SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Oracle steht unter Druck, da das KI-Geschäft die Erwartungen der Anleger nicht erfüllt. Trotz geplanter Investitionen in Datenzentren bleibt die Unsicherheit über die Finanzierung und den Wettbewerb bestehen. Der Aktienkurs fiel um 14 Prozent, was einen Rückgang des Marktwertes um über 100 Milliarden Dollar bedeutete.

Oracle, der amerikanische Software-Gigant, erlebt derzeit eine herausfordernde Phase, da das KI-Geschäft hinter den Erwartungen zurückbleibt. Trotz eines starken Wachstums im Bereich der Künstlichen Intelligenz konnten die ambitionierten Prognosen nicht erfüllt werden, was zu einem deutlichen Rückgang des Aktienkurses führte. Die Unsicherheiten über die Finanzierung geplanter Investitionen in KI-Datenzentren und der zunehmende Wettbewerb sorgen für Bedenken bei den Investoren.
Der Aktienkurs von Oracle fiel um 14 Prozent auf 191 US-Dollar, nachdem er zuvor im September auf beinahe 350 Dollar angestiegen war. Dies bedeutete phasenweise einen Rückgang des Marktwertes um über 100 Milliarden Dollar. Larry Ellison, der Gründer und Großaktionär von Oracle, hatte zeitweise sogar Elon Musk als reichsten Menschen der Welt überholt, bevor der jüngste Kursrückgang eintrat.
Analysten wie Raimo Lenschow von Barclays sehen die kurzfristige Prognose für Oracle verhalten. Obwohl das zweite Quartal solide Ergebnisse aufwies, enttäuschten zentrale Bereiche. Fragen zur Finanzierung zukünftiger Vorhaben und potenzielle Risiken auf Kundenseite könnten künftig noch stärker ins Gewicht fallen. Das Management von Oracle hat bereits einige dieser Unsicherheiten angesprochen, doch bleiben die neuen Modelle der Kundenbeteiligung am Technikausbau ein Diskussionspunkt.
Oracle hat sich neben der bekannten Datenbanksoftware auch im Cloud-Computing-Sektor etabliert und strebt nach Marktanteilen im Infrastrukturgeschäft. Im zweiten Geschäftsquartal stieg der Umsatz aus Cloud-Services um etwa ein Drittel auf rund acht Milliarden Dollar. Davon entfielen 4,1 Milliarden Dollar auf Rechenzentren, was einem Zuwachs von rund zwei Dritteln entspricht. Dennoch blieben die Ergebnisse hinter den Analystenerwartungen zurück.
Die geplanten Investitionen in Höhe von 50 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2025/26 müssen bei einer bestehenden hohen Schuldenlast effektiv sein, da der ausstehende Vertragsbestand mittlerweile 523 Milliarden Dollar erreicht hat. Oracle ist zudem Partner im von US-Präsident Donald Trump angekündigten KI-Aufbauprogramm Stargate, gemeinsam mit OpenAI und dem japanischen Investor Softbank. Investoren zeigen allgemein Bedenken, dass IT-Konzerne durch Kosten für KI-Infrastrukturen finanziell überfordert sein könnten.
Oracle konkurriert mit Branchengrößen wie Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud Platform, die alle auf hohe finanzielle Ressourcen zurückgreifen können. Die Resultate von Oracle führten zu Skepsis hinsichtlich der Bewertungen von KI-bezogenen Aktien, was Technologiewerte in Asien merklich belastete. Auch der Dax zeigte anfänglich Schwächen, konnte jedoch zum Handelsschluss wieder deutlich zulegen.
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