ISRAEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die israelische Cybersicherheitsfirma MIND hat eine Series-B-Finanzierung über 72 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das Startup baut damit sein KI-gestütztes Data-Loss-Prevention-System aus, das sensible Unternehmensdaten über SaaS, KI-Tools, Agents, E-Mail, Endpoints und lokale Server hinweg überwachen und blockieren soll. Im Fokus steht die neue Angriffs- und Abflussfläche durch generative KI und zunehmend autonome KI-Agents. Laut Unternehmen adressiert das System dabei nicht nur den Inhalt, sondern auch den Nutzungskontext, um Leaks in Echtzeit zu reduzieren.

Wenn Unternehmen generative KI und autonome KI-Agents produktiv einsetzen, verschiebt sich das Sicherheitsproblem vom „klassischen“ Datei- und E-Mail-Transport hin zu einem dynamischen Datenfluss: Mitarbeitende reichen Dokumente in externe KI-Dienste ein, Agents greifen auf interne Datenquellen zu und führen Aktionen mit deutlich weniger menschlicher Aufsicht aus. Genau an dieser Stelle setzt die israelische Startup-Firma MIND Security an. Mit der aktuellen Series B über 72 Millionen US-Dollar erhöht das Unternehmen sein Gesamtfinanzierungsvolumen auf mehr als 112 Millionen US-Dollar seit der Gründung im Jahr 2023. Crosspoint Capital führte die Runde an, während bestehende Investoren wie YL Ventures und Paladin Capital Group ebenfalls mit einstiegen.
Technisch betrachtet handelt es sich bei MIND um eine Weiterentwicklung im Bereich Data Loss Prevention (DLP), also Software, die sensible Informationen erkennt und verhindert, dass sie unangemessen in andere Umgebungen gelangen. Das klingt zunächst nach einem bekannten Markt, bekommt aber durch KI-Workflows eine neue Dringlichkeit: Das Startup positioniert sein System explizit als Antwort auf „AI Speed“, bei der Daten in hoher Frequenz zwischen Anwendungen, Tools und Agenten wandern. MIND beschreibt die Architektur so, dass sie sensible Inhalte entdeckt und klassifiziert, die tatsächliche Nutzung verfolgt und potenziell riskante Aktivitäten in Echtzeit blockiert – über SaaS-Anwendungen, externe KI-Tools, die eigenen Agenten-Workflows, Employee-Endpunkte, E-Mail sowie lokale File-Server.
Gerade der Detailpunkt „Kontext statt nur Inhalt“ ist entscheidend, weil frühere DLP-Generationen häufig auf vordefinierten Regeln beruhten. Solche regelbasierten Ansätze geraten unter Druck, wenn sich auch legitime Nutzungsmuster ändern: Eine Freigabe oder ein Abgleich kann in neuen KI-Arbeitsabläufen plötzlich anders aussehen, etwa weil ein Agent mehrere Systeme in einer Kette ansteuert. MIND sagt, sein Ansatz analysiere sowohl die Informationen selbst als auch den Kontext der Verarbeitung, um legitime Tätigkeiten von potenziellen Leaks abzugrenzen und damit Fehlalarme zu verringern. Dazu passt, dass das System nicht nur Monitoringsignale erzeugen will, sondern nach Unternehmensangaben auch gefährliche Aktionen direkt unterbindet, bevor sensible Daten „weitergereicht“ werden.
Auch organisatorisch adressiert MIND den Engpass vieler Security-Teams: Während klassische DLP-Setups oft mit manueller Konfiguration, aufwändigen Untersuchungen und operativen Reaktionsprozessen verbunden sind, will das Startup einen Teil dieser Routinetätigkeiten automatisieren. Das gelingt laut MIND teilweise durch eigene KI-Agents, die bei der Untersuchung von Risiken, der Reaktion auf Vorfälle und dem Durchsetzen von DLP-Richtlinien unterstützen. In der Praxis bedeutet das: Statt nur Regeln für einzelne Kanäle zu pflegen, soll die Security-Funktion schneller auf neuartige Datenpfade reagieren können, die durch Agenten entstehen, welche ihrerseits mit internen Daten und Tools interagieren.
Der Markttrend dahinter ist im Investment-Umfeld sichtbar: Laut Unternehmen steigt die Zahl der Initiativen, die KI-Infrastruktur mit Security-Funktionen verbinden, während gleichzeitig die Angriffsfläche wächst. MIND bezieht sich dabei auf eigene Daten: Etwa 90% der Organisationen nutzen generative KI-Tools, mehr als zwei Drittel hätten AI Agents bereits eingeführt; gleichzeitig seien rund 65% nicht sicher, ob ihre bestehenden Sicherheitsmaßnahmen Unternehmensinformationen gegen die daraus entstehenden Risiken ausreichend schützen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Kombination aus DLP-Überwachung und agentengestützter Reaktion konsequent: Sie versucht, den Zeitraum zwischen Erkennung und Durchsetzung zu verkürzen, der in KI-getriebenen Prozessen besonders kurz werden kann.
Das Investment soll vor allem in Wachstum und Skalierung fließen. MIND plant, das Team in Israel auszubauen und dabei die Zahl der Mitarbeitenden und speziell die Produkt- sowie Entwicklungskapazitäten in der Region zu verdoppeln. Aktuell beschäftigt das Unternehmen etwa 70 Personen, davon 40 in Israel. Zusätzlich will das Startup die Bereiche Sales und Marketing ausweiten, weitere Produktfähigkeiten entwickeln und Partnerschaften mit Technologie- und Distributionsanbietern aufbauen. Auf Nachfrage nach dem „Warum jetzt“ lässt sich die Logik aus der Unternehmensposition ableiten: KI ist nicht nur die Ursache des Problems, sondern liefert auch die Technologie, mit der man bestehende DLP-Anbieter herausfordern will.
Für Entscheider in Unternehmen liegt der praktische Nutzen vor allem in der Frage, wie stark die Security-Funktion die neuen KI-Zugriffswege wirklich abdeckt. Wenn generative KI und Agenten breiter eingesetzt werden, wird DLP andernfalls schnell zu einem Teilproblem innerhalb einer größeren Sicherheitskette: Klassifizieren reicht nicht, wenn die Aktionsebene (zum Beispiel das Ausführen von Agenten-Schritten) nicht gleichzeitig kontrolliert wird. MINDs Ansatz zielt genau darauf, indem er Sensordaten, Kontextinformationen und Blockierlogik entlang mehrerer Ebenen zusammenbringt. Damit wird DLP zu einem aktiven Sicherheitsbaustein, nicht nur zu einer reinen Alarm- oder Reporting-Schicht.
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