SYDNEY / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine umfassende Studie der Universität Sydney stellt den Nutzen von medizinischem Cannabis bei psychischen Erkrankungen in Frage. Trotz des Booms in der medizinischen Anwendung zeigt die Analyse, dass Cannabis bei Depressionen und Angststörungen keinen belegbaren Nutzen hat. Die Ergebnisse werfen Fragen zur Verschreibungspraxis und den regulatorischen Maßnahmen auf.

Die Diskussion um den Einsatz von medizinischem Cannabis zur Behandlung psychischer Erkrankungen hat durch eine neue Studie der Universität Sydney an Brisanz gewonnen. Die im renommierten Fachjournal “The Lancet Psychiatry” veröffentlichte Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Cannabis bei Depressionen, Angststörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen keinen nachweisbaren Nutzen bietet. Diese Erkenntnisse basieren auf der Auswertung von 54 internationalen klinischen Studien mit insgesamt 2477 Patienten.
Die Forscher betonen, dass die generelle Qualität der Befunde für psychische Erkrankungen niedrig ist. Jack Wilson, der federführende Autor der Studie, warnt davor, dass der routinemäßige Einsatz von medizinischem Cannabis mehr schaden als nützen könnte. Insbesondere besteht das Risiko, dass wirksamere Therapien verzögert werden oder unerwünschte Nebenwirkungen auftreten.
Im Gegensatz dazu zeigt die Studie, dass medizinisches Cannabis bei nicht-psychischen Leiden wie Epilepsie oder Multipler Sklerose durchaus positive Effekte haben kann. Diese Erkenntnisse werfen ein Licht auf die Notwendigkeit, die Anwendung von Cannabis differenziert zu betrachten und nicht pauschal zu bewerten.
Die Expertin Kirsten Müller-Vahl von der Medizinischen Hochschule Hannover kritisiert jedoch die Methodik der Studie. Sie weist darauf hin, dass die Cannabinoide THC und CBD unterschiedliche Wirkungen haben, die in der Analyse nicht ausreichend differenziert wurden. Ihrer Meinung nach gibt es Hinweise darauf, dass CBD bei sozialen Angststörungen wirksam sein könnte, während THC in Kombination mit CBD Symptome posttraumatischer Belastungsstörungen mindern könnte.
Die Debatte um die Verschreibung von medizinischem Cannabis wird auch durch politische Maßnahmen beeinflusst. In Deutschland plant die Bundesregierung, die Verschreibungspraxis zu verschärfen, um Missbrauch zu verhindern. Ab April 2024 wird Medizinal-Cannabis nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, was die Diskussion um die Regulierung weiter anheizt.
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