ZÜRICH-SCHLIEREN / LONDON (IT BOLTWISE) – Molecular Partners meldet für das erste Halbjahr 2026 Fortschritte in der Radio-DARPin-Pipeline. MP0712, das auf DLL3 zielt, hat in der Phase-1/2a-Studie die therapeutische Dosisstufe (Kohorte 2) erreicht. Gleichzeitig wählt das Unternehmen CD70 als neues Zielmolekül und plant den Start des klinischen Programms für 2027. Die liquiden Mittel belaufen sich zum 30. Juni 2026 auf 67,9 Millionen CHF, womit die Finanzierung voraussichtlich bis Ende 2027 gesichert bleibt.

Molecular Partners verknüpft seine Halbjahreszahlen 2026 direkt mit zwei klinischen Weichenstellungen: Im Zentrum steht der Fortschritt beim Radio-DARPin MP0712 gegen DLL3, während parallel ein neues Zielmolekül für die nächste Entwicklungsstufe festgelegt wurde. Für Anleger und Entscheider ist diese Kombination deshalb relevant, weil sie die typische „Pipeline-Logik“ des Unternehmens sichtbar macht: Sicherheit und Dosisbereitschaft in einem Programm schaffen Handlungsspielraum, während die Zielbiologie für ein zweites Radiopharmakon früh genug definiert wird.
Technisch betrachtet nutzt MP0712 einen Alpha-Strahler, der an einen DARPin-Bindepartner gekoppelt ist. In der multizentrischen Phase-1/2a-Studie in den USA mit der Kennung NCT07278479 läuft die wiederholte Verabreichung planmäßig; bis dato erhielten Patienten in der ersten Dosisstufe (Kohorte 1) bis zu vier Dosen. Laut den veröffentlichten Studiendaten haben alle Patienten in Kohorte 1 den Sicherheitsbeobachtungszeitraum abgeschlossen, ohne dass dosislimitierende Ereignisse auftraten; die gemeldeten unerwünschten Ereignisse waren zudem leicht bis mittelschwer (Grad 1–2) und klangen rechtzeitig bis zum nächsten regulären Dosierungszyklus ab. Nach Prüfung der Sicherheitsdaten aus Kohorte 1 empfahl das Dosiskontrollkomitee, mit der nächsten therapeutischen Dosisstufe weiterzugehen, und genau dieser Schritt ist jetzt erfolgt: Kohorte 2 ist eröffnet, und die Rekrutierung läuft.
Damit verschiebt sich der Fokus von der „Startphase“ in Richtung klinischer Datenerzeugung. Kohorte 2 ist mit 105 MBq pro Dosis beschrieben, Kohorte 1 mit 75 MBq pro Dosis; in der Phase 1 sind insgesamt vier Dosisstufen vorgesehen. Das Unternehmen nennt zudem eine organisatorische Ausbaulogik: Fünf Prüfzentren sind bereits aktiv, insgesamt sollen bis 2026 neun Zentren geöffnet werden. Für die weitere Planung ist die Zeitleiste entscheidend, die Molecular Partners kommuniziert: Im Jahr 2026 erwartet man erste klinische Daten, anschließend soll 2027 ein breiterer Datensatz zur Sicherheit und Wirksamkeit folgen. Solche Zeitfenster sind in der Radioliganden- und Radiopharma-Welt bedeutsam, weil sie die Abstimmung zwischen Laborchemie, Radiotracer-Verfügbarkeit, Studienbetrieb und regulatorischem Datengerüst zusammenbringen müssen.
Parallel zur DLL3-Strategie erweitert Molecular Partners die Radioplattform um ein zweites Ziel: CD70. Aus Sicht der Zielbiologie ist das nicht nur ein „weiterer Marker“, sondern ein anderes klinisches Einsatzprofil: CD70 ist beim klarzelligen Nierenzellkarzinom (ccRCC) und in weiteren Krebserkrankungen überexprimiert, während es in gesundem Gewebe nur begrenzt vorkommt. Das Unternehmen begründet den strategischen Schritt damit, dass eine zielgerichtete Alpha-Therapie potenziell Resistenzmechanismen adressieren kann, die bei Chemotherapien und anderen Modalitäten in ccRCC beschrieben wurden. Für die Umsetzung plant Molecular Partners, unterstützende präklinische Daten im zweiten Halbjahr 2026 auf einem wissenschaftlichen Kongress vorzustellen; die IND-vorbereitenden Arbeiten sollen im zweiten Halbjahr 2026 beginnen, und das Programm soll 2027 in die klinische Entwicklung eintreten.
Während das Unternehmen MP0712 als Schwerpunkt der US-Phase-1/2a-Studie mit (212)Pb herausstellt, bleibt es bei einer „isotopenunabhängigen“ Portfolioidee: Die DARPin-Plattform erlaubt den Austausch von Alpha-Isotopen und den jeweiligen Chelatoren, darunter (212)Pb und (225)Ac. Diese Flexibilität ist in einem Markt entscheidend, in dem die Verfügbarkeit einzelner Radionuklide, Herstellungs- und Logistikketten sowie die Matching-Strategie zwischen Target und Strahlungsprofil den Unterschied zwischen schnellerem Setup und langwierigerem Ramp-up ausmachen. Ergänzend hatte Molecular Partners bereits weitere Radiopharmaprogramme erwähnt: MP0726 als zweites RDT-Programm mit Bildgebungseinsatz im zweiten Halbjahr 2026 sowie ein Early-Access-Programm in Südafrika mit einem DLL3-Ansatz, der für Bildgebung und Behandlung eingesetzt wird. Diese Breite dient dabei nicht als Ablenkung, sondern als Risikodiversifikation über unterschiedliche Targets und klinische Einstiegspunkte.
Auch finanziell setzt das Unternehmen auf Kontinuität, statt auf bereits in Aussicht gestellte Partner-Zahlungen angewiesen zu sein. Für den 30. Juni 2026 weist Molecular Partners Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente von 67,9 Millionen CHF aus; zusätzlich werden kurzfristige Festgelder in dieser Liquiditätslogik berücksichtigt. Der Netto-Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit liegt im ersten Halbjahr 2026 bei 25,0 Millionen CHF, dem stehen Betriebsverlust von 27,0 Millionen CHF sowie ein Nettoverlust von 26,7 Millionen CHF gegenüber. Auf operativer Kostenseite nennt das Unternehmen für H1 2026 Forschungs- und Entwicklungskosten von 19,0 Millionen CHF (gegenüber 22,6 Millionen CHF in H1 2025) sowie SG&A von 8,0 Millionen CHF. Für den Ausblick hält Molecular Partners bei konstanten Wechselkursen an der zuvor kommunizierten Prognose fest und erwartet Gesamtbetriebskosten von 45–55 Millionen CHF für 2026, inklusive etwa 6 Millionen CHF nicht zahlungswirksamer Aufwendungen. Die Finanzierungsreichweite wird als ausreichend bis Ende 2027 beschrieben, ohne potenzielle Zahlungen aus F&E-Partnerschaften.
Unterm Strich signalisiert die Meldung eine Fortschrittskurve, die in klinischen Entwicklungsprogrammen oft besonders wertvoll ist: MP0712 hat die nächste therapeutische Stufe erreicht, Kohorte 2 läuft bereits in der Rekrutierung, und das Unternehmen setzt gleichzeitig die nächste Target-Wette (CD70) auf den Entwicklungsfahrplan. Für die Branche bedeutet das auch, dass Entscheider den nächsten Fortschrittsmaßstab nicht nur an „Daten ja/nein“, sondern an konkret terminierte Sicherheits- und Wirksamkeitsfenster knüpfen werden. Der weitere Verlauf hängt jetzt vor allem daran, ob die höheren Dosisstufen die bislang günstige Sicherheitscharakteristik bestätigen und ob die Studien- und Radiotracer-Logistik den geplanten Ausbau der Zentren im Jahr 2026 stabil tragen kann.
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