VANCOUVER, BRITISH COLUMBIA / LONDON (IT BOLTWISE) – MCF Energy liefert ein Betriebsupdate zur Bohrung Kinsau-1A in Lech, Deutschland, und nennt den erreichten Bohrfortschritt bis auf 3.310 Meter gemessene Gesamttiefe. Das Unternehmen ordnet die neue Bohrung dem jurassischen Malm-Riff-Karbonatintervall zu und beschreibt die Durchteufung des Purbeck-Karbonatintervalls am 10. September. Parallel laufen Planungen zur Monetarisierung der Gasentdeckung, während MCF die Lizenzsituation in mehreren deutschen Gebieten verlängern lässt. Außerdem analysiert Genexco neue 3D-Daten mit der Paradise Machine Learning-Software, um über weiteres Vorgehen zu entscheiden.

MCF Energy nutzt die neue Bohrung Kinsau-1A in Lech als praktischen Belastungstest für eine Strategie, die deutlich stärker auf KI-gestützte Auswertung setzt als auf rein heuristische Karteninterpretation. Die entscheidende Erkenntnis aus dem Betriebsupdate: Das Bohrloch wurde bis zu einer gemessenen Gesamttiefe (Measured Depth, MD) von 3.310 Metern niedergebracht und endete im jurassischen Malm-Riff-Karbonatintervall. Damit liegt die neue Bohrung geologisch nah genug an der früheren Gasentdeckungsbohrung Kinsau-1 (Kn-1), denn der Bohrlochgrund befindet sich weniger als 65 Meter von Mobils ursprünglicher Entdeckungsbohrung entfernt. Für das Projektteam ist genau diese Nähe wichtig, weil sich Ergebnisse aus einem einzelnen Bohrpunkt sonst schwerer in eine verlässliche Reservoiraussage übersetzen lassen.
Technisch setzt Kinsau-1A vor allem am Purbeck-Karbonatintervall an, dem Zielhorizont, in dem in der historischen Bohrung Kn-1 bereits Gas mit hohen Durchflussraten nachgewiesen wurde. Laut Meldung wurde das Purbeck-Karbonatintervall aus der Unterkreide/dem Jura am 10. September durchteuft. Es zeigt, dass das Team nicht nur eine Schicht „getroffen“ hat, sondern die Bohrung auch zeitlich und stratigrafisch in dem Bereich stabil läuft, der als Referenz aus dem Jahr 1983 dient. In Zahlen wird es noch greifbarer: Das Purbeck-Intervall wurde in einer Tiefe von 3.181 Metern MD (2.485,5 m TVDSS) angetroffen und lag 3 Meter höher als in Kn-1. In der Praxis bedeutet eine solche Höhenverschiebung häufig, dass Modelle zur Reservoirlage, Mächtigkeit und Fazies-Verteilung nachgeschärft werden müssen.
Der technische Mehrwert der Bohrung liegt aber nicht allein in der Position, sondern in den Porositätsmessungen und den daraus abgeleiteten Reservoirparametern. Die vorläufigen Messungen deuten auf eine höhere Porosität in der Lagerstättenfazies von Kn-1A im Vergleich zu Kn-1 hin: Die Meldung nennt Zonen von bis zu 12 % Porosität sowie einzelne Abschnitte mit bis zu 17 %. Ergänzend wird ein potenzieller Kohlenwasserstoff-Wasser-Kontakt in 3.244 Metern MD beschrieben. Für die Bohr- und Projektplanung ist diese Kontaktlage relevant, weil sie die ansprechbare effektive Reservoirhöhe bestimmt und damit direkt die Erwartungen an Förderbarkeit und spätere Auslegungsparameter beeinflusst. Zusätzlich nennt das Unternehmen ein mehr als 18 Meter mächtiges Reservoirgestein mit einer durchschnittlichen Porosität von 8,6 % im Purbeck-Intervall.
Während die Ergebnisse noch als vorläufig eingeordnet werden, hat das Projektteam die Bohrung bereits in einen „Operational-Ready“-Status überführt: Kinsau-1A wurde verrohrt und zementiert, die Bohrung anschließend stillgelegt. Der nächste Schritt ist daher weniger das „Weiterbohren“, sondern das Prüfen konkreter Test- und Monetarisierungswege. Die Meldung spricht davon, dass das Unternehmen Genehmigungen für Testarbeiten sowie verschiedene Optionen zur wirtschaftlichen Nutzung der Gasentdeckung analysiert. Diese Trennung ist wichtig, denn in solchen Projektphasen entscheidet sich die tatsächliche Wertschöpfung häufig nicht durch das Vorhandensein eines Reservoirs, sondern durch die Machbarkeit von Tests, die Beschaffung geeigneter Infrastruktur und die Wirtschaftlichkeit unter realistischen Annahmen für Förderrate, Abnahme und Betriebskosten.
Parallel dazu zieht MCF den nächsten Hebel: das Zusammenspiel aus neuen Daten und KI-gestützter Seismikauswertung in Lech Ost. Das Konzessionsgebiet erstreckt sich nach Unternehmensangaben über etwa 100 Quadratkilometer in Bayern und grenzt direkt an den Entdeckungsblock Lech an. MCF hat demnach 3D-Seismik im Umfang von über 160 Quadratkilometern, die von Mobil durchgeführt wurde, mit einem neuen Softwarepaket namens „Paradise“ für KI und maschinelles Lernen neu verarbeitet. Ziel war es, die aussichtsreichsten Zielgebiete anhand derselben seismischen Signaturen wie bei Kinsau-1A abzugrenzen. Gleichzeitig lässt das Unternehmen die ursprüngliche Konzession am 31. Juli auslaufen und will nun eine kleinere Konzessionsfläche beantragen, die diese Zielgebiete abdeckt. Nach der Begründung des Unternehmens soll die Reduktion der Fläche die Auswirkungen auf lokale Gemeinden und das Wassereinzugsgebiet deutlich verringern und das Projekt insgesamt umweltverträglicher machen.
Auch in anderen Lizenzen wird der Zeitplan über Genehmigungen und Verlängerungen aktiv gesteuert. Für Reudnitz nennt MCF eine Verlängerung der Explorationslizenz um 27 Monate bis zum 31. Dezember 2027 durch das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR). Inhaltlich geht es dort um die Frage, wie eine horizontale Förderbohrung umgesetzt wird: Das Unternehmen befindet sich in Gesprächen mit einem Gasaufbereitungsunternehmen, um eine Aufbereitungsanlage zu entwerfen und zu errichten, die das aus der horizontalen Bohrung Reudnitz Z2a geförderte Gas aufbereitet. Ein Test mit dem Gas soll die Wirtschaftlichkeit der Anlage sowie die endgültigen Auslegungsparameter klären. In Erlenwiese wiederum nutzt Genexco 3D-Daten für ein Prospektionsgebiet und analysiert diese derzeit mit der Paradise Machine Learning-Software; die Ergebnisse werden in Kürze erwartet und sollen ausschlaggebend dafür sein, ob gebohrt wird oder das Projekt eingestellt bleibt. Ergänzend wurde die Lizenz Erlenwiese laut Meldung am 12. September 2025 um ein Jahr bis zum 13. September 2026 verlängert, während MCF nun eine weitere Konzessionsverlängerung beantragt.
Für die Branche ist daran vor allem bemerkenswert, wie konsequent „KI“ hier als Prozessbestandteil interpretiert wird: nicht als Marketingbegriff, sondern als Schritt in der Datenkette von 3D-Seismik bis zur Auswahl von Bohrzielen. Wenn ein Unternehmen einen historischen Entdeckungsfall über eine neue Bohrung geologisch verifiziert und gleichzeitig mit einer KI-gestützten Seismikauswertung Anschlussflächen identifiziert, entsteht ein Lernkreislauf, der die Trefferwahrscheinlichkeit erhöhen kann. Entscheidend bleibt dennoch, wie die geplanten Testarbeiten und die nachgelagerten Entscheidungen zur Anlage in Reudnitz und zur möglichen Bohrung in Erlenwiese unter realen Mess- und Genehmigungsbedingungen ausfallen. Bis dahin liefert Kinsau-1A zumindest ein klares Signal: Die Schichttreue stimmt in der Zielregion, und die Porositätsdaten eröffnen die Chance, Reservoirmodelle für die nächste Entscheidungsstufe belastbarer zu machen.
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