LONDON (IT BOLTWISE) – Oura bringt mit dem Ring 4 einen weiteren Premium-Smart-Ring in den Handel, der vor allem bei Gesundheitsmessungen überzeugen will. Im Test stehen besonders die Puls-Genauigkeit, die Vielzahl an Vitalparametern sowie die Auswertung in der Oura-App im Fokus. Gleichzeitig fällt auf, dass für den vollen Datenzugriff nach der kostenlosen Testphase ein Abo fällig wird. Dazu kommen Einschränkungen wie die fehlende SOS-Verknüpfung nach einem Sturz.

Seit Samsung mit dem Galaxy Ring den Markt für Smart Rings in Deutschland spürbar geöffnet hat, sind die „smarten“ Schmuckstücke am Handgelenk vieler Nutzer zur Alternative zu Smartwatch und klassischem Fitnesstracker geworden. Der Ansatz bleibt dabei ähnlich: Wie ein Accessoire getragen, aber kontinuierlich Daten erfassen. Oura adressiert diesen Bedarf mit dem Ring 4 erneut als Premium-Produkt und versucht, die Stärken anderer Wearables zu übernehmen, ohne deren sichtbare Formfaktoren zu kopieren. Im Test zeigt sich schnell, dass Oura gerade bei der Messung und der Dateninterpretation stark ist, während die Bedienlogik der App und das Abo-Modell eine klare Kaufentscheidung beeinflussen.
Beim Tragegefühl setzt Oura vor allem auf ein sehr sauberes Design und eine sensorfreundliche Positionierung. Der Ring 4 wiegt je nach Größe zwischen 3,3 und 5,2 Gramm und liegt damit im Vergleich eher auf der kräftigeren Seite innerhalb aktueller Smart Rings. Auch die Geometrie fällt auf: Mit 7,9 Millimetern Breite und 2,88 Millimetern Dicke ist der Ring spürbarer als etwa ein RingConn Gen 2. Genau das merkt man im Alltag besonders beim Händewaschen, weil sich Wasser unter dem Ring stärker sammelt und langsamer abtrocknet. Der Hersteller empfiehlt damit indirekt eine pragmatische Routine: Ring abnehmen oder zumindest beim Abtrocknen schützen, damit die empfindliche Haut an der Handinnenfläche nicht unnötig belastet wird.
Technisch wichtig ist aber nicht nur, wie sich der Ring anfühlt, sondern wie gut die Sensoren an der richtigen Stelle anliegen. Dafür betont Oura das Tragen am Zeigefinger und die nächtliche Nutzung, damit auch Schlafdaten dauerhaft erfasst werden können. Auf der Handinnenfläche ist die Haut am dünnsten – und genau dort müssen die Sensoren sitzen. Damit Nutzer den korrekten Sitz leichter wiederherstellen können, hat der Ring außen eine kleine sichtbare und fühlbare Einkerbung, die an der Handinnenfläche ausgerichtet sein soll. Zusätzlich kann die Größe durch ein kostenloses Größenprobier-Set vorab ermittelt werden; die Angaben auf der Webseite orientieren sich an US-Größen von 4 bis 15. Im Vergleich zum Gen3 setzt Oura beim Ring 4 auf flach verbaute Komponenten im Inneren, wodurch zwar ein anderer Aufbau entsteht, die Passform aber dennoch vom klassischen Maß abweichen kann.
Wo der Ring 4 inhaltlich besonders stark wirkt, sind Gesundheitswerte und deren Genauigkeit. In der Oura-App lassen sich unter anderem die Herzfrequenz im Tagesverlauf betrachten, ergänzt um Herzfrequenzvariabilität, Blutsauerstoffsättigung, K-Törpertemperatur und ein Stresslevel. Laut IMTEST weist der Ring 4 beim Puls keinerlei Abweichung gegenüber dem selbst gemessenen Referenzwert auf – eine Aussage, die für Nutzer relevant ist, die Veränderungen nicht nur qualitativ („fühlt sich an wie“) sondern möglichst quantitativ nachvollziehen wollen. Beim Thema Blutsauerstoffsättigung kann der Ring laut Test zudem Hinweise liefern, ob nachts Atemstörungen auftreten könnten. Außerdem wird der weibliche Zyklus überwacht, und der Ring trackt Schlaf sowie in der Nacht die Atmung.
Sportlich setzt Oura dagegen auf gezielte Modi statt auf eine breite Liste: Für Laufen im Freien, Radfahren im Freien, Gehen, Indoor-Laufen und Indoor-Radfahren kann man in der App einen Sportmodus starten und währenddessen die Herzfrequenz laufend anzeigen. Entscheidend ist der Ablauf dahinter: Der Ring erkennt selbstständig Aktivitätsphasen, aber nicht deren Art. Nutzer müssen anschließend in der App aus 84 möglichen Sportarten auswählen, damit die Aktivität korrekt gespeichert wird. Danach liefert die App typischerweise Informationen zu Datum, Uhrzeit und Dauer und ergänzt Kennzahlen wie Kalorienverbrauch, durchschnittliche Herzfrequenz sowie Zeit in einzelnen Herzfrequenzzonen. Im normalen Tagesbetrieb erfasst der Ring durchgehend ebenfalls Schritte, eine vergleichbare Gehstrecke, Kalorien und Inaktivitätszeit – allerdings kommt Oura in diesem Testpunkt laut IMTEST nicht an die Datenfülle des Galaxy Ring von Samsung heran.
Die App selbst ist das Bindeglied zwischen Hardware und Nutzerentscheidung. Oura stellt Tagesform, Schlafwert, eine Aktivititätsbewertung und einen Stresswert bereit; im Bereich „Vitalwerte“ sind die Messgrößen anschaulich aufgelistet, und Nutzer können sich einzelne Werte gezielt erklären lassen, teils auch mit direkter Messanfrage zur Herzfrequenz. Daneben gibt es dynamische Elemente wie „Heute“, in dem zusätzliche Aktivitäten ergänzt werden können, und „Meine Gesundheit“ für langfristige Parameter wie Resilienz und Herzgesundheit. Praktisch sind zudem Einschlaf-Audios, Atemübungen, Meditations-Audios und Lernvideos zu Gesundheitsthemen; Workout-Videos fehlen allerdings. Zudem erzeugt die App Motivation über Push-Benachrichtigungen und erlaubt Vernetzung mit anderen Nutzern sowie das Setzen übergeordneter Ziele, etwa „Stress bewältigen“.
Beim Blick auf die Rahmenbedingungen wird die Kaufrechnung deutlich weniger „ring-only“. Während bei den anderen getesteten Smart Rings nach dem Kauf keine weiteren Kosten entstehen, bindet Oura den Zugriff auf alle Werte und Dateninterpretationen an ein Abo: Der erste Monat ist kostenlos, danach kostet die Mitgliedschaft 5,99 Euro im Monat oder 69,99 Euro im Jahr. Daraus ergibt sich im ersten Jahr eine effektive Einstiegshürde von mindestens 464,89 Euro statt 399 Euro für die günstigste Ring-4-Variante. Ergänzend dazu gibt es technische Einschränkungen, die gerade sicherheitsbewusste Käufer berücksichtigen dürften: Bei einem Sturz kann sich die App nicht mit der SOS-Funktion des Telefons verbinden, um automatisch einen Notruf abzusetzen. Auch Touch- oder Gestenfunktionen für Smartphone-Aktionen wie Fotografieren oder das Ausschalten eines Alarms fehlen.
Bei der Akkulaufzeit liefert Oura einen soliden Wert, aber keinen Klassenprimus. Im Test hält der Ring 4 laut IMTEST 6,75 Tage durch und erzielt damit eine gute Bewertung, während der RingConn Gen 2 mit bis zu elf Tagen deutlich länger auskommt. Ein Ladecase mit eigenem Akku wie bei RingConn Gen 2 und Samsung gibt es beim Ring 4 nicht, was im Alltag mehr Planung rund um Ladeterminen bedeutet. Insgesamt lautet das Testfazit: Der Ring 4 misst viele Gesundheitswerte, liefert eine sehr hohe Puls-Messgenauigkeit und erfasst recht viele Aktivitätsdaten. Er glänzt jedoch nicht in allen Punkten gleichzeitig, und genau das spiegelt auch die Einschätzung von Sandra Fischer von IMTEST: „Vom neuesten Modell des Marktf�hrers h�tte ich mehr erwartet. Der Oura Ring 4 schneidet in allen Testpunkten gut ab, jedoch ohne dabei zu gl�nzen. An die Modelle von RingConn und Samsung kommt er so nicht ran.“ Für Interessenten heißt das in der Praxis: Wer vor allem Vitalwerte und Schlaf-/Stressinterpretation sucht und mit einem Abo leben kann, bekommt einen hochwertig verarbeiteten Ring mit sinnvoller Größenlogik. Wer dagegen möglichst wenig Folgekosten und maximale „Aus-dem-Karton“-Autonomie priorisiert, dürfte bei RingConn oder Samsung eher fündig werden.
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