BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Lufthansa rüstet die Kurz- und Mittelstreckenflotte schrittweise auf das satellitengestützte Starlink-System um und bringt damit schnelleres, wetterunabhängiges Internet an Bord. Beim ersten Einsatz lassen sich Video-Streams und Messengerdienste nach kurzer Anmeldung nutzen, auch der VPN-Zugriff aufs Firmennetz gelingt. Laut Speedtest liegen die Werte beim iPhone bei 194 Mbits/s Download, während der vier Jahre alte Laptop noch 130 Mbits/s erreicht. Für den Praxisbetrieb bleiben jedoch Einschränkungen: Der Akku ist nach kurzer Zeit leer und das WLAN endet am Gate.

Lufthansa statt Flynet: Starlink macht WLAN im Flug spürbar schneller
Lufthansa statt Flynet: Starlink macht WLAN im Flug spürbar schneller (Foto: IT BOLTWISE)
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Wenn man in 10.000 Metern Höhe arbeiten will, entscheidet am Ende nicht nur die reine Verbindungsgeschwindigkeit. Genau deshalb wirkt der Rollout von Lufthansa auf das neue Starlink-System so konkret: Beim ersten Flug in Richtung Rom läuft das Internet nach kurzer Anmeldung direkt stabil, und selbst performante Aktionen wie Vor- und Zurückspulen in Videostreams funktionieren ohne sichtbare Verzögerung. Auch für den Arbeitsalltag zählt die unmittelbare Nutzbarkeit: Teams-Nachrichten und E-Mails lassen sich versenden, und nach dem Verbinden des VPN-Zugangs klappt anschließend auch der Zugriff auf das Redaktionssystem.

Die Zahlen, die dabei genannt werden, sind in einem Testkontext eher Momentaufnahmen, geben aber ein Gefühl für die Größenordnung. Ein Speedtest auf dem iPhone erreicht 194 Mbits je Sekunde im Download, während der vier Jahre alte Laptop immerhin 130 Mbits je Sekunde im Download sowie 8,66 Mbits je Sekunde im Upload schafft. Interessant ist zugleich, dass Starlink zwar deutlich höheren Durchsatz ermöglicht, die Bedienlogik aber an eine Betriebsvorgabe gebunden bleibt: Der Flugmodus muss parallel zum WLAN weiterhin eingeschaltet sein, damit die Geräte zuverlässig online gehen.

Im Betrieb zeigt sich dann aber der Teil, der in der Werbung oft untergeht: Das satellitengestützte Netz löst zwar das Kommunikationsproblem, verschiebt jedoch die Engpässe in Richtung Hardware- und Kabinenalltag. Laut den beschriebenen Erfahrungen ist der Akku des Geräts, über das Videos geschaut und Mails beantwortet werden, nach kurzer Zeit fast leer, weil im als Erstes mit Starlink ausgestatteten A320neo bislang keine Steckdosen und keine USB-Stecker vorgesehen sind. Die Modernisierung von 38 in Betrieb stehenden Kurzstreckenjets soll erst 2029 abgeschlossen sein, wodurch sich das Arbeiten ohne Akkusorgen vorerst auf Einzelfälle und besseres Timing mit vorhandener Ladeoption beschränkt.

Technisch steckt hinter dem „Lufthansa Group Wi-Fi“ ebenfalls mehr als ein reines Software-Upgrade. Das neue System ersetzt das bisherige Flynet schrittweise und ist als sichtbares Kundenerlebnis auf den Endgeräten erkennbar, allerdings mit Regeln für die Nutzung: Wer eine Travel-ID besitzt oder bei Miles & More Mitglied ist, bekommt den Service kostenfrei; wer keine Travel-ID hat, kann sich online kostenlos registrieren. Auf Netzwerkebene ist das WLAN zudem nicht nur „irgendein Zugang“, sondern liefert eine IP-Adresse aus dem Heimatland der Fluggesellschaft; dadurch sind bestimmte Streaminginhalte, deren Rechte auf Deutschland beschränkt sind, auch dann verfügbar, wenn das Flugzeug über dem Atlantik unterwegs ist.

Für den Einbau nennt Lufthansa zwei starke Treiber: Zulassung und Logistik. Bei der Baureihe A320neo sei die Zulassung für das Starlink-System als Erstes erteilt worden, außerdem orientiere man sich an Liegezeiten der Flotte. Das Pionier-Flugzeug trägt den Namen Freising und wurde am Standort Berlin umgerüstet; der Einbau in bis zu zehn weitere A320 soll noch in diesem Jahr folgen. Der Aufwand wird dabei hoch genug beschrieben, um den Unterschied zu einer einfachen Nachrüstung zu betonen: Spezialisten bauen in jeden Jet zwei Starlink-Systeme ein, die Signale von vier Routern in der Kabine für zwei Antennen verarbeiten, eine im vorderen Bereich und eine hinten am Heck.

Damit die Installation im Flugzeug wirklich funktioniert, mussten laut den technischen Angaben die Deckenverkleidungen entfernt und Kabel neu geführt werden. Das Satelliteninternet braucht eine Verbindung zwischen Kabineninnerem und den Antennen auf dem Rumpf, inklusive einer Montage, bei der ein Techniker das Kabel an die rund einen halben Quadratmeter große Antenne anbindet und sie anschließend in der Halterung fixiert. Zudem soll die aerodynamischere Antennenform den bisherigen sichtbaren „Buckel“ am hinteren Rumpf ersetzen und gleichzeitig Treibstoff sparen. Pro Flug verbindet sich das System dann automatisch mit dem jeweils nächstgelegenen Starlink-Satelliten.

Aus Nutzersicht sind neben der Verfügbarkeit auch die Grenzen klar definiert. Das Versprechen „Gate zu Gate“ gilt zwar als Zielbild, praktisch funktioniert es jedoch nicht: Am Stuhl am Gate wird das Lufthansa Group Wi-Fi nicht mehr angezeigt, wenige Meter vom Flugzeug ist Schluss. Für Passagiere gelten zudem Regeln, die auf Kabinenrücksichtnahme abzielen: Bei Musik oder Filmen müssen Kopfhörer getragen werden, Telefonate sowie Videogespräche sind untersagt, und auch eigene Livestreams etwa für Instagram oder YouTube sollen nicht stattfinden. Lufthansa ordnet das Ganze als „Premium-Versprechen“ ein, gleichzeitig ist der Wettbewerb bereits in Bewegung: Qatar Airways hatte im Januar berichtet, mehr als 120 Flugzeuge ausgerüstet zu haben, Air France startete 2025 mit dem ersten Einsatz, British Airways ziehe nach, Wizz Air plane die Umrüstung ab dem nächsten Jahr, und Starlink nennt zu Beginn des Jahres weltweit 1400 Flugzeuge mit der Technik.


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