LONDON (IT BOLTWISE) – Ein weltweiter offener Appell fordert, KI-gestützte Cyberabwehr als gemeinsame Aufgabe zu organisieren. Die Unterzeichner warnen, dass sich Angriffe mit KI in den kommenden Monaten deutlich weiter verbreiten und professionalisieren. Gleichzeitig zeigen sie, wie sich mit niedrigschwelligen Modellen, getesteten Abwehr-Playbooks und besserer Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Partnern und Regierungen die Sicherheitslage beschleunigt verbessern lässt. Im Mittelpunkt stehen besonders kritische Infrastrukturen, die oft zu wenig Personal und Budget haben.

Der offene Appell setzt den Ton nicht bei neuen Algorithmen, sondern bei der Organisation der Verteidigung: Wenn KI-gestützte Angriffe „in den kommenden Monaten“ deutlich häufiger und anspruchsvoller werden, brauchen Sicherheits-Teams nach Ansicht der Unterzeichner vor allem weniger Einzelkämpfertum und mehr gemeinsame Umsetzung. Der Text spricht dabei bewusst die Systeme an, die in der Praxis am Ende jeder IT-Lieferkette hängen: von Krankenhäusern über Wasseraufbereitung bis hin zur Infrastruktur, die das Internet selbst am Laufen hält. Genau dort wird die Lücke sichtbar, die in vielen Organisationen seit Jahren gewachsen ist – in Form von technischen Schulden, zu großzügigen Berechtigungen und Konfigurationen, die im Betrieb zwar funktionieren, aber sicherheitstechnisch zu viel Angriffsfläche lassen.
Technisch beschreibt der Appell mehrere konkrete Schwachstellenklassen, die in Summe typische Einfallstore bilden: langjährige Bugs, unsichere oder nicht aktualisierte Software, schwache Authentifizierung und veraltete Legacy-Umgebungen. Hinzu kommt, dass Security-Teams – gerade in kritischen Infrastrukturen – laut Text historisch unterfinanziert und unterbesetzt waren. Dadurch entstehen nicht nur einzelne Risiken, sondern auch ein Prozessproblem: Patches werden verzögert, Verifikationen finden zu selten statt und die Messlatte beim Einkauf oder bei der Entwicklung neuer Komponenten sinkt. Der Appell fordert deshalb, die Sicherheitsstrategie wie bei einem Incident zu behandeln, der nur von kritischen Geschäftsprozessen übertroffen wird: höchste Priorität, schnelle Abarbeitung der Risiken mit sauberer Ergebnisverifikation und die konsequente Anhebung dessen, was Organisationen kaufen, bauen und deployen.
Im Zentrum steht die Forderung, KI-gestützte Fähigkeiten nicht als „Premium-Tool“ für große Player zu begreifen, sondern als Multiplikator für mehr Verteidiger. Der Mechanismus ist im Text relativ klar: KI bringt spezialisierte Fertigkeiten in mehr Teams, kann zentrale Security-Aufgaben schneller und günstiger machen und entfaltet zusätzliche Wirkung, wenn Werkzeuge, praktische Kenntnisse und verifizierte Fixes geteilt werden. Dabei wird auch eine ökonomische Realität adressiert: Statt jedes Problem mit den teuersten, „frontier“-nahen Fähigkeiten lösen zu wollen, sollen für eine breite Abdeckung leistungsfähige, günstigere Modelle eingesetzt werden, während die stärksten Fähigkeiten den „härtesten Problemen“ vorbehalten bleiben. Ein weiterer technischer Punkt betrifft den Umgang mit Systemen, die sich nicht einfach patchen lassen, ohne essenzielle Dienste zu stören: Dann sollen Organisationen geeignete kompensierende Kontrollen anwenden und deren Wirksamkeit nachweisen.
Die zweite große Achse ist die Mobilisierung in einem kollektiven Antwortsystem. Der Appell setzt dabei auf zwei Dinge zugleich: Erstens sollen Cyber-Fähigkeiten weltweit zunehmen – ohne dass ein einzelnes Unternehmen die Zukunft der Abwehr kontrolliert. Zweitens wird Zusammenarbeit explizit operativ gedacht, nicht nur als „Community“-Slogan. Für Cybersecurity-Unternehmen und Technologie-Partner bedeutet das, Abwehr gegen anhaltende KI-gestützte Angriffe mit kontinuierlichem Testing zu stärken, bestehende Tools durch KI zu ergänzen und Lücken gemeinsam mit Technologiepartnern zu schließen. Zusätzlich verlangt der Text, dass KI-gestützte Verteidigung für Betreiber kritischer Infrastruktur nicht nur existiert, sondern deploybar wird: mit praktischer Unterstützung beim Rollout, mit Verifikation der Fixes und mit enger Abstimmung mit Herstellern aus der Supply-Chain sowie Systemintegratoren – inklusive Zwischenanleitungen, wenn ein kompletter Patch-Zyklus Zeit braucht.
Auch die Rolle von Regierungen wird im Appell konkret aufgeteilt. Gefordert wird Koordination auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, verbunden mit dem Ausbau bestehender Kanäle, um „handlungsrelevante“ Bedrohungsinformationen auszutauschen. Zudem sollen die ernstesten Risiken priorisiert, Incident Response und Recovery weltweit koordiniert und Finanzmittel gezielt dort eingesetzt werden, wo Personal oder Budget fehlen. Für kritische Infrastruktur-Supply-Chains nennt der Text außerdem die zügige Erweiterung von „trusted access programs“ als Hebel, um schneller in Richtung wirksamer Abwehr zu kommen. Ebenso wird betont, dass Krankenhäuser, Wasserutilities und lokale Verwaltungen Zugang zu leistungsfähiger defensiver KI, zu autorisiertem Testing und zu praktischer Unterstützung über vertrauenswürdige Security-Provider und Partner erhalten sollen. Ergänzend verlangt der Appell, dass man den Angreifern Kosten auferlegt – ohne dabei konkrete Strafhöhen oder Mechanismen im Detail auszumalen.
Zum Abschluss wechselt der Fokus zu den Frontier-KI-Unternehmen: Sie sollen verantwortliche Modellzugänge bereitstellen, erhebliche Finanzierung und Training unterstützen und vor allem dort „hands-on“ helfen, wo kritische Infrastrukturverteidiger unterversorgt sind. Der Text nennt technische Bausteine, die in der Praxis entscheidend sind, um KI im Security-Kontext kontrollierbar zu machen: Observability und Security Tools sollen sicherstellen, dass agentische Identitäten nachvollziehbar und verantwortlich bleiben, und dass kontinuierliches Monitoring nicht zu einem Blindflug wird. Außerdem fordert der Appell Investitionen in autorisiertes Testing, in private Disclosure-Prozesse und in verifizierte Fixes. Zentral ist dabei die Erwartung, dass Tools, Playbooks und belastbare Threat Assessments mit Regierungen, Security-Partnern und Open-Source-Pflegekräften geteilt werden, um insgesamt die Resilienz in Vorbereitung, Reaktion und Wiederherstellung zu erhöhen.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare strategische Konsequenz: KI-gestützte Abwehr ist im Appell nicht als „Feature“ formuliert, sondern als Betriebsmodell. Wer die Prinzipien ernst nimmt, muss Sicherheit als koordinierbaren Prozess aufsetzen – mit schneller Priorisierung der Schwachstellen, nachvollziehbarer Verifikation, geeigneten kompensierenden Kontrollen bei Patch-Restriktionen und einer Lieferkette, die Zwischenstände nicht verschweigt. Gleichzeitig liegt der wirtschaftliche Kern im Teilen: Wenn verifizierte Fixes und getestete Playbooks die Reichweite einzelner Organisationen multiplizieren, wird Abwehr skalierbar, statt nur auf einzelne Incident-Teams zu vertrauen. Der Appell liefert dafür die gleiche Logik, die auch Angreifer seit Langem nutzen: Nicht nur „besser“, sondern „breiter und schneller“ – nur eben für die Verteidigung.
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