BONN / LONDON (IT BOLTWISE) – Wissenschaftler haben erstmals die Verbindung zwischen einem supermassereichen Schwarzen Loch und seinem Jet in der Radiogalaxie Messier 87 sichtbar gemacht. Diese Entdeckung könnte unser Verständnis der Akkretionsprozesse und der Jeterzeugung revolutionieren.

Ein internationales Forscherteam, darunter Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn, hat einen bedeutenden Durchbruch in der Radioastronomie erzielt. Erstmals gelang es, die Verbindung zwischen der ringförmigen Struktur, die den Materieeinfall in ein zentrales Schwarzes Loch offenbart, und dem starken relativistischen Jet in der Radiogalaxie Messier 87 zu visualisieren. Diese Entdeckung wurde durch neue Beobachtungen im Millimeter-Wellenlängenbereich ermöglicht.
Die neuen Radiokarten, die bei einer Wellenlänge von 3,5 mm aufgenommen wurden, zeigen den Materiestrudel um das zentrale Schwarze Loch und den Ursprung des Jets. Diese Aufnahmen wurden mit dem Global Millimetre VLBI Array erstellt, das durch das Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array in Chile und das Grönland-Teleskop ergänzt wird. Die Beteiligung dieser Observatorien hat die Abbildungsmöglichkeiten erheblich verbessert und neue Einblicke in die physikalischen Prozesse der Jeterzeugung ermöglicht.
Ru-Sen Lu vom Shanghai Astronomical Observatory, der Leiter einer Max-Planck-Forschungsgruppe, äußerte seine Begeisterung über die neuen Erkenntnisse. Bisher waren das supermassereiche Schwarze Loch und der weit entfernte Jet nur in getrennten Bildern zu sehen. Nun jedoch bietet ein Panoramabild bei einer neuen Wellenlänge einen umfassenden Blick auf das Schwarze Loch zusammen mit seinem Jet. Diese Beobachtungen könnten das Verständnis der Akkretionsprozesse und der Wechselwirkungen zwischen Akkretion und Jeterzeugung erheblich vertiefen.
Die Beteiligung von ALMA an den GMVA-Beobachtungen hat die Empfindlichkeit für die Kartierung der schwachen und komplexen Radioemission im Zentrum von M87 deutlich erhöht. Dadurch konnte die ringförmige Struktur im Herzen von M87 bei einer Wellenlänge von 3,5 Millimetern erstmals abgebildet werden. Der gemessene Durchmesser des Rings beträgt 64 Mikrobogensekunden, was der Größe eines kleinen Selfie-Lichtrings entspricht, den ein Astronaut auf dem Mond sehen würde, wenn er zur Erde zurückblickt.
Die neuen Ergebnisse sind von großer Bedeutung, da sie erstmals einen direkten Blick in die Region ermöglichen, die die zentrale Akkretionsscheibe um das Schwarze Loch und den Jet in M87 verbindet. Diese Entdeckung krönt die jahrelangen Bemühungen der europäischen Kollegen, das GMVA-Array mit dem phasengesteuerten ALMA für gemeinsame Beobachtungen einzurichten, um die feinsten Details bei der Untersuchung von Radiogalaxien und Quasaren zu enthüllen.
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