PORTUGAL / LONDON (IT BOLTWISE) – Acht große Ölkonzerne haben im zweiten Quartal zusammen 93 Milliarden Dollar Gewinn eingefahren. Saudi Aramco sticht mit 32,7 Milliarden Dollar besonders heraus. Gleichzeitig treiben Kriege und Klimakrise die Energiepreise an, während in Deutschland und auf EU-Ebene erneut über eine Übergewinnsteuer gestritten wird. Portugal versucht nun mit einem eigenen Gesetzesentwurf gegenzusteuern, um Familien und betroffene Wirtschaftsbereiche zu entlasten.

Im ersten Halbjahr treffen zwei Entwicklungen aufeinander, die politisch kaum noch zu trennen sind: Während in verschiedenen Krisenregionen Krieg und Versorgungssorgen die Märkte treiben, brennen Wälder und Extremwetter verschärfen die Klimafolgen. Vor diesem Hintergrund wirken die Zahlen zur Profitabilität der großen Ölkonzerne wie ein Kontrastprogramm. Laut den im Artikel genannten Quartalsdaten summieren sich die Gewinne der acht größten Player Saudi Aramco, BP, Shell, TotalEnergies, ExxonMobil, Chevron, Equinor und ENI auf 93 Milliarden Dollar für April bis Juni. Besonders hervorgehoben wird dabei Saudi Aramco mit 122,6 Milliarden Riyal (32,7 Milliarden Dollar) Gewinn – ein Wert, der die Debatte über Verteilungsgerechtigkeit in den Fokus rückt.
Technisch und marktseitig lässt sich der Mechanismus relativ direkt erklären: Höhere Ölpreise schlagen über die Transport- und Energiekette auf viele Endpreise durch. Der Text verknüpft den Preisschub mit dem Iran-Krieg seit Februar und mit neuen Angriffen auf die russische Ölinfrastruktur durch die Ukraine. Dadurch seien Ölpreise bis in Spitzen auf 120 Dollar pro Barrel gestiegen. Für Verbraucher wird das in der Praxis vor allem an der Tankstelle sichtbar; in Deutschland seien Benzin und Diesel seit Wochen nicht unter zwei Euro pro Liter gefallen, bevor staatliches Eingreifen über einen Tankrabatt eine begrenzte Entlastung bewirkt habe. Dass diese Korrektur nur punktuell wirkt, zeigt die weitere Argumentationslinie: Transport von Waren hängt weiterhin stark von fossilen Treibstoffen ab, und dadurch steigt auch wieder die Inflationsrate.
Die politische und wirtschaftliche Reaktion auf „sprudelnde Gewinne“ folgt dem Muster, dass sich Kritik nicht nur auf einzelne Konzerne richtet, sondern auf das Steuersystem und die Preisbildung. Im Artikel wird zudem die personelle Ebene sichtbar: US-Präsident Donald Trump kritisierte die Konzerne und erklärte wörtlich: „Sie verdienen zu viel Geld“. Gleichzeitig ergänzt er mit Blick auf seine politische Selbstbeschreibung: „Ich mag das nicht, das sage ich als Freund der freien Marktwirtschaft.“ In Deutschland wird die Diskussion nach Angaben des Textes erneut lauter, weil die Übergewinnsteuer für eine Reihe von Akteuren als mögliches Gegenmittel gilt – zumindest dort, wo Gewinne erkennbar über ein normales Maß hinausgehen. Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit wird mit der Einschätzung zitiert: „absolut gerechtfertigt“; außerdem spricht er von einer zusätzlichen Preisaufschlagskomponente bei Raffinerien und Tankstellen.
Während Forderungen nach Sonderabgaben politisch rasch auf Zustimmung stoßen können, zeigt der Text auch, wie umkämpft die Datenbasis ist. Das Kartellamt dürfe bei Raffinerien genauer hinschauen und die Preisgestaltung prüfen, allerdings sei das Verfahren langwierig und nicht alle Unternehmen kooperativ. Konkreter wird es bei gerichtlichen Verfahren: Zwei Rechtsstreite in Düsseldorf seien bereits beigelegt; die Unternehmen hätten verloren und müssten ihre Daten teilen. Streitpunkt bleibt damit weniger die grundsätzliche Frage „ob“ überprüft werden darf, sondern „wie schnell“ belastbare Daten vorliegen. Der Artikel beschreibt zudem einen pragmatischen Aufwand: Berater könnten laut Darstellungen der Mineralölwirtschaft für sechs- oder siebenstellige Kosten eingeschaltet werden, um die Zahlen zu ermitteln, die das Kartellamt abfragt.
Parallel dazu weitet sich der Konflikt auf die Klimadimension aus – und damit auf eine zweite Ursache-Wirkungs-Kette jenseits der Preisbildung. Klimaschützer verweisen im Text auf die Verantwortung fossiler Brennstoffe für die Klimakrise und zitieren eine Berechnung der Initiative Global Witness: Im zweiten Quartal 2026 seien insgesamt 700.000 Dollar pro Minute verdient worden. Für die „Big Five“ BP, Shell, TotalEnergies, ExxonMobil und Chevron wird demnach jede Sekunde ein Gewinn von 6.000 Dollar erzielt. Flossie Bloyd von Global Witness kommt mit einer sarkastischen Zuspitzung zu Wort: „aus unserer Misere Kapital schlagen“. Im gleichen Bericht wird gefordert, Regierungen sollten die Abkehr von fossilen Brennstoffen vorantreiben und die Profiteure „gerecht besteuern“.
Auch Einzelfälle sorgen für Reibung, weil sie als Symbolhandlung gewertet werden. TotalEnergies habe in Frankreich nach Angaben des Artikels angekündigt, Feuerwehrleuten Treibstoff zu spenden, die im Süden des Landes weiterhin massive Waldbrände bekämpfen. Klimaschützer sähen darin jedoch keinen Freibrief: Soraya Fettih von der Klimaschutzorganisation 350.org wird mit dem Urteil zitiert: „Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet einer der Konzerne, die den Planeten in Brand setzen, für die Löschfahrzeuge aufkommt“. Sie wirft außerdem die Frage nach der Verhältnismäßigkeit auf: „Kein Geld bringt die Feuerwehrleute zurück, die bei der Verteidigung unserer Region ums Leben gekommen sind, oder die Wälder und Häuser, die nur noch Asche sind.“ Für die Debatte ist dabei weniger der juristische Status einer Spende entscheidend als die politische Signalwirkung: Wer im Krisenfall unterstützt, wird zugleich am Verursachungsdiskurs gemessen.
In der Steuerpolitik zeigt der Text eine klare Gegenüberstellung zwischen nationalem Zögern und europäischer Koordination. Die Bundesregierung in Deutschland habe eine Übergewinnsteuer bisher abgelehnt; Wirtschaftsministerin Katherina Reiche warnt im Artikel davor, dass eine Abgabe verfassungsrechtlich problematisch sein und den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen könnte. Neben diesem Argument wird ein historisches Parallelmotiv genannt: Während der Corona-Pandemie hätten Pharmaunternehmen durch die Entwicklung von Impfstoffen große Gewinne erzielt und Leben gerettet, daher dürfe man diese Firmen nicht „bestrafen“. In der EU hingegen wird die Frage weiter gedrückt: Die Finanzminister aus Portugal, Italien, Spanien und Österreich sowie Bundesfinanzminister Lars Klingbeil fordern nach dem Text von der EU-Kommission die Einführung einer Übergewinnsteuer; die Kommission lehnt das bislang ab. Portugal nutzt derweil eigene Mittel und legt Ende Juli einen Gesetzesentwurf vor, der eine Abgabe auf den Teil des Profits vorsieht, der den Durchschnitt der Jahre 2024 und 2025 um mehr als 20 Prozent übersteigt; die Einnahmen sollen laut Regierung unter anderem Familien und besonders betroffene Wirtschaftsbereiche unterstützen und zugleich Investitionen zur Dekarbonisierung finanzieren.
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