BOZEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Im NOI Techpark in Bozen zeigen drei Startups, wie Kreislaufwirtschaft praktisch funktioniert: Aus Lebensmittelnebenprodukten entsteht Insektenprotein für die Fischzucht. Kinsect liefert Eier und Junglarven der Schwarzen Soldatenfliege sowie die Zuchttechnik, während Reploid diese Larven in modularen ReFarmUnits mit regionalen Reststoffen füttert. Solos schließt den Kreislauf mit Aquaponik in Tramin und kombiniert Fischzucht, Kräuter- und Salatanbau über einen Nährstoffkreislauf im Wasser.

Im NOI Techpark in Bozen entsteht derzeit ein Kreislauf, der in der Theorie nach „nice-to-have“ klingt, in der Praxis aber eine ziemlich konkrete Kette von Inputs und Outputs durchläuft: Drei Startups machen aus Lebensmittelnebenprodukten Insektenprotein und nutzen dieses anschließend als Futtermittel in der Fischzucht. Der Ausgangspunkt ist ein bekanntes Problem der Aquakultur, das in der Meldung als Frage formuliert wird: Wie lassen sich Fische züchten, ohne dafür Fischmehl oder Fischöle als Protein- und Energiequelle zu benötigen? Genau hier setzt die Kooperation an, indem Larven der Schwarzen Soldatenfliege die Nebenprodukte in verwertbare Bestandteile umwandeln.
Technisch lässt sich das Modell als dreistufigen Stoffstrom beschreiben. Kinsect kümmert sich um den biologischen und technologischen Kern der Insektenhaltung: Das Startup entwickelt Technologien für die industrielle Zucht der Schwarzen Soldatenfliege und stellt Eier sowie Junglarven bereit. Reploid ergänzt die Prozessseite mit modularen „ReFarmUnits“, in denen Larven mit regionalen Lebensmittelnebenprodukten gefüttert werden – genannt werden Apfeltrester, Kartoffelschalen und Altbrot. Aus der Verarbeitung entstehen Insektenprotein und -fett als Futtermittelkomponenten sowie organischer Dünger, der wiederum die Landwirtschaft unterstützt.
Die dritte Station liegt in Tramin: Solos betreibt eine Aquaponik-Anlage, in der Fischzucht und Pflanzenanbau systematisch miteinander gekoppelt werden. Das zentrale Prinzip ist die Wasserqualität: Nährstoffreiches Wasser aus den Fischbecken treibt Kräuter und Salat im Anbau, während die Pflanzen das Wasser als „lebender Filter“ reinigen. Damit wird nicht nur das Futterproblem angegangen; die Anlage reduziert gleichzeitig den Bedarf an externen Inputs für Pflanzen, weil der Nährstoffkreislauf im System selbst erzeugt und aufrechterhalten wird. In der offenen Frage nach dem Fischfutter findet sich außerdem der praktische Anschluss an das Insektenprotein, das von Reploid und Kinsect bereitgestellt wird.
Interessant ist dabei weniger der einzelne Baustein als die Abstimmung zwischen ihnen. Das Team des Startup Incubators im NOI Techpark beschreibt in der Meldung, warum die Zusammenarbeit so früh konkret wurde: Man lernt Geschäftsmodelle, Technologien und Herausforderungen der Startups im Netzwerk kennen und erkennt dadurch schneller, wo eine Kooperation tatsächlich Mehrwert schafft. Giacomo Benassi, CEO von Kinsect, ordnet das Ökosystem ebenfalls als Vertrauensaufbau über gemeinsame „Synergien“ ein – der entscheidende Punkt ist das Umfeld, in dem mehrere Entwicklungs- und Produktionsschritte im gleichen Innovationsraum zusammenkommen. Für Unternehmen ist das mehr als Networking: Wer Zucht, Futtermittel und Aquaponik gleichzeitig adressiert, muss Schnittstellen, Zeitpläne und Qualitätskriterien aushandeln können.
Der NOI Techpark versteht dieses Vorgehen als „All-in-one“-Programm: Von der Idee bis zum Scale-up werden Gründungsteams begleitet und zugleich mit Forschungsinstituten, Universität, Unternehmen und anderen Stakeholdern verknüpft. Zusätzlich können Labore und Werkstätten genutzt werden, um Technologien zu entwickeln und zu testen – das ist für Pilotvorhaben typischerweise der Unterschied zwischen einer überzeugenden Demonstration und einer belastbaren Lösung. Gerade im Bereich Food & Health und Green-Use-Cases wirkt sich ein solches Test- und Entwicklungsumfeld direkt auf die Geschwindigkeit aus, weil Materialchargen, Prozessstabilität und die Tauglichkeit für den Regelbetrieb nicht nur konzeptionell, sondern experimentell abgesichert werden müssen.
Auch über die Region hinaus dürfte das Setup Anknüpfungspunkte schaffen. In der Meldung wird etwa genannt, dass Reploid ein Acceleration- und Scale-up-Programm unterstützt gewählt hat, um die Expansion nach Italien voranzutreiben; als Gründe werden die Lage zwischen Österreich und Mailand sowie der direkte Zugang zu potenziellen Partnerunternehmen und Kundschaft genannt. Gleichzeitig adressiert das Modell die Brücke zwischen zwei Innovationsräumen: Der deutschsprachige Kontext und die italienische Startup-Landschaft werden nicht nur räumlich, sondern über Projektlogik und gemeinsame Infrastruktur verbunden. Für die beteiligten Teams bedeutet das, dass sie nicht bei der Bio- oder Verarbeitungsseite stehen bleiben müssen, sondern die ganze Kette bis zu Nutzern und Abnehmern in den Blick nehmen.
Mit Blick auf den nächsten Schritt sollen im Rahmen des Herbst-Batches erneut Teams in den Startup Incubator aufgenommen werden; Bewerbungen sind laut Meldung bis zum 5. Oktober 2026 möglich. In diesem Format wird deutlich, worauf der Techpark langfristig hinauswill: Kreislaufwirtschaft soll nicht als einzelnes „Recycling“-Thema enden, sondern als Systemdesign mit messbaren Stoffflüssen funktionieren. Für Gründerinnen und Gründer ist die Botschaft vor allem operativ: Eine Idee wird dann zügig tragfähig, wenn sich Partner für Input, Verarbeitung, Output und Validierung früh zusammenbringen lassen – und wenn Labore, Werkstätten sowie ein Ökosystem das Zusammenführen der Kompetenzen wirklich ermöglichen.
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