LONDON (IT BOLTWISE) – Nel ASA meldet im Q2 2026 stark steigende Aufträge vor allem bei PEM-Elektrolyseuren, während der operative Verlust deutlich zunimmt. Der Auftragsbestand wächst im PEM-Segment massiv, aber das EBITDA rutscht auf minus 155 Millionen Kronen ab. Zusätzlich belastet eine Vergleichszahlung von 70 Millionen Kronen mit dem japanischen Partner Iwatani. Für Anleger entscheidet sich die Gewinnwende nun an der Frage, ob Nel die neuen Volumina auch profitabel skalieren kann.

Nel ASA: Auftragsschub bei PEM erhöht Druck auf die Gewinnwende
Nel ASA: Auftragsschub bei PEM erhöht Druck auf die Gewinnwende (Foto: IT BOLTWISE)
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Nel ASA steht aktuell in einer typischen Zwickmühle der Energiewende-Branche: Auf der einen Seite ziehen neue Bestellungen an, auf der anderen Seite zeigt die Ergebnisrechnung noch nicht die gewünschte Hebelwirkung. Im zweiten Quartal 2026 meldet der norwegische Wasserstoff- und Elektrolyse-Anbieter einen Auftragseingang von 230 Millionen norwegischen Kronen. Das entspricht einem Plus von 171 Prozent gegenüber dem Vorquartal und von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Besonders auffällig ist die Zusammensetzung: 96 Prozent des Auftragseingangs entfallen auf PEM-Elektrolyseure. Genau hier entscheidet sich, ob die angekündigte Dynamik ein Startpunkt für eine operative Erholung wird – oder ob der Konzern zunächst weitere Verlustmonate in Kauf nehmen muss.

Die Zahlen zeigen nämlich gleichzeitig, dass die Skalierung der Technologie bislang noch nicht in eine stabile Ergebnisverbesserung übersetzt wurde. Das EBITDA fiel im Q2 2026 auf minus 155 Millionen Kronen, nach minus 100 Millionen im ersten Quartal und minus 86 Millionen im Vorjahresquartal. Damit vertieft sich der operative Verlust trotz des Auftragsschubs. Belastend wirkt zudem eine Vergleichszahlung mit dem japanischen Partner Iwatani in Höhe von 70 Millionen Kronen, die als Vergleichszahlung in der Berichterstattung separat erwähnt wird. Auf der Erlösseite sinken die Umsatzerlöse aus Kundenverträgen um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen, während die Gesamterlöse inklusive sonstiger Erträge auf 182 Millionen Kronen steigen. Für die Marktmechanik ist das wichtig, weil Anleger häufig genau dann eine Trendwende erwarten, wenn der Umsatzzugang wächst – im vorliegenden Fall aber noch keine durchgehend positive Kettenreaktion erkennbar ist.

Technisch und operativ rückt damit die Skalierungsfrage der PEM-Technologie in den Mittelpunkt. Im PEM-Segment steigt der Auftragsbestand binnen eines Quartals um 147 Millionen Kronen auf 990 Millionen Kronen. Zum Vergleich: Im Alkaline-Geschäft bleibt die Entwicklung deutlich zurückhaltender. Dort liegt der Auftragseingang bei lediglich 8 Millionen Kronen, der Auftragsbestand beträgt aber trotzdem 224 Millionen Kronen und bleibt damit quasi seitwärts. Für die nächsten Berichtsquartale ist daher weniger der absolute Bestellzuwachs entscheidend als die Fähigkeit, die neu bestellten Volumina so zu produzieren und zu liefern, dass die Marge nicht erneut unter Druck gerät. Denn ein Wachstum im Auftragsbuch ist zunächst nur ein zukünftiger Umsatzpfad; erst die Serienfertigung, die Fertigungsauslastung und die Beherrschung von Kosten übergreifender Komponenten bestimmen, ob aus dem Momentum tatsächlich eine Gewinnwende wird.

Das bullische Szenario knüpft genau daran an. Der Auftragseingang wächst deutlich stärker als im Vorquartal, was auf eine Nachfragebelebung hindeutet. Parallel dazu verweist Nel auf konkrete technische Schritte, die auf Kostendegression und industrielle Skalierbarkeit abzielen. Für den Bereich der druckbeaufschlagten Alkaline-Plattform PA-Series nennt das Unternehmen Zielwerte: Der Flächenbedarf soll um 80 Prozent sinken, die Investitionskosten sollen um 40 bis 60 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig ist die Produktionsplanung klar quantifiziert: Nel will bis Ende 2026 eine Fertigungskapazität von 500 Megawatt erreichen, 2027 soll das Ziel bei 1 Gigawatt liegen. Unterstützend kommt eine zugesagte EU-Förderung von 135 Millionen Euro für die PA-Series-Linie hinzu. Dazu kommt ein Barmittelbestand von 1.328 Millionen Kronen zum Quartalsende, was für den Konzern kurzfristig den finanziellen Handlungsspielraum erweitert – gerade in einer Phase, in der Unternehmen typischerweise sowohl Vorleistungen als auch Anlaufkosten tragen müssen.

Dem bullischen Bild steht allerdings ein ziemlich konkretes Gegenargument gegenüber: Der EBITDA-Verlust vertieft sich quartalsweise. Auch wenn die 70 Millionen Kronen im Zusammenhang mit der Iwatani-Vergleichszahlung einmalig wirken, bleibt die operative Schwäche in der Struktur erkennbar – und sie wird besonders dann kritisch, wenn die Umsetzung der PEM-Aufträge Kosten verursacht, die zunächst nicht durch entsprechende Skaleneffekte ausgeglichen werden. Hinzu kommt die Segmentkonzentration: Weil das Wachstum im zweiten Quartal nahezu vollständig aus PEM kam, erhöht sich die Abhängigkeit von der Ausführung in genau diesem Produktschwerpunkt. Gelingt die Kostenkontrolle nicht, kann ein hoher Auftragsbestand in der Phase der Abarbeitung eher wie ein Verstärker für die Verlustseite wirken. Am Kapitalmarkt spiegelt sich diese Unsicherheit ebenfalls. Die Aktie notiert bei 0,1992 Euro und liegt weiterhin fast 10 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Gleichzeitig wird ein Abstand von 45,50 Prozent zum 52-Wochen-Hoch genannt, was auf anhaltenden Bewertungsdruck hindeutet.

Für den weiteren Verlauf kommt es jetzt auf zwei Faktoren an, die der Markt in den nächsten Quartalen eng gegeneinander abgleichen wird. Erstens: Stabilisiert sich die Marge, sobald mehr der neuen Bestellungen in Liefer- und Leistungsumsätze übersetzen? Zweitens: Bleibt das PEM-Momentum so stark, dass die Kapazitäts- und Produktionsplanung nicht nur auf dem Papier aufgeht, sondern auch in der Fertigung und im Projekt-Setup funktioniert. Der nächste konkrete Prüfstein ist der Quartalsbericht zum dritten Quartal 2026, angesetzt für den 21. Oktober. Bis dahin werden Anleger typischerweise weniger auf einzelne Schlagzeilen schauen, sondern vor allem auf Indikatoren, die auf Margenstabilisierung und Kostenverläufe hindeuten. Genau hier wird sich zeigen, ob der Auftragsschub von Q2 2026 bereits der Beginn einer operativen Erholung war – oder ob die Gewinnwende noch länger auf sich warten lässt.


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