LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Armee setzt mit EdgeRunner AI auf ein KI-System, das autonome Kampfroboter auch ohne Funkverbindung handlungsfähig halten soll. Rheinmetall sichert sich dazu einen 18-Monats-Vertrag als Hauptintegrator für das Sustainment-Programm und liefert hybride Bodenfahrzeuge mit Hybridreichweiten bis 800 Kilometer. Parallel beschleunigen weitere Projekte weltweit die Integration von Robotik in Aufklärung und Logistik – und selbst die Seefahrt wird durch autonome Drohnenboote mit Nachdruck adressiert.

Militärlogistik wird autonom: US-Roboter und Rheinmetall treiben KI-UGVs
Militärlogistik wird autonom: US-Roboter und Rheinmetall treiben KI-UGVs (Foto: IT BOLTWISE)
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Militärlogistik verschiebt sich gerade von der klassischen Transportkette hin zu einem Mix aus autonomen Plattformen, KI-gestützter Sensorik und operativer Robotik. Im Zentrum steht dabei weniger die einzelne Maschine als die Frage, wie Systeme auch dann funktionieren, wenn Kommunikationswege ausfallen oder nur stark eingeschränkt verfügbar sind. Genau an dieser Stelle setzt die US-Armee mit einer neuen Partnerschaft an: Am 4. August wurde EdgeRunner AI als Technologiepartner vorgestellt, mit dem ein „Gehirn“ an Bord der Roboter integriert werden soll. Die Zielsetzung ist eindeutig – lokale Rechenleistung, damit die Einheit ihre Mission fortsetzen kann, selbst wenn die Funkverbindung abreißt. Dass dabei die Abhängigkeit von Satelliteninternet als Risiko diskutiert wird, zeigt, wie eng die technischen Architekturentscheidungen mittlerweile mit der Taktik verknüpft sind.

Rheinmetall erhält im gleichen Zeitfenster einen Anschlussauftrag, der den industriellen Charakter der Autonomie-Offensive unterstreicht. Laut Meldung vom 3. August wurde der Rüstungskonzern für 18 Monate als Hauptintegrator für „Sustainment“ der US-Armee eingeplant. Das Projekt zielt auf taktischen Nachschub und kombiniert dafür laut Angaben mehrere Partner: Harbinger, Forterra und Primordial Labs sollen zusammen mit Rheinmetall vier hybride, autonome Bodenfahrzeuge liefern. Entscheidend für die Einsatzrealität sind die konkreten technischen Eckdaten: Die Fahrzeuge basieren auf der Harbinger-Plattform, bringen eine Nutzlast von rund 8.200 Kilogramm mit und erreichen im Hybridbetrieb eine Reichweite von 800 Kilometern. Davon entfallen 170 Kilometer auf rein elektrische Fahranteile, zudem sind die Systeme für Temperaturen von minus 30 bis plus 55 Grad Celsius ausgelegt. Für die Taktfähigkeit spielt auch die Geschwindigkeit eine Rolle: Bis zu 105 km/h sind genannt. Besonders praxisnah wirkt die Bedienlogik, weil die Steuerung per Sprachbefehl erfolgen soll – ein Ansatz, der gerade bei wechselnden Operatoren und unübersichtlichen Lagen die Bedienzeit verkürzen kann. Die operative Integration in eine Einheit ist für das zweite Quartal 2027 geplant, was wiederum zeigt, dass es bei diesen Programmen nicht nur um Prototypen, sondern um Übergänge in den Regelbetrieb geht.

Während das Projekt „Sustainment“ die Logistikseite konkretisiert, wird parallel die Bandbreite autonomer Kampfsysteme breiter – und zwar nicht nur in den USA. Thales Australia präsentierte am 4. August einen bewaffneten Bodenroboter namens „Guardian Angel“, der innerhalb von sechs Wochen entwickelt worden sein soll. Der Prototyp habe Schießtests absolviert und eine Fernbedienungswaffenstation mit Maschinengewehr an Bord; damit wird ein früher Integrationspfad sichtbar, der die Kluft zwischen Robotik-Entwicklung und realer Wirkungskette schließen soll. In Deutschland läuft derweil eine andere Beschaffungslogik: Stark Defence erhielt am 3. August einen Auftrag, die Bundeswehr mit Virtus-Kampfdrohnen für eine Brigade in Litauen zu beliefern. Genannt werden eine geplante Produktionshochskalierung auf bis zu das Dreifache sowie Auslieferungen ab dem dritten Quartal 2026. Die Kosten liegen zwischen 80.000 und 100.000 Euro pro Drohne, die Reichweite bei 130 Kilometern und die Nutzlast bei fünf Kilogramm. Solche Parameter sind vor allem für die Einsatzplanung relevant, weil sie die Staffelung, Zielkorridore und die erforderliche Logistik für Munition und Wartung direkt beeinflussen. Dass zugleich ein US-Startup mit Tests humanoider Roboter in der Ukraine vorankommt, unterstreicht den übergreifenden Trend: Foundation Future Industries meldete Fortschritte für den Phantom MK-1, eingesetzt für Aufklärung und Logistik, mit einer zweiten Version in Entwicklung. Die Summe der genannten Forschungsaufträge beläuft sich auf rund 24 Millionen Dollar.

Die Dynamik zeigt sich auch an Plattformen, die sich nicht sauber in „Kampf“ oder „Versorgung“ einordnen lassen, weil modulare Architektur und Anpassbarkeit im Vordergrund stehen. Aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wird etwa der Sicarius UGV 1.5 genannt: ein elektrisches 6×6-Fahrzeug von TAG Dynamics, das für Aufklärung, Logistik und Kampfunterstützung ausgelegt sein soll. Eingebunden sind Panzerung und Waffenstationen, was den Charakter eines universell einsetzbaren Trägers betont. Ähnlich verzahnt sich der Bedarf auf See: Die US-Marine vergab einen Auftrag über 392 Millionen Dollar an Saronic für die Entwicklung autonomer Drohnenboote der Corsair-Klasse. Laut Angaben handelt es sich um 24-Fuß-Boote mit einer Reichweite von 1.000 Seemeilen und Transportkapazität für 450 Kilogramm Nutzlast bei mehr als 35 Knoten. Auch Anduril verhandelt demnach über eine Fabrik für Drohnenboote in Maryland; der Schritt folgt auf eine Finanzierungsrunde über fünf Milliarden Dollar bei einer Unternehmensbewertung von 61 Milliarden Dollar. Solche Zahlen wirken zunächst wie reine Finanzkennziffern, sind aber in Wahrheit ein Indikator für die Geschwindigkeit, mit der aus Robotik-Prototypen Serienfähigkeit entstehen soll.

Damit rückt die Frage nach dem „Systemverbund“ stärker in den Fokus als bisher: Autonomie ist selten ein Einzelknopf, sondern das Zusammenspiel aus Navigation, Funk- und Ausfallmanagement, Energiemanagement, Sensorfusion und Steuerungslogik. Während Gabler und Flanq in Deutschland am 14. Juli erfolgreich den „Ranger“ testeten – ein unbemanntes Überwasserfahrzeug, das aus einem Torpedorohr gestartet wird – verlagert sich die Diskussion auf zivile Skalierungsthemen. Forscher der TU Berlin erproben seit Anfang August im Westhafen ein System namens A-SWARM II: Autonome Elektroboote sollen sich dabei zu größeren Einheiten koppeln und Pakete transportieren. Das Pilotprojekt läuft bis 2027 und soll den Straßenverkehr entlasten. Die Aussage, dass über dezentrale Umschlagstationen potenziell bis zu 1,8 Millionen Menschen erreicht werden könnten, zeigt die Vision hinter dem technischen Ansatz: Wenn Robotik nicht nur einzelne Lieferungen, sondern verteilte Logistikflüsse effizienter macht, verändert sich die Wirtschaftlichkeit entlang der gesamten Kette. Für Entscheider in Industrie und öffentlichem Sektor heißt das, dass KI-gestützte Autonomie künftig nicht nur als militärische Randanwendung betrachtet werden sollte, sondern als Plattformfähigkeit, die sich auch in Infrastrukturprojekten wiederfindet.


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