BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das deutsche Startup Ground A demonstriert in Berlin eine mobile Laserwaffe zur Drohnenabwehr, die auf KI-gestützte Zielnachverfolgung setzen soll. Ab der nächsten Jahr soll eine Serienproduktion des Systems GA 1000 geplant sein. Technisch setzt die Lösung auf mehrere optische Sensoren und eine kurze Lasereinwirkzeit pro Ziel. Die Einsatzentscheidung bleibt laut Anbieter beim Menschen, während gleichzeitig rechtliche Anpassungen im deutschen Luftraum diskutiert werden.

Berlin wird in der Drohnenabwehr gerade zum Labor: Beim Vorzeigen einer mobilen Laserwaffe steht weniger die „Laser on“-Theaterpose im Vordergrund, sondern der komplette Prozess von Erkennen über Nachverfolgen bis hin zum eigentlichen Beschuss. Das deutsche Unternehmen Ground A will mit dem System GA 1000 vor allem Kleinst- und FPV-Drohnen deutlich effizienter bekämpfen. Daran knüpft sich ein Problem, das Betreiber sicherheitskritischer Flächen seit Jahren umtreibt: Schusswaffen oder klassische Abfanglösungen stoßen über dicht besiedeltem Gebiet häufig an ihre Grenzen, weil Sicherheitsabstände, Kollateralschäden und logistische Einsatzfähigkeit schwer zusammenzubringen sind.
Technisch setzt Ground A auf den Ansatz, einen energiereichen Lichtstrahl so zu fokussieren, dass im Brennpunkt die Drohne gezielt gestört und beschädigt wird. In der Vorführung auf einem Testgelände tragen Techniker und Beobachter Laserschutzbrillen; dann werden die Zielobjekte durch eine kurze Lasereinwirkzeit „entflammt“ und stürzen, so die Darstellung, mit einem Rauchschweif ab. Der zentrale Hebel liegt dabei bei der automatischen Zielnachverfolgung: Laut Gründer und Geschäftsführer Tobias Brune steuert das System die Verfolgung über mehrere optische Sensoren, damit das Ziel auch dann im Fokus bleibt, wenn es sich bewegt und die Steuerung per Videobrille in Echtzeit erfolgt. Für den Produktivbetrieb ist dabei vor allem die Geschwindigkeit entscheidend, denn das System muss nicht nur identifizieren, sondern auch „einloggen“ und den Start des Abschusses anstoßen.
Im Detail nennt Ground A konkrete Zeit- und Leistungsannahmen: Für eine Drohne benötigt das System etwa eine Sekunde Lasereinwirkzeit; technisch vergehen den Angaben zufolge rund drei Sekunden, um die Drohne zu identifizieren, sie zu verifizieren und den Abschuss zu starten. Um die optische Erfassung robust zu halten, seien vier optische Sensoren im Einsatz. Brune führt das Funktionsprinzip zudem mit einem ungewöhnlich anschaulichen Vergleich aus: Er sagt, man könne einen Bienenschwarm auf bis zu zwei Kilometern optisch erfassen und sogar einzelne Bienen erkennen. So soll deutlich werden, dass die Sensorik für kleine, schnelle Ziele ausgelegt ist, bei denen selbst eine exakte Detektion ohne stabile Nachführung schwierig bleibt.
Auch die Laserphysik wird im Pitch vergleichsweise bodenständig erklärt: Die Wirksamkeit bemisst sich Ground A zufolge an Energie pro Flächeninhalt, und der Fokus liege auf der Fläche einer Euromünze. Daraus leitet der Anbieter ab, dass eine Laserleistung im einstelligen Kilowattbereich ausreichen könne. Auf der Energie- und Transportseite will das System die Einsatzhürden senken: Die Anlage passe auf eine Europalette und könne von vier Personen getragen werden; außerdem nennt Ground A eine Batterie, die insgesamt eine Stunde Laserbetriebszeit ermöglichen soll. Entscheidend ist zudem die Aufgabenteilung zwischen Maschine und Menschen: Die Entscheidung über den Einsatz verbleibe beim Menschen, ein Punkt, auf den in möglichen deutschen Einsatzregeln laut Brune besonderer Wert gelegt werde.
Während sich viele Marktteilnehmer bei Drohnenabwehr lange auf einzelne Anwendungsfälle konzentrierten, adressiert Ground A mehrere Kundensegmente in einem breiten Spektrum kritischer Infrastruktur. Neben dem Militär sieht der Anbieter Bedarf bei Betreibern etwa von Energieversorgern, Telekommunikationsanbietern, Transportunternehmen und Gesundheitseinrichtungen. Auf der Liste möglicher Einsatzorte tauchen zudem weitergehende Szenarien auf, etwa der Schutz von Gefängnissen oder Aufgaben im Grenzschutz. Der Preisrahmen wird ebenfalls genannt: Ein System soll eine niedrige einstellige Millionensumme in Euro kosten. Für Procurement-Entscheider ist das relevant, weil sich die Investition nur dann rechtfertigt, wenn Verfügbarkeit, Reaktionszeit und Integrationsaufwand im Feld messbar besser sind als Alternativen.
Rechtlich verschiebt sich der Schwerpunkt in Deutschland derzeit vom technischen Demonstrator zur Frage, wann Laser im Luftraum tatsächlich operativ eingesetzt werden dürfen. Ground A verweist darauf, dass ein Laser im deutschen Luftraum – etwa über dem Flughafen Frankfurt – nicht ohne Weiteres eingesetzt werden dürfe. Gleichzeitig könne man bereits Systeme zur Drohnenerkennung und -nachverfolgung anbieten; bei Anpassungen der gesetzlichen Lage, wie sie in Frankreich bereits erfolgt seien, will das Unternehmen die Laser nachrüsten, sodass Drohnen anschließend auch tatsächlich abgewehrt werden können. Parallel dazu laufen laut Angaben aus der Bundesregierung und im Abstimmungsprozess zwischen Ressorts sowie zwischen Bund und Ländern Beratungen zu neuen Befugnissen für die Drohnenabwehr und weiteren Schutzmaßnahmen. Für Unternehmen bedeutet das: Wer kritische Standorte absichert, sollte jetzt nicht nur nach der besten Sensor-/Effektorkombination fragen, sondern auch prüfen, wie die geplanten rechtlichen Änderungen die Betriebsmodi, die Einsatzgrenzen und die Verantwortlichkeiten zwischen Bund und Ländern konkretisieren könnten.
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