=true, um die gespeicherte Konfiguration zur Ausführung zu bringen. Der gefährliche Punkt ist nicht allein der „reverse shell“-Gedanke, sondern dass die Konfiguration persistent gespeichert wird und damit beim späteren Laden der Liste erneut aktiv wird. Das kann die Grundlage für dauerhafte Hintertüren bilden, während die Angreifer parallel auch Umgebungsvariablen und sensible Einstellungen abgreifen.
Die beobachtete Relevanz dieser Lücke geht über theoretische Szenarien hinaus. Laut Daten eines Akteurs für Bedrohungsbeobachtung wurden seit dem 19. September 2026 insgesamt 1.423 Exploit-Versuche gegen Honeypot-Sensoren erfasst; beteiligt waren 27 unterschiedliche Angreifer-IP-Adressen. Geografisch verteilte sich das Traffic-Bild u. a. auf Belgien, China, Deutschland, Hongkong, Japan, Nigeria, die Philippinen, Russland, die Seychellen, Singapur, Südkorea, Taiwan, Tansania, die USA und Vietnam. Auffällig ist zudem die zeitliche Verdichtung: Ab dem 11. Oktober 2026 stieg die Zahl der Versuche auf 333, und am 15. Oktober 2026 waren bereits 66 Versuche in den Sensoren sichtbar. Solche Muster sprechen eher für automatisierte Kampagnen als für einzelne Fehlversuche.
Auch die Sequenz zur Authentifizierung wird in den Daten als erklärungsrelevant beschrieben: Da die Lücke eine gültige Authentifizierung voraussetzt, prüften Angreifer in mindestens einer beobachteten Kette zunächst die Version der Instanz, testeten dann einen Auto-Login-Endpoint, der in dem konkreten Honeypot deaktiviert war (Rückgabe 403), und authentifizierten sich anschließend mit einem gängigen Benutzername-Passwort-Kombinationsansatz. Erst danach nutzten sie einen Bearer-Token, um direkt auf den Konfigurationsendpunkt für MCP-Server zuzugreifen. In den erfassten Payloads tauchten mehrere Kategorien von Zielaktionen auf: Versuche, Umgebungsvariablen und Langflow-spezifische Secrets wie LANGFLOW_SECRET_KEY oder LANGFLOW_SUPERUSER_PASSWORD auszulesen und zu exfiltrieren, Docker-ähnliche Kommandos zur Host-Filesystem-Erkundung, sowie einfache Kommando-„Probes“ wie id und whoami. Ein signifikanter Anteil der Aktivität wurde dabei einer IP-Adresse zugeschrieben, die zudem in generischen Brute-Force-Aktivitäten sowie in der Ausnutzung anderer Schwachstellen in Flowise und Langflow in Erscheinung trat.
Für den Betrieb ist die Lage vor allem deshalb heikel, weil sich der schädliche Teil möglicherweise nicht wie „klassischer Code“ im Workflow-Editor zeigt. Laut Langflow-Referenz werden MCP-Serverkonfigurationen in Projekteinstellungen abgelegt und sind bei einer normalen Durchsicht von Flow-Elementen nicht zwangsläufig sichtbar. Genau dadurch kann ein Review-Prozess falsche Sicherheit erzeugen: Selbst wenn im visuellen Flow „nichts auffällig“ wirkt, kann die Backend-seitige Konfiguration bösartige Command-Felder enthalten. Als unmittelbare Gegenmaßnahmen werden daher ein Upgrade auf eine gepatchte Langflow-Version sowie das Abschalten von Auto-Login, das Erzwingen starker und einzigartiger Passwörter und eine manuelle Prüfung der Authentifizierungs- und der relevanten API-Requests auf verdächtige Aktivitäten empfohlen. Ergänzend wird auf die Praxis verwiesen, Langflow nicht direkt untrusted Netzen auszusetzen, damit Angriffsflächen durch automatisierte Anmeldungen und API-Calls schrumpfen.
Das Bild wird außerdem durch eine weitere Sicherheitsnotiz aus dem gleichen Zeitfenster unterstrichen: Langflow adressierte zuletzt ebenfalls eine kritische Lücke (CVE-2026-105697, CVSS 9,9), die über eine ähnliche MCP-stdio-Logik ebenfalls in Richtung OS-Command-Injection wirken kann. Für IT-Teams heißt das, dass „Patchen“ nicht als einzelner Task verstanden werden sollte, sondern als Bestandteil eines systematischen Härtungskonzepts für KI-Workflow-Backends: Dazu gehören Netzwerksegmentierung, restriktive Exposure, striktes Secret-Handling und eine gezielte Logauswertung rund um die MCP-Server-Endpoints. Da die Konfiguration persistiert und der Code beim Laden wieder ausgeführt werden kann, ist eine reine „Beseitigung nach dem ersten Treffer“ ohne Bereinigung der gespeicherten MCP-Einträge nicht ausreichend.
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