LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie der Universität Cambridge zeigt, dass der Östrogenverlust in den Wechseljahren das Risiko für Alzheimer bei Frauen erhöht. Die Forschung belegt einen messbaren Verlust an grauer Hirnsubstanz in Gehirnregionen, die für Gedächtnis und Emotionen zuständig sind. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Dringlichkeit, das Thema Menopause zu enttabuisieren und präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Die Menopause ist eine bedeutende Phase im Leben einer Frau, die weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Eine aktuelle Studie der Universität Cambridge hat gezeigt, dass der Verlust von Östrogen während der Wechseljahre zu einem messbaren Rückgang der grauen Hirnsubstanz führt, was das Risiko für Alzheimer erhöht. Diese Erkenntnisse basieren auf Daten von fast 125.000 Frauen aus der UK Biobank und verdeutlichen, dass die neurologischen Folgen der Menopause weit über die bekannten Symptome wie Hitzewallungen hinausgehen.
Östrogen spielt eine entscheidende Rolle im Gehirn als Neuromodulator. Es fördert die Bildung neuer Nervenverbindungen, reguliert den Zellstoffwechsel und hemmt Entzündungen. Mit Beginn der Menopause fällt dieser Schutzschild weg, wodurch das Gehirn anfälliger für altersbedingte Schäden wird. Der Mangel an Östrogen kann die Ansammlung schädlicher Amyloid-Beta-Plaques begünstigen, die ein Hauptmerkmal von Alzheimer sind. Dies erklärt teilweise, warum zwei Drittel aller Alzheimer-Patienten Frauen sind.
Die Studie hebt hervor, dass die Menopause nicht länger als isolierte Phase betrachtet werden sollte, sondern als kritischer Wendepunkt für die langfristige Gehirngesundheit. Expertinnen wie die Neurowissenschaftlerin Lisa Mosconi fordern, diese Lebensphase als präventives Zeitfenster zu begreifen. Etwa 80 Prozent der Frauen haben Symptome, die mit Schlaf und Stimmung zusammenhängen, was die Komplexität und Reichweite der Herausforderung verdeutlicht.
Die Rolle der Hormonersatztherapie (HRT) wird kontrovers diskutiert. Während einige Forschungen darauf hindeuten, dass ein früher Beginn der HRT in der Menopause das Demenzrisiko senken könnte, gibt es noch keine klaren Empfehlungen. Die Cambridge-Studie fand die Veränderungen der grauen Substanz unabhängig von einer HRT. Daher wird eine HRT aktuell nicht primär zur Demenzprävention empfohlen.
Die Zukunft der Forschung setzt auf Prävention und Personalisierung. Projekte wie das europäische Netzwerk MenoBrain zielen darauf ab, Wissenslücken zu schließen und Biomarker zu entwickeln, um individuelle Risiken früher zu erkennen. Neben möglichen Therapien rückt der Lebensstil in den Fokus: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche und geistige Aktivität sowie effektives Stressmanagement können die Gehirngesundheit aktiv unterstützen.
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