MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim Münchner Businessplan-Wettbewerb von BayStartUP gewinnen drei Startups mit sehr unterschiedlichen Zukunftstechnologien. Qooda entwickelt eine Navigation ohne Satellitennavigation auf Basis von Quantensensoren und Magnetfeldsignaturen. Linq Photonics setzt auf photonische Chips, um die Steuerung großer Quantenrechner besser skalierbar zu machen. micro factory bringt vollautomatisierte 3D-Drucker für die Zahnmedizin in die Praxis, inklusive durchgängigem Workflow vom Druck bis zur Aushärtung.

Was passiert, wenn GPS-Signale im entscheidenden Moment ausfallen, zeigen immer häufiger reale Störszenarien. In der Luftfahrt wird Satellitennavigation seit Jahren durch sogenannte Jamming- und Spoofing-Angriffe beeinträchtigt; nach Angaben der IATA werden im zivilen Luftverkehr im Schnitt rund 1180 GPS-Interferenzen pro Tag registriert. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Münchner Startup Qooda an und entwickelt eine Alternative, die sich nicht auf Satellitenbasis stützt, sondern auf eine sensorische „Landkarte“ des Magnetfelds.
Technisch arbeitet Qooda mit Quantensensoren, die charakteristische Eigenschaften des Erdmagnetfelds erfassen. Aus diesen Messwerten entsteht eine Art Magnetfeldkarte, mit der sich der eigene Standort bestimmen lässt – auch in Umgebungen, in denen GPS typischerweise schlechter funktioniert. Das Ziel ist nicht nur eine Ergänzung für Luft- und Seefahrt, sondern ein System, das in Tunneln, unter Wasser und in dicht bebauten Innenstädten zuverlässig arbeiten kann. Interessant ist dabei der Anspruch, die Technologie als dual-use-fähig zu positionieren, also sowohl für zivile als auch für militärische Einsatzkontexte nutzbar zu machen.
Mit dem ersten Platz beim BayStartUP-Businessplan-Wettbewerb bekommt Qooda damit vor allem eines: Aufmerksamkeit für ein Problem, das bislang stark nach „Worst Case“ behandelt wurde, nun aber als Betriebsrisiko in vielen Branchen ankommt. Die geplanten Anwendungsfelder reichen laut Beschreibung von Drohnen und autonomen Fahrzeugen bis zu Einsatzkräften im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz. Gerade bei hochkritischen Logistikketten oder Koordinationsaufgaben zählt nicht allein die Genauigkeit, sondern auch die Robustheit gegenüber Ausfällen. Damit verschiebt sich der Fokus von „GPS möglichst gut“ hin zu „Navigation auch dann, wenn GPS nicht verfügbar ist“, was in der praktischen Produktentwicklung meist zusätzliche Sensorik- und Integrationsarbeit bedeutet.
Der zweite Platz ging an Linq Photonics aus Heidelberg – und damit an ein ganz anderes Engpass-Thema im Quantencomputing. Moderne Quantensysteme stehen und fallen nicht nur mit der Anzahl der Qubits, sondern mit der Frage, wie zuverlässig man eine wachsende Zahl von Qubits gleichzeitig steuern und kontrollieren kann. Linq Photonics entwickelt dafür winzige photonische Chips, die statt elektrischer Signale mit Licht arbeiten. Konkret ersetzt die Lösung große optische Aufbauten durch kompaktere Strukturen und soll den Platzbedarf der Steuerung um bis zu 90 Prozent reduzieren; zugleich verspricht das Konzept eine präzisere parallele Kontrolle deutlich mehrerer Qubits.
Auch ohne dass hier alle Details zur Architektur genannt werden, lässt sich der strategische Wert erkennen: Wenn Steuerung und Kopplungsmechanismen den Flaschenhals bilden, wird Skalierung teuer und komplex. Photonische Chips können diesen Teil der Systemtechnik modularisieren – vom Geräteaufbau bis zur Integration in größere Quantenanlagen – und könnten damit helfen, aus Laboraufbauten schneller produktionsnähere Systeme zu machen. Als Zielgruppe nennt das Startup Hersteller von Quantencomputern und Forschungseinrichtungen. Das passt zu dem Eindruck, dass der Markt für Quantenhardware nicht nur über Qubit-Qualität entscheidet, sondern ebenso über die Laufzeitfähigkeit der Kontrollpfade, über Fehleranfälligkeit und über den realen Platzbedarf im Gesamtsystem.
Der dritte Platz schließlich zeigt, wie stark Business-Ideen aus dem Wettbewerb heraus in konkrete medizinische Workflows greifen. micro factory entwickelt vollautomatisierte 3D-Drucker, die insbesondere für Anwendungen in der Zahnmedizin konzipiert sind. Die Geräte sind etwa so groß wie eine Waschmaschine und sollen damit in eine Zahnarztpraxis passen, wo Zahnersatz oder andere individuelle Dentalprodukte direkt vor Ort hergestellt werden können – ohne Auslagerung ins Dentallabor. Der Nutzen ist nicht nur Zeitersparnis, sondern auch eine Reduktion manueller Schritte und damit eine Entlastung bei bestehendem Fachkräftemangel in der Branche.
Für die Praxisrelevanz ist außerdem der durchgängige Prozess wichtig: Die Drucker verarbeiten unterschiedliche Spezialharze und übernehmen den gesamten Fertigungsablauf vom Druck über Reinigung bis zur Aushärtung automatisch. Dass micro factory die Technologie nicht nur auf die Zahnmedizin beschränkt sieht, sondern auch für weitere Bereiche der Medizintechnik – zum Beispiel bei der Herstellung von Hörgeräten – positioniert, unterstreicht den Plattformgedanken. Insgesamt zeigt der Wettbewerb damit drei unterschiedliche Perspektiven auf Umsetzung: robuste Navigation ohne Satelliten, skalierbare Hardware-Steuerung im Quantenumfeld und automatisierte Fertigung im Gesundheitswesen. Für Entscheider in Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist das vor allem eine Einladung, die Schnittstellen genauer zu betrachten: Sensorintegration, Systemskalierung und Prozessautomatisierung sind die Stellhebel, an denen aus einer Idee später Produktreife wird.
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