LONDON (IT BOLTWISE) – Ab dem 12. August 2026 müssen EU-Importeure deutlich strengere Anforderungen an Verpackungen erfüllen. Die Verordnung (EU) 2025/40 verlangt Konformitätsbewertungen und technische Unterlagen, die Materialvorgaben nachweisen. Besonders bei Materialien mit Lebensmittelkontakt werden Grenzwerte für PFAS relevant. Parallel plant der EUDR-Entwurf harte Sanktionen, falls nicht konforme Erzeugnisse in den Verkehr gelangen.

Der Countdown für viele Import- und Handelsunternehmen läuft: Ab dem 12. August 2026 gelten für EU-Importeure strengere Verpackungsvorgaben. Auslöser ist die Verordnung (EU) 2025/40, die den Fokus auf Marktkonformität verlagert und die Verantwortung entlang der Einfuhrkette neu justiert. In der Praxis bedeutet das für Einkauf, Regulatory Affairs und Logistik mehr als nur eine Etikettenänderung: Wer verpackte Waren in die EU bringt, muss nachweisen können, dass Verpackungsmaterialien den einschlägigen EU-Standards entsprechen.
Technisch und organisatorisch rückt damit die Konformitätsbewertung ins Zentrum. Importeuren wird in der neuen Logik eine zentrale Rolle zugeschrieben: Sie sollen sicherstellen, dass ihre Verpackungen konform sind, und sie brauchen dafür umfassende Konformitätsbewertungen sowie technisch belastbare Unterlagen. Diese Dokumentation muss den Materialanforderungen so weit folgen, dass sie im Prüf- oder Nachweisfall Bestand hat. Fehlen Nachweise, drohen nicht nur formale Beanstandungen, sondern auch operative Konsequenzen wie Verkaufs- oder Vermarktungsstopps, die sich im Handel besonders schmerzhaft auswirken können.
Besonders eng wird es bei Gesundheitsschutz und Lebensmittelkontakt. Für Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, nennt die Regelung spezifische Grenzwerte für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Damit wird ein Feld adressiert, das seit Jahren in der Chemikalien- und Verpackungswelt für erhöhte Aufmerksamkeit sorgt, weil es sowohl um regulatorische Einhaltung als auch um Nachweisfähigkeit entlang der Lieferkette geht. Gleichzeitig verschärft die Neuregelung die zeitliche Logik: Die Kennzeichnung muss bereits vor dem Inverkehrbringen korrekt sein, also zu einem Zeitpunkt, an dem viele Unternehmen ihre Ware oft noch im Pre-Distribution-Setup haben.
Dass die rechtliche Einordnung von „Verpackung“ nicht immer trivial ist, zeigt parallel eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts Anfang August. Im konkreten Streitfall ging es darum, ob besonders robuste Permanenttragetaschen als Verpackung zu behandeln sind. Das Gericht stellte dabei auf den primären Verwendungszweck ab und nicht auf die reine Haltbarkeit oder Belastbarkeit. Im verhandelten Fall waren die Taschen bis 20 Kilogramm belastbar und fassten 35 Liter; dennoch führte genau diese Zweckbestimmung dazu, dass sie den Entsorgungspflichten im Dualen System unterliegen.
Diese Systembeteiligungspflicht wirkt wie ein praktischer Prüfstein, weil sie Lieferanten und Importeuren zwingt, ihre Produktkategorien sauber zu dokumentieren. Wer etwa wiederverwendbare Tragehilfen, Transportverpackungen oder „semi-flexible“ Umhüllungen nutzt, sollte nicht nur auf technische Datenblätter schauen, sondern die juristische Funktion im Prozess des Inverkehrbringens prüfen. Gerade im Grenzbereich zwischen Warenverpackung, Umverpackung und Serviceelementen kann eine falsche Einstufung dazu führen, dass Pflichten an einer Stelle erfüllt werden, während sie an anderer Stelle fehlen. Für Unternehmen heißt das: Taxonomiearbeit im Produktdatenmanagement und rechtliche Review-Schleifen müssen zusammenkommen.
Zusätzlich verschiebt sich der Risikohorizont durch den EUDR-Entwurf: Er sieht empfindliche Sanktionen vor, wenn Erzeugnisse vorsätzlich in den Verkehr gebracht werden, die nicht den Anforderungen entsprechen. Laut Referentenentwurf sind dabei Haftstrafen von bis zu fünf Jahren vorgesehen, bei schweren Umweltschäden sogar bis zu zehn Jahren; ergänzt werden sollen Bußgelder bis 100.000 Euro sowie Strafzahlungen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. Verbände kritisieren die Pläne unter anderem wegen des fehlenden Bagatellprinzips und wegen weitreichender Kontrollrechte der Behörden. Für Unternehmen ist damit weniger die „Strafe im Extremfall“ der eigentliche Hebel, sondern die Frage, wie belastbar und nachvollziehbar die Lieferketten- und Risikoannahmen im Alltag wirklich sind.
Für die Umsetzung bedeutet die geballte Regulatorik vor dem 12. August: Lieferketten prüfen, Materialzusammensetzungen lückenlos dokumentieren und Zuständigkeiten zwischen Lieferant, Importeur und Vertrieb klar ziehen. Die zentrale operative Gefahr entsteht dort, wo Dokumentations- und Prüfketten zu spät greifen, etwa wenn Kennzeichnung erst kurz vor Auslieferung finalisiert wird oder wenn Materialdaten erst nachträglich angefordert werden. Neben der Verpackungsregulierung lohnt zudem der Blick auf die EU-Entwaldungsverordnung, weil sie im Zusammenspiel mit Sorgfaltspflichten die Planungs- und Prüflogik ganzer Rohstoff- und Logistikketten beeinflussen kann. Wer jetzt strukturiert arbeitet, reduziert nicht nur das Risiko von Lieferunterbrechungen, sondern verbessert auch die Chance, Marktzugang in einem komplexen Prüf- und Kontrollumfeld stabil zu halten.
Abschließend bleibt für viele Teams ein spannender, aber anspruchsvoller Punkt: Die Regelwerke treiben Unternehmen in eine stärker nachweisdokumentierte Betriebsweise. Die Disziplin betrifft nicht nur Compliance-Verantwortliche, sondern auch IT-gestütztes Produktdatenmanagement, Supply-Chain-Transparenz und das Change-Management in der Produktion. Unabhängig vom konkreten Produktfall gilt: Je früher Verpackungs- und Materialdaten intern mit den rechtlichen Pflichtbausteinen zusammengeführt werden, desto weniger entsteht zwischen Einkauf, Technik und Vertrieb ein „Nachweis-Gap“, das später schwer zu schließen ist.
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