SYDNEY / LONDON (IT BOLTWISE) – Macquarie stellt die Weichen für den Generationswechsel an der Konzernspitze: Greg Ward übernimmt die Rolle als CEO-Nachfolger von Shemara Wikramanayake. Der 58-Jährige, bislang Leiter der Banking- und Finanzdienstleistungs-Sparte, soll im November die Chefrolle für das australische Asset-Management- und Trading-Geschäft übernehmen. Gleichzeitig bleibt der Konzern unter Beobachtung, weil der externe Prüfdruck rund um den neuen Auditor KPMG wächst. Für Anleger zählt damit nicht nur der Wechsel selbst, sondern auch, wie das Haus mit Governance- und Integritätsfragen umgeht.

Macquarie wechselt an der Spitze der Bank- und Handelsaktivitäten – und die Personalie ist zugleich ein Test für die Stabilität des Konzerns in einem Umfeld, in dem Governance-Fragen wieder stärker ins Zentrum rücken. Shemara Wikramanayake, die acht Jahre lang als CEO fungierte und damit auch als erste Frau diese Rolle innehatte, kündigte ihre Pensionierung an. Nach Angaben aus dem Umfeld der Entscheidung folgt Greg Ward, 58 Jahre alt, als nächste Führungskraft nach und soll den Schritt in die oberste Verantwortung für das australische Asset-Management- und Trading-Geschäft im November antreten.
Die Logik hinter dem internen Übergang ist nicht schwer zu erkennen. Ward leitet seit Jahren die Banking- und Financial-Services-Division; er kam 1996 zu Macquarie und arbeitete zunächst lange im Konzern, bevor er insgesamt 14 Jahre als Group Chief Financial Officer tätig war. Diese Kombination aus Finanzverantwortung und späterer Führung im Banking bringt ihn in eine Position, in der er nicht nur Bilanzfragen versteht, sondern auch die Kunden- und Ertragsmechanik der Sparte beeinflussen kann. Glenn Stevens, Vorsitzender von Macquarie, betonte, Ward bringe die „richtige Kombination an Fähigkeiten“ mit, unter anderem gestützt auf die Entwicklung der australischen Retail-Aktivitäten, die sich in den letzten Jahren zu einem Wachstumstreiber entwickelt haben.
Für die Bewertung der Personalentscheidung spielt auch die Markt- und Ergebnisrealität der letzten Jahre hinein. Wikramanayakes Amtszeit war laut vorliegendem Material besonders von der starken Entwicklung im Commodities-Trading geprägt: In einer Phase hoher Volatilität an den Energiemärkten konnte das Unternehmen damit Rekordgewinne erwirtschaften. Parallel dazu trieb die CEO einen Vorstoß in erneuerbare Energien und in Investitionen für digitale Infrastruktur voran. Ward wiederum ordnet sich strategisch in diese Linie ein, indem er nach seiner Ernennung erklärte, es bedürfe keines großen „Reset“, da die Kernbereiche des Hauses weiterhin stark performten. Ergänzend verwies er darauf, dass die internationale Expansion nicht ausgebremst werden soll: Macquarie erwirtschaftet demnach zwei Drittel des Umsatzes außerhalb Australiens.
Technisch betrachtet, wirkt diese Entscheidung wie eine Fortsetzung der bereits etablierten Architektur: Macquaries weltweite Expansion wurde im Wesentlichen durch Zukäufe in Asien und den USA vorangetrieben; dadurch wurden auch die Trading- und Commodities-Säulen strukturell verankert. Ward, der als Finanzchef eine Zeit lang eng mit diesen globalen Geschäften verbunden war, beschreibt in diesem Zusammenhang, dass er viel Zeit im Ausland verbracht habe. Damit passt seine Rolle auch zu dem Muster, das Macquarie seit Jahren prägt: Führungskräfte werden typischerweise aus dem Unternehmen heraus aufgebaut, statt in einem späten Stadium extern zu suchen. Stevens brachte dieses Prinzip explizit auf den Punkt – es habe zu keinem Zeitpunkt den Gedanken gegeben, man müsse außerhalb des Unternehmens schauen.
So klar die Personalstrategie formuliert ist, so unruhig ist das politische Umfeld, in dem Macquarie gleichzeitig steht. Auf der jährlichen Hauptversammlung in Sydney hatten im Vorjahr mehr als ein Viertel der Investoren die Vergütungsrichtlinien für das Management abgelehnt – vor dem Hintergrund regulatorischer Geldbußen wegen Schwächen bei Compliance und Governance. In diesem Jahr verstärkt sich der Druck zusätzlich durch die Frage, wie der Konzern den Auftrag zur Prüfung an KPMG verteidigt: Das Big-Four-Haus ist in einen Ethikskandal verwickelt worden. Stevens erklärte den Aktionären, die Board-Mitglied Michelle Hinchliffe und Vorsitzende des Audit-Committee, die zuvor eine leitende KPMG-Partnerrolle innehatte, habe sich aus dem Bewertungs- und Abstimmungsprozess zurückgezogen; der Auftrag war bereits im vergangenen Jahr vergeben worden.
Wesentlich ist dabei, dass Macquarie nicht bei internen Maßnahmen bleibt. Der Konzern habe eine externe Überprüfung zur „Integrität“ des KPMG-Angebots für den Audit-Vertrag initiiert und dafür Allens, eine Kanzlei, beauftragt, die bereits von KPMG für eine Untersuchung von Vorwürfen eines Whistleblowers genutzt wurde. Diese Kombination aus personeller Enthaltung im Gremium und externer Prüfung adressiert das Grundproblem, das Investoren zuletzt umtrieb: die Frage, ob Interessenkonflikte und Kontrollmängel ausreichend erkannt und begrenzt werden. Die Kursreaktion spiegelt die Unsicherheit an: Die Aktien fielen am Donnerstag in Sydney um 0,5 %. Gleichzeitig bleibt das übergeordnete Marktbild stark, was sich in der Kursentwicklung im laufenden Jahr zeigt – mit einem Anstieg um ein Viertel und einer Bewertung von A$97bn ($67,8bn).
Für das Unternehmen selbst ist der Übergang an der Spitze damit mehr als ein reines HR-Thema. In der Praxis entscheidet sich an solchen Phasen, ob ein Haus die operative Kontinuität bei gleichzeitiger Governance-Nachschärfung hinbekommt: Ward übernimmt zwar keine Rolle „unter Null“, aber er erbt auch eine Debatte, die über den Audit-Mechanismus läuft. Der Hinweis auf einen „reibungslosen Übergang“, den eine Analystenstimme in einer Notiz in Aussicht stellte, verweist darauf, dass der Markt vor allem eine kurze Disruption erwartet – nicht zwingend eine sofortige Neubewertung der Risiken. Trotzdem bleibt die zentrale Unternehmensaufgabe klar: Die Investor-perzipierte Integrität der internen Prozesse muss zu der Aussage passen, dass die Kerndivisionen weiterhin robust arbeiten.
Am Ende steht damit ein zweigleisiges Bild für Vorstand und Aufsichtsstrukturen. Auf der einen Seite setzt Macquarie auf Kontinuität: intern besetzen, keine externe Suche, Übergang auf Basis bereits bewährter Rollenprofile. Auf der anderen Seite wird mit der externen Überprüfung zu KPMG und den früheren Compliance-Vorfällen die Erwartung verstärkt, dass sich Governance nicht nur in Vergütungs-Policy und Ausschlussregeln zeigt, sondern messbar in Prüf- und Kontrollentscheidungen. Anleger und Mitarbeiter werden daher nicht nur verfolgen, wie Ward die Geschäftsschwerpunkte im Asset Management und Trading steuert, sondern auch, ob die Prüfungsergebnisse die offenen Fragen rund um Audit-Integrität und Compliance-Lernkurven glaubwürdig schließen.
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