LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Leistungstests zum MacBook Pro mit M4 Pro zeigen spürbare Zugewinne bei CPU und GPU, besonders in Multi-Core-Workloads. In der Videobearbeitung steigt zwar die Exportgeschwindigkeit, gleichzeitig treten aber Latenzen und softwareseitige Bremsen auf. Für Profis zählt damit nicht nur die Hardware-Benchmarks, sondern auch die Frage, wie gut die aktuellen Tools die Architektur des neuen Chips ausnutzen. Unterm Strich wird klar: Wer mit Final Cut Pro, DaVinci Resolve oder spezialisierten Codecs arbeitet, muss die Kompatibilität vor dem Produktiv-Upgrade prüfen.

Die Diskussion um das MacBook Pro mit dem neuen M4 Pro dreht sich nicht um ein einzelnes Benchmark-Ergebnis, sondern um das Zusammenspiel aus Rohleistung, System-IO und Tooling. In den veröffentlichten Tests wird der Chip in mehreren Lastszenarien vermessen, die in der Praxis typischerweise den Unterschied zwischen „schnell exportiert“ und „fühlt sich in der Timeline träge an“ ausmachen. Dabei schneiden CPU- und GPU-Teile gegenüber der Vorgängergeneration messbar besser ab, doch an mehreren Stellen zeigen sich Reibungsverluste durch Hintergrundprozesse, Codec-Anpassungen und Rechenpfade, die in professionellen Workflows empfindlich auf Änderungen reagieren.
Auf CPU-Seite liefert der M4 Pro im Test eine Multi-Core-Performance, die um 23,6 % über der des M3 Pro liegt. Bemerkenswert ist dabei die Stabilität: In Xcode bleibt die Taktrate über 30 Minuten kontinuierlicher Kompilation bei 3,2 GHz konstant. Selbst im Vergleich gegen einen deutlich anders positionierten Vorgänger, den M3 Max, erzielt der M4 Pro im Cinebench-Multi-Core-Bereich noch rund 5 % Vorsprung. Gegenüber dem Standard-M4 wird die Differenz noch drastischer: Laut Messungen kommt das Pro-Modell auf 74 % mehr Multi-Core-Leistung, während die GPU-Performance sogar um 133 % zulegt. Diese Kombination wirkt zunächst wie eine klassische „Pro-Upgrade“-Story – doch sie sagt noch nichts darüber aus, wie gut die Video- und Medien-Pipelines der einzelnen Programme mitziehen.
Genau hier wird es in den Messdaten spannender. In Final Cut Pro steigt die Exportgeschwindigkeit um 31 %, parallel aber sinkt die Reaktionsfähigkeit beim Schnitt, weil Hintergrundprozesse wie Medienanalysen die Interaktivität belasten. Auch die Latenz des ersten Frames fällt je nach Modell spürbar aus: Für das 16-Zoll-Gerät werden 18,3 ms gemessen, während das 14-Zoll-Modell bei 24,7 ms liegt. Zum Kontext: Beim MacBook Pro mit M3 Max werden im selben Latenz-Setting 31,5 ms genannt. In der Praxis bedeutet das: Wer stark mit Scrubbing, Echtzeitvorschau und schnellen Iterationen arbeitet, profitiert zwar von schnelleren Exportpfaden, kann aber trotzdem das Gefühl bekommen, dass bestimmte Schritte nicht vollständig für die neue Architektur optimiert sind.
DaVinci Resolve zeigt wiederum ein gemischtes Profil aus Stabilität und neuen Verzögerungen. Beim HDR-Color-Grading bleibt die Bildrate laut Tests stabil; zugleich wird jedoch durch die Beschleunigung über die Neural Engine eine Latenz von 400 ms eingeführt. Zusätzlich wird beobachtet, dass GPU-Beschleunigung in dieser Software die Farbtreue reduziert. Noch deutlicher wird der Unterschied zwischen „Benchmarks“ und „Work-Session“ in der Erstellung optimierter Medien: Das 16-Zoll-Gerät braucht 3 Minuten und 42 Sekunden, während das 14-Zoll-Modell wegen thermischer Drosselung 4 Minuten und 19 Sekunden benötigt. Als weitere konkrete Störung taucht bei Universe 4.0 ein Textur-Flackern auf. Genau solche Einzelbefunde sind für professionelle Studios oft entscheidender als ein Prozentwert im synthetischen Test.
Auch aus Sicht der Softwareentwicklung sind die Ergebnisse nicht durchgehend positiv. Die Kompilationsgeschwindigkeit mit Clang verbessert sich um 19 %, allerdings wird die Wirkung durch aktivierte Warnmeldungen (-Wall) teilweise ausgebremst. Beim Swift Package Manager (SwiftPM) steigt die Zeit für die Regeneration der Swift Intermediate Language (SIL) bei inkrementellen Kompilationen um 12 % – ein Detail, das gerade bei iterativen Entwicklerzyklen relevant ist. Bei Rust wird zudem eine Fehlerquote von 22 % bei der Vektorisierung festgestellt. Um das zu beheben, wird im Testbericht eine manuelle Aktivierung des v8.6a-Instruktionssets genannt. Daneben fällt auf, dass 8K-RAW-Multitrack-Projekte die Cache-Schreibrate spürbar drücken, weil die Speicherbandbreite bei diesen Anforderungen stärker limitiert als in „klassischen“ Media-Pipelines.
Was diese Punkte zusammenzieht, ist die technische Grundlage: Fortschritte bei CPU- und GPU-Kernen allein reichen nicht, wenn Medien- und Entwickler-Toolchains andere Flaschenhälse haben – etwa beim Umgang mit bestimmten Codecs, bei der Scheduling-Logik oder bei der Nutzung beschleunigter Pfade. Im Test wird deshalb auch erwähnt, dass Adobe Premiere Pro bei der Echtzeit-Wiedergabe eine Erfolgsrate von 82 % erreicht, was auf eine noch fehlende Anpassung an das AV1-Format zurückgeführt wird. H.264-Exporte laufen stabil, während es bei H.265-Varianten vereinzelt zu speicherbedingten Abstürzen kommt. Zudem verlangt der Export von R3D-Material manuelle Farbraum-Einstellungen. Beim direkten 4K-Vergleich braucht das M4 Pro 2 Minuten und 13 Sekunden, während das M4 Max die Aufgabe in 1 Minute und 18 Sekunden abschließt – ein Hinweis, dass „Pro“ nicht automatisch „maximal“ bedeutet, wenn bestimmte Videopfad-Optimierungen stark von der Segmentierung des Chips abhängen.
Für die Marktpositionierung spielt damit vor allem die Frage eine Rolle, wie schnell Drittanbieter ihre Software anpassen. Das MacBook Pro mit M4 Pro startet laut Test bei 2.499 USD für das 16-Zoll-Modell, die M4-Max-Variante beginnt bei 3.499 USD. Technisch sind beide neuen Modelle mit Thunderbolt-5-Anschlüssen ausgestattet, was insbesondere für Workstations mit externen Medien-RAIDs oder schnellen Capture-Setups relevant ist. Gleichzeitig machen die Testergebnisse deutlich, dass die Hardware zwar enorme Rohleistung bietet, die vollständige Ausschöpfung aber vom Reifegrad professioneller Anwendungen abhängt. Für Teams in Agenturen, Postproduktion und Softwareentwicklung heißt das konkret: Vor dem Rollout sollten Kompatibilitätstests für die eigenen Codecs, Plug-ins und Renderpfade eingeplant werden – denn gerade bei Latenz, Farbtreue und Echtzeit-Scheduling entscheidet sich die tägliche Produktivität häufig nicht im Export, sondern im Takt zwischen Idee und Timeline.
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