DIERIKON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Komax Gruppe hat im ersten Halbjahr 2026 den Bestellungseingang um 12,2% auf CHF 311,4 Millionen gesteigert. Der Umsatz legte organisch um 1,6% zu, fiel aber wegen negativer Währungseffekte insgesamt um 2,8% auf CHF 272,4 Millionen. Das bereinigte EBIT stieg dank einer seit 2024 konsequent gesenkten Kostenbasis auf CHF 16,5 Millionen, während Einmaleffekte das ausgewiesene Ergebnis stark belasteten. Gleichzeitig nimmt der Auftragsbestand deutlich zu, was Spielraum für die zweite Jahreshälfte eröffnet.

Im ersten Halbjahr 2026 zeichnet sich bei der Komax Gruppe eine klare Gegenbewegung zu den zuletzt zäheren Phasen ab: Während der Umsatz durch Verzögerungen bei Kundenbestellungen und Währungseinflüsse gedämpft wurde, wächst das unterliegende Geschäft. Konkret stieg der Bestellungseingang um 12,2% auf CHF 311,4 Millionen (H1 2025: CHF 277,4 Millionen). Die Firmenleitung führt das besonders auf die starke Marktposition in Industrie- und Infrastrukturprojekten in Nordamerika zurück, die vom fortgesetzten Ausbau von Rechenzentren profitiert.
Technisch betrachtet passt das ins Bild dessen, wofür Komax Systeme typischerweise eingesetzt werden: In Rechenzentren steigen sowohl die Anforderungen an die Stromverteilung als auch an Kühlung und Datenverarbeitung. Genau dort entsteht Nachfrage nach Lösungen, die Kabel nicht nur verarbeiten, sondern auch automatisiert konfektionieren und qualitativ prüfen. Für die Kennzahlen heißt das: Viele Bestellungen kamen erst gegen Mitte des Jahres, daher spiegelte sich der Auftragsschub noch nicht vollständig im Umsatz. Der organische Umsatz wuchs um 1,6%, verringerte sich jedoch insgesamt um 2,8% auf CHF 272,4 Millionen (H1 2025: CHF 280,3 Millionen) – ein Dämpfer, der laut Bericht besonders aus negativen Währungseffekten resultiert.
Die Ergebnisqualität lässt sich im Halbjahr 2026 deutlich stärker über die Kostenbasis erklären als über den kurzfristigen Umsatzverlauf. Das bereinigte betriebliche Ergebnis (EBIT) lag bei CHF 16,5 Millionen, gegenüber CHF 7,7 Millionen im ersten Halbjahr 2025; die EBIT-Marge stieg damit auf 6,1% (H1 2025: 2,7%). Gleichzeitig zeigt der Bericht, wie groß die Wirkung der Einmaleffekte war: In das ausgewiesene EBIT gingen Struktur- und Portfolioanpassungen in Höhe von insgesamt CHF -14,9 Millionen ein, sodass das EBIT auf CHF 1,6 Millionen zurückging (H1 2025: CHF 6,2 Millionen). Diese Trennung ist für die Interpretation wichtig, weil sie das operative Stabilitätsbild hinter den Restrukturierungskosten sichtbar macht.
Strategisch untermauert wird das durch die weitere Verschiebung weg von der Automobilindustrie. Der Umsatzanteil der Automobilindustrie sank auf 57% (H1 2025: 64%), während die Kundschaft dort weiterhin zurückhaltend investiere. Gleichzeitig bleiben Europa und Asien/Pazifik über unterschiedliche Faktoren herausfordernd: In Europa und Afrika gingen die Umsätze um 8,6% beziehungsweise 7,8% zurück; in Asien/Pazifik fiel der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17,4% zurück, vor allem wegen schwacher Marktbedingungen in China. Dort dämpften Überkapazitäten in der Automobilindustrie die Investitionsbereitschaft, während das Geschäft außerhalb Chinas laut Bericht positiv verlief und insbesondere der indische Markt für Zuwächse sorgte. Insgesamt stieg der Auftragsbestand auf CHF 183,1 Millionen (31.12.2025: CHF 145,5 Millionen), und die Book-to-Bill-Ratio lag bei 1,14 – ein Indikator dafür, dass sich die Nachfrage in der Pipeline weiter stützt.
Ein weiterer roter Faden ist das Programm „Uplift“, das die Komax Gruppe im ersten Halbjahr 2026 angestoßen hat. Es verknüpft Wachstumserweiterungen in den Industrie-, Infrastruktur- und Transportmärkten mit Maßnahmen, die die bestehende Position in der Automobilindustrie absichern sollen. Daneben steht die Kostendisziplin im Mittelpunkt: Die Einmaleffekte von CHF -14,9 Millionen werden im Zusammenhang mit „Uplift“ eingeordnet und sollen die Basis schaffen, um die Kostenbasis ab 2027 um weitere bis zu CHF 10 Millionen zu senken. Für das laufende Jahr deutet der Bericht darauf hin, dass im zweiten Halbjahr 2026 keine wesentlichen zusätzlichen Einmaleffekte zu erwarten sind. Damit wird aus dem Halbjahr 2026 weniger ein Ereignisbericht als vielmehr ein sichtbarer Zwischenstand für eine länger angelegte Budget- und Effizienzkurve.
Auch finanziell versucht Komax, die operative Erholung mit einem stabilen Umgang bei Cashflow und Verschuldung zu untermauern. Das Gruppenergebnis nach Steuern (EAT) lag bei CHF -5,0 Millionen (H1 2025: CHF -3,5 Millionen), während der Free Cashflow trotz des negativen EAT positiv ausfiel – mit CHF 7,2 Millionen (H1 2025: CHF -2,0 Millionen) durch die Reduktion des Nettoumlaufvermögens. Dadurch sank die Nettoverschuldung von CHF 111,9 Millionen (31.12.2025) auf CHF 104,9 Millionen (30.06.2026). Der Verschuldungsfaktor fiel auf 2,33 (31.12.2025: 3,12). Diese Entwicklung ist für Unternehmen im Maschinen- und Anlagenumfeld relevant, weil Investitionen in neue Produktions- und Servicekapazitäten typischerweise Phasen durchlaufen, in denen Ergebnis und Cashflow zeitlich auseinanderlaufen können.
Operativ arbeitet Komax zudem an einer stärkeren Wertschöpfungsintegration und einer breiteren Go-to-Market-Absicherung. Im Juli 2026 erwarb die Gruppe eine Minderheitsbeteiligung von 40% an der KTK GmbH in Wilhelmsdorf, Deutschland, die auf Crimpwerkzeuge spezialisiert ist – ein Baustein, der laut Bericht pro Maschine etwa zehnmal in den vollautomatischen Kabelverarbeitungslösungen zum Einsatz kommt. Parallel wird am Standort Tianjin, China, eine Werkzeugfertigung und -montage nach dem Vorbild des deutschen KTK-Standorts aufgebaut, um lokale Kostenvorteile zu nutzen und Lieferzeiten in Asien zu verbessern. Für den nordamerikanischen Markt nennt der Bericht außerdem den Service wire2GO in den USA: Kunden können über eine digitale Komax-Plattform vorkonfektionierte Drahtsätze in beliebiger Menge bestellen, die am Standort Brookfield vollständig automatisiert konfektioniert, beschriftet und anschließend schnell ausgeliefert werden sollen; dabei wird eine Beschleunigung der Verdrahtung von Schaltschränken um bis zu 80% angegeben. Für die CEO- und CFO-Besetzung läuft der Prozess ebenfalls planmäßig: Die CEO-Suche aus April soll voraussichtlich im dritten Quartal 2026 abgeschlossen sein, die CFO-Funktion wird bis dahin interimistisch durch Andreas Weibel wahrgenommen.
Der Ausblick für 2026 bleibt deshalb zweigeteilt: Auf der einen Seite nennt Komax attraktive Wachstumsperspektiven durch zunehmende Elektrifizierung, fortschreitende Automatisierung sowie steigende Anforderungen an Mobilitätslösungen. Auf der anderen Seite bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll, weil Investitionsbereitschaft von Kunden durch Faktoren wie rückläufige Fahrzeugproduktionsvolumen und anhaltende geopolitische Unsicherheiten belastet wird. Entsprechend erwartet die Komax Gruppe für das Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz zwischen CHF 580 und CHF 600 Millionen sowie ein EBIT (inkl. Einmaleffekte) zwischen CHF 16 und CHF 20 Millionen. Gerade vor dem Hintergrund des hohen Auftragsbestands und der Book-to-Bill-Ratio sieht der Bericht damit eher eine Fortsetzung der operativen Trendwende als einen kurzfristigen Ausreißer.
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