TEXAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Der CEO des größten börsennotierten Bitcoin-Minings sieht das Ende der Rolle von Bitcoin als Medium für Alltagszahlungen. Er argumentiert, dass die Kombination aus sinkender Block-Subvention und ausbleibenden Nutzergebühren die ökonomische Basis für den Zahlungszweck schwäche. Stattdessen soll eine kommerzielle Transaktionsschicht über Stablecoins laufen. Parallel skizziert er, wie sich bestehende Mining-Standorte in KI-Cluster umwidmen ließen – weil Energie und Infrastruktur ohnehin umschaltbar werden müssen.

MARA-CEO: Bitcoin soll nicht als Zahlungsmittel dienen – Stablecoins übernehmen
MARA-CEO: Bitcoin soll nicht als Zahlungsmittel dienen – Stablecoins übernehmen (Foto: IT BOLTWISE)
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Fred Thiel, Vorsitzender und CEO von MARA Holdings, positioniert Bitcoin in einem Satz neu: Als Medium des täglichen Zahlungsverkehrs habe die Kryptowährung „ihr Dasein gesehen“. In seinem Interview betont Thiel die zentrale Voraussetzung jeder Transaktion – beide Seiten müssen den Wert dessen, was sie tauschen, verlässlich bestimmen können. Genau dort sieht er bei Bitcoin im Moment ein strukturelles Problem: Bei tausenden Transaktionen pro Sekunde und gleichzeitig dünnen Margen können schon kleine Bewegungen des Bitcoin-Kurses die tatsächlich ankommende Wertgröße verzerren. Für einen Zahlungsdienst ist das eine Eigenschaft, die im Produktivbetrieb schnell zu Reibung führt, weil das System die Preisstabilität nicht automatisch liefert.

Technisch betrachtet hängt diese Kritik eng mit dem Zahlungsmechanismus zusammen, der historisch aus zwei Komponenten besteht: Block-Subsidy und Transaktionsgebühren. Thiel stellt klar, dass Bitcoin zwar ursprünglich so gedacht war, dass mit abnehmender Block-Subsidy die Gebühren zunehmend die Rolle übernehmen, aber diese Verschiebung seiner Ansicht nach bislang nicht in der Praxis stattfindet. Er nennt Gebühren nur als Nebenbeitrag und schätzt sie im Bereich von „rund fünf Basis-Punkten“ des Blockwerts ein. Ein System, das den Werttransfer primär über volatile Kurse und eine nicht ausreichend steigende Gebührenseite stabilisieren muss, wird für Zahlungsfälle zur Nischenlösung – während Stablecoins als zweite Schicht gerade auf diese Erwartung zugeschnitten sind: Sie sollen den kommerziellen Transaktionslayer bilden und die Rolle übernehmen, die Bitcoin als Mittel des Austauschs nicht durchgängig erfüllt.

Im Marktkontext wird Thiels Aussage damit auch zu einer Strategiefrage für Miner. MARA betreibt derzeit 1,1 Gigawatt Rechenleistung- bzw. Energierahmen und liegt nach dem Long-Ridge-Deal sowie einem neu angekündigten 2-Gigawatt-Campus in Texas nun bei „mehr als 4 Gigawatt“ an Strom-Kapazität. Thiel beschreibt dabei ein betriebliches Umschaltmodell: Da MARA auf einen containerisierten Mining-Ansatz setzt, könne Equipment zwischen Standorten transportiert werden. Das klingt banal, ist aber operativ entscheidend, weil KI- und Mining-Workloads zwar unterschiedliche Software-Stacks verlangen, der Engpass in der Praxis jedoch häufig bei Energie, Netzanschluss und Bau-/Genehmigungsfenstern liegt. Wenn ein Standort langfristig passende Energiepreise und verfügbare Lastfenster bietet, sinkt das Risiko, dass man in einer falschen Phase an einer falschen Infrastruktur hängt.

Die Umwidmung auf KI untermauert Thiel mit konkreten Kostenrelationen. Er stellt Mining-Ausgaben von „1 Million US-Dollar pro Megawatt“ als all-in-Aufwand dar, während Infrastruktur für ein KI-Rechenzentrum demnach bei „10 bis 15 Millionen US-Dollar pro Megawatt“ liege – ohne dass bereits zusätzliche Compute-Schichten eingepreist wären. Das ist weniger eine direkte Vergleichsrechnung als eine Plausibilisierung der Frage: Warum sollte ein Betreiber, der ohnehin Energie orchestriert, die gleiche physische Basis künftig nicht auch für KI-Auslastung nutzen? MARA skizziert dafür eine einfache Logik – vor allem in Texas, wo es laut Thiel genug günstige Energie geben könne. In der Theorie könne das Unternehmen alle bestehenden Mining-Standorte auf einen Texas-Standort verlagern und dennoch mit zusätzlichen „900 Megawatt“ Kapazität für KI auf dem restlichen Stromfenster profitieren. Operativ kommen jedoch Reifegrade ins Spiel: Nach Vertragsabschluss dauert der Aufbau „18 bis 24 Monate“, und MARA strukturiert Deals so, dass Mining weiterlaufen kann, bis Elektronen in die neue Nutzung umgeleitet werden.

Auch die Finanzierung und das Verhalten am Markt werden in Thiels Aussagen deutlich. Er sagt, MARA kaufe aktuell keine weiteren Bitcoins, weil viele Miner seines Erachtens bei den heutigen Rahmenbedingungen Verluste schreiben. Zusätzliche Käufe würden zudem die Aktionäre verwässern, wenn das Kapital nicht aus dem laufenden Geschäft kommt. MARA habe in den vergangenen zwölf Monaten rund 20.000 BTC verkauft, um etwa 1 Milliarde US-Dollar an konvertierender Schuld zu bedienen. Thiel nennt dabei auch den Preis-Effekt: Der Verkauf sei nahe einer Marke von 80.000 US-Dollar erfolgt, weil die Konditionen der Notes einen Abschlag enthalten hätten. Damit verschiebt sich die Hauptfunktion für das Mining in Richtung eines Energienutzungs-Geschäfts, während Bitcoin selbst eher als Bilanzkomponente oder als Wertspeicher für Holdings behandelt wird.

In einem zweiten Schritt weitet Thiel den Blick auf die Sicherheits- und Budgetlogik des Netzwerks. Für die gesamte Branche fordert er, über das sogenannte Security-Budget zu sprechen: Wenn Gebühren nicht ausreichend wachsen, bleibt die langfristige Kompensation für Miner hinter dem zurück, was das Design erwartet. Er argumentiert, Transaktionsgebühren seien ursprünglich als Ausgleich gedacht, weil die Block-Subsidy durch die Halvings sukzessive sinkt. Passiert diese Gebührenübernahme aber nicht, wirkt Mining im Ergebnis eher wie eine Residualaktivität. Thiel beschreibt das auch als „Power-Sink“-Rolle: Miner würden als flexible Last zur Netzstabilisierung eingesetzt, wobei sich die Standorte dahin verlagern, wo überschüssige Elektronen verfügbar sind – etwa aus einem Solar-Mikrogrid, sobald Batterien voll sind, oder in datenfernen Zeitfenstern während der Inbetriebnahme von Rechenzentren. In solchen Phasen kann Mining Lasten übernehmen, die sonst als Lastbänke absorbiert würden, typischerweise mit minimalen zusätzlichen Kosten.

Im Nachgang spiegeln sich diese Erwartungen auch an der Börse und in der Stimmung einzelner Investoren wider. Der Kurs von MARA habe am Freitag um über 5% nachgegeben; zugleich sei die Retail-Sentimentlage rund um MARA von einer neutralen in eine bearishe Zone gerutscht, während die allgemeine Aktivität niedrig bis normal blieb. Für Bitcoin selbst wird im Text ebenfalls ein Kursniveau genannt: Die Kryptowährung habe um etwa 64.145 US-Dollar gehandelt, mit nur geringfügigen Schwankungen im Tagesverlauf. Gerade diese Kombination – ein Kurs, der kurzfristig wenig springt, plus die strategische Neubewertung der Funktion von Bitcoin im Zahlungsverkehr – erklärt, warum Thiels Aussagen nicht nur technologisch, sondern auch als Stimmungsanker wirken. Für Unternehmen ist das Signal: Der Zahlungs-Use-Case wird stärker entkoppelt, während Energie- und Rechenkapazität als Umschlagplatz zwischen Krypto und KI in den Vordergrund rückt.

Welche Konsequenzen daraus in den nächsten Quartalen folgen, hängt weniger an der Überschrift „AI statt Mining“, sondern am konkreten Zusammenspiel aus Stromvertrag, Netzinfrastruktur und Lieferketten. Thiels Bau- und Umzugslogik zeigt, dass KI im Energiesektor weniger eine reine Softwarefrage ist, sondern eine Frage von Bauzeit, Lastfenstern und dem Zugang zu passenden Standorten. Gleichzeitig macht die Security-Budget-Debatte klar, dass der Energiemarktplatz für Miner auf Dauer nur dann tragfähig bleibt, wenn das Netzwerk langfristig eine ausreichende ökonomische Basis bereitstellt. Für Anleger und Betreiber entsteht so ein zweigeteiltes Bild: Bitcoin bleibt ein Wertspeicher-Aspekt, während der kommerzielle Zahlungsverkehr – so die zentrale These – in eine Stablecoin-basierte Infrastruktur wandert. Und genau diese Verschiebung erklärt, warum Thiel den Minern nicht nur eine Produktänderung, sondern eine Rolle in einem größeren Energierechner-Ökosystem zuschreibt.


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