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TANEGASHIMA / LONDON (IT BOLTWISE) – Am 19. Oktober 2026 hebt die Mission „Martian Moons eXploration“ (MMX) von Japan aus ab, um Phobos und Deimos zu untersuchen. Die NASA liefert Mess- und Probenahmetechnik, unter anderem das MEGANE-Spektrometer für Neutronen und Gammastrahlung. Zudem steuert die US-Seite mit dem P-Sampler ein pneumatisches System zur Oberflächenprobenentnahme bei. Die Rückkehr der Proben ist für 2031 geplant, während die Sonde bereits 2027 am Mars eintreffen soll.

MMX startet 2026: NASA und JAXA bringen Phobos-Proben vom Mars zurück
MMX startet 2026: NASA und JAXA bringen Phobos-Proben vom Mars zurück (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Marsforschung bekommt mit der Mission „Martian Moons eXploration“ (MMX) einen konkreten technischen Meilenstein: Am 19. Oktober 2026 soll von Japans Tanegashima Space Center aus ein Raumschiff starten, das die beiden kleinen Monde Phobos und Deimos nicht nur per Fernerkundung vermessen, sondern auch Material von ihrer Oberfläche zurück auf die Erde bringen will. Der Zeitplan ist eng getaktet, weil die Abläufe rund um Anflug, Bahnkorrekturen und Probenentnahme im Weltraum nicht beliebig „nachjustiert“ werden können. Geplant ist der Start um 15:41 Uhr US-Ostküsten-Sommerzeit (EDT), was in Japan auf Dienstag, den 20. Oktober, um 4:41 Uhr morgens hinausläuft.

Damit verschiebt sich der Fokus in Richtung eines weniger „bequemen“ Zieltyps: Phobos und Deimos sind so klein und gravitationsschwach, dass klassische Landemanöver und lange Aufenthaltszeiten technisch besonders anspruchsvoll sind. Genau deshalb setzen NASA und JAXA auf eine Kombination aus Instrumentsystemen und einer schichtensensitiven Probenstrategie. Für Phobos liefert die US-Seite das MEGANE-Spektrometer, das Neutronen und Gammastrahlen von der Oberfläche auswertet. Aus diesen Signalen lassen sich Rückschlüsse auf die elementare chemische Zusammensetzung ziehen, also auf die „chemische Signatur“ des Mondmaterials, die wiederum hilft, die Herkunftsszenarien der Monde gegeneinander abzuwägen.

Die wissenschaftliche Kernfrage bleibt dabei erstaunlich offen: Woher stammen Phobos und Deimos? Zwei Haupthypothesen konkurrieren seit Jahren. Die erste geht davon aus, dass die Monde Überreste großer Einschläge auf dem Mars sind. Dabei wurde Material durch eine Kollision ins All geschleudert, verblieb zunächst in einer Umlaufbahn und ballte sich später zu natürlichen Satelliten zusammen. Die zweite Möglichkeit: Phobos und Deimos seien uralte Asteroiden, die der Mars aufgrund seiner Schwerkraft eingefangen hat. Eine Trennschärfe zwischen beiden Szenarien ist mehr als nur eine Datumsfrage für die Planetengeologie; sie beeinflusst, wie man die Frühphase des Sonnensystems rekonstruiert, in der auch die inneren Gesteinsplaneten Entstehungsprozesse durchliefen und Stoffe aufgenommen haben könnten, die später Wasser und organische Verbindungen begünstigten.

Technisch setzt MMX genau hier an, indem es die Probenahme nicht auf „oberflächliches Kratzen“ reduziert. Die NASA bringt dafür das pneumatische Probenahmesystem „P-Sampler“ mit, das von Honeybee Robotics entwickelt wurde. An einem der Landebeine befestigt, nutzt es Hochdruck-Stickstoffgasstöße, um Oberflächenmaterial zu entnehmen. Dieses Vorgehen ergänzt den „C-Sampler“ der JAXA, der darauf ausgelegt ist, Material aus Schichten wenige Zentimeter unter der Oberfläche zu gewinnen. In der Praxis bedeutet diese Zweiteilung: Forschende können Proben vergleichen, die strukturell aus unterschiedlichen Tiefen stammen, und damit besser einschätzen, wie sich Prozesse wie Aufprallereignisse, Raumwitterung oder erneute Ablagerungen auf der Mondoberfläche abzeichnen.

Die Mission nimmt dabei auch die Logistik der Rückführung ernst. Sobald die Proben die Erde erreichen, sollen etwa 15 % des gesammelten Materials im Astromaterial-Labor des Johnson Space Center in Houston entgegengenommen und dauerhaft aufbewahrt werden. Solche Quoten sind in der Raumfahrtpraxis relevant, weil nicht jedes Material sofort vollständig „verbraucht“ wird: Für langfristige Analysen müssen definierte Bestandsmengen konserviert werden, damit spätere Messmethoden mit verbesserten Auflösungen oder neuen Analyseverfahren überhaupt möglich sind. Die Proben werden voraussichtlich im Jahr 2031 zurückgebracht, während die Raumsonde MMX bereits im August 2027 am Mars eintreffen soll und anschließend mit der Untersuchung der Monde startet.

Der Betriebsablauf nach der Ankunft folgt ebenfalls einer realistischen Priorisierung: Zuerst liegt der Schwerpunkt auf Phobos. Erst danach führt die Sonde die Probenentnahme durch, die frühestens für Dezember 2028 geplant ist. Diese zeitliche Staffelung hängt direkt von der Missionsdynamik ab, etwa von der Fähigkeit, Kommunikationsfenster sicher zu bedienen, sichere Lande- und Oberflächenphasen zu erreichen und gleichzeitig genügend Energie- und Treibstoffreserven für Bahnmanöver vorzuhalten. Für die Kommunikation über große Entfernungen hinweg wird das Deep Space Network der NASA eingesetzt, eine Infrastruktur, die seit Jahrzehnten dafür sorgt, dass Funksignale auch bei hohen Datenverlusten zuverlässig ankommen. Alle US-bezogenen Beiträge laufen zudem im Rahmen des Discovery-Programms der Behörde.

Über die unmittelbaren Messresultate hinaus dürfte MMX vor allem zwei Dinge liefern: erstens eine belastbare Materialbasis für Laboruntersuchungen und zweitens bessere Vergleichswerte für in-situ Daten. Wenn die Proben 2031 analysiert werden, lassen sich die Messungen aus dem Weltraum mit wesentlich detaillierteren Laborverfahren abgleichen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Unterschiede zwischen den beiden Entstehungsszenarien (Einschlagüberreste versus eingefangene Asteroiden) nicht nur plausibel klingen, sondern sich auch geochemisch und strukturell zeigen. Für die Wissenschaft eröffnet das außerdem eine realistisch greifbare Brücke zur Planetenentstehung: Nicht nur Marsforscher, sondern auch Forschende, die sich mit den Bedingungen für Wasser und organische Bausteine in der Frühphase befassen, bekommen neue Bausteine für Modelle und Hypothesen.

Für Unternehmen und Entwickler in der Raumfahrtbranche ist der Fall zudem ein Lehrstück, wie sich Hardware-Entscheidungen in Missionslogik übersetzen. Der Einsatz eines Spektrometers wie MEGANE und eines Probenahmesystems wie dem P-Sampler zeigt, dass die Wertschöpfung nicht erst bei der Auswertung beginnt, sondern schon bei der Schnittstelle zwischen Sensorik, Mechanik und Bahn- sowie Kommunikationsplanung. Wenn MMX den Spagat zwischen präzisem Messen, kontrollierter Probenentnahme und späterem Labor-„Abgleich“ gelingt, könnte das auch für künftige Rückholmissionen als Referenz dienen. Offen bleibt vorerst vor allem, wie sich die Datenlage nach dem ersten Einsatzjahr am Mars in Richtung der entscheidenden Hypothesen verdichtet – doch der technische Unterbau ist zumindest jetzt klar umrissen.

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