LOS ANGELES / LONDON (IT BOLTWISE) – Paramount Skydance sucht nach Büros in Nashville, während das Unternehmen gleichzeitig über einen teilweisen Abzug aus Los Angeles nachdenkt. Nach Angaben zweier Vertrauter beläuft sich der Bedarf auf rund 400.000 Quadratfuß und ein Umzug in zwei bis drei Jahren soll möglich sein. Parallel dreht sich alles um den laufenden Rechtsstreit im Zusammenhang mit dem Kauf von Warner Bros. Discovery. Für den Kartellprozess bedeutet ein möglicher Ortswechsel zusätzlichen Druck auf die Verhandlungen mit den Generalstaatsanwälten.

Paramount Skydance verlagert seinen Blick nach Nashville, und das ist mehr als ein Immobilien-Update: Die Suche nach Büroflächen im Großraum der Tennessee-Hauptstadt fällt in eine Phase, in der die Übernahme von Warner Bros. Discovery juristisch noch nicht durch ist. Laut übereinstimmenden Angaben zweier Personen, die über die laufenden Gespräche zur Anmietung bzw. zum potenziellen Neubau informiert waren, geht es um etwa 400.000 Quadratfuß, die das Studio innerhalb von zwei bis drei Jahren nach Los Angeles-Alternativen verlagern könnte. Gleichzeitig berichten die Personen, dass in Nashville derzeit kein Bestandsgebäude am Markt ist, das exakt zur gewünschten Größe und zum Zeitplan passt. Der Befund deutet darauf hin, dass Paramount entweder deutlich flexibler wird als bisher geplant oder aber stärker auf Eigennutzung bzw. einen Neubau setzt.
Der rechtliche Kontext macht den Schritt besonders sensibel. Paramount muss sich in einem Verfahren stellen, das von 12 Bundesstaaten getragen wird, darunter Kalifornien, und in dem das Thema Standort nicht nur als wirtschaftliche Entscheidung diskutiert wird, sondern offenbar auch als Verhandlungsmasse. Die möglichen Gründe reichen dabei vom unternehmensinternen Umbau bis hin zu der von Kritikern geäußerten Lesart, ein Umzug könne als Hebel in den Vergleichsgesprächen dienen. Genau diese Linie wird auch in den Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen und Aufsichtsseite sichtbar: Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta hat die Drohung mit einem Verlassen des Staates zuvor als eine Form von Druckmittel bezeichnet. Nach Angaben aus dem Umfeld des Verfahrens sind die Parteien zudem nächsten Monat in San Francisco zu zweitägigen, durch das Gericht angeordneten Vergleichsverhandlungen angesetzt; zuvor terminierte freiwillige Gespräche waren abgesagt worden.
Technisch betrachtet ist die Standortfrage für Media- und Streaming-Konglomerate vor allem eine Frage der Betriebsfähigkeit: Büros sind nicht nur „Adresse“, sondern Knotenpunkt für Projektsteuerung, Rechts- und Compliance-Prozesse, sowie für die Abstimmung zwischen Content-Production, Distributionssystemen und Produktteams. Paramount verfügt über ein Streaming-Angebot mit eigenem Namen und über CBS; beide Bestandteile hängen operativ an Workflows, die auch dann weiterlaufen müssen, wenn etwa Redaktions- und Produktionsplanung über mehrere Kalenderquartale synchronisiert wird. Dass das Unternehmen gleichzeitig über einen möglichen Neubau außerhalb der Innenstadt nachgedacht hat – inklusive der Präsentation eines mehr Hektar großen Grundstücks – passt zu diesem Bild: Wenn ein Standortwechsel erst ab einer gewissen Betriebsreife planbar ist, steigt der Druck, Kapazitäten nicht „von morgen“ auf „übermorgen“ zu ersetzen, sondern den Aufbau als mehrjährige Roadmap zu behandeln.
Juristisch ist der Zeitdruck bereits konkret: Das Verfahren zielt auf die Vollendung eines 111-Milliarden-US-Dollar-Deals, der zwar von Regulierungsbehörden in über 60 Ländern und Jurisdiktionen freigegeben wurde, den US-Justizministeriums-Zustimmungsprozess aber erst im Juni erhielt. Dennoch bleibt die zentrale Hürde nach wie vor offen. Laut Berichten muss Paramount ab Oktober für jeden Tag, an dem der Deal noch nicht abgeschlossen ist, ungefähr 7 Millionen US-Dollar zahlen. Diese Art der Verzögerungsfolgen verstärkt den Anreiz, Verhandlungen schnell zu stabilisieren, weil die Kosten bei Stillstand exponentiell in die Laufzeit hinein wachsen. Gleichzeitig bleibt absehbar, dass ein möglicher Umzugsplan den Konflikt nicht beendet, sondern die Argumentationslinie in den Vergleichsgesprächen verschieben kann: Das Unternehmen betont seine Bindungen an Kalifornien und Hollywood, während die Gegenseite die Standortdrohung als strategisches Mittel interpretiert.
Als Reaktion auf die Kritik hat Paramount Chief Legal Officer Makan Delrahim im August in Bezug auf CEO David Ellison sinngemäß erklärt, die Absicht sei „in Kalifornien verwurzelt zu bleiben“. Zugleich setzte er eine klare wirtschaftliche Leitplanke: „There is a point at which you have a fiduciary duty to shareholders.“ („Es gibt einen Punkt, an dem Sie eine Treuepflicht gegenüber den Anteilseignern haben.“) Für die öffentliche Wahrnehmung wirkt das wie ein Versuch, zwei Realitäten gleichzeitig zu adressieren: den politischen Anspruch auf Beständigkeit und die kaufmännische Pflicht, Handlungsspielräume zu sichern, falls die juristische Dauer unüberschaubar wird. Auch Delrahims weitere Aussage aus demselben Kontext („You have to take a look at the business environment…“ und „go to the place where you’re wanted“) unterstreicht, dass das Unternehmen Standortentscheidungen offenbar als Teil einer Gesamtstrategie rahmt – nicht als bloßes Druckinstrument.
Für den Markt ist die Medienbranche ohnehin im Umbruch, und Standortentscheidungen treffen dabei auf eine strukturelle Herausforderung: Der Quasi-„Ökosystem“-Effekt von Film- und TV-Produktion wird in Los Angeles besonders deutlich. Laut dem Bericht gingen in Los Angeles County zwischen 2022 und 2024 mehr als 42.000 Film- und Fernsehjobs verloren. Vor diesem Hintergrund würde ein Weggang des Studios von seinem historischen Hollywood-Standort an der Melrose Avenue nicht nur lokale Wirtschaftszahlen bewegen, sondern auch die Verfügbarkeit von Talenten, Studios und Dienstleistern beeinflussen. Paramounts Grundstück in Hollywood ist dabei nicht irgendein Areal, sondern umfasst nach Angaben eines Masterplans aus dem Jahr 2015 etwa 546.000 Quadratfuß Büroflächen, mehrere Nebenslots sowie 29 Soundstages über mehr als 60 Acres. Allein diese Größenordnung zeigt, warum es für Paramount nicht trivial wäre, nur „ein Büro“ zu verlegen; eher geht es um Schwerpunktsetzung bei Verwaltung und Steuerung, während Produktionskapazitäten an Ort und Stelle bleiben können.
Auch außerhalb der USA beobachten viele Entscheider den Wettbewerb um Standorte. Tennessee habe Paramount aktiv umworben; daneben wird auch Georgia als mögliche Zielregion genannt. Als Vergleichspunkt wird Oracle herangezogen, dessen Gründer Larry Ellison mit dem Finanzierungshintergrund der Warner-Bros.-Akquisition verknüpft ist: Oracle kündigte 2024 den Umzug nach Nashville an, eröffnete aber noch kein neues Hauptquartier. Das ist aufschlussreich, weil es zeigt, dass selbst bei großen Technologieplayern der Aufbau neuer Standorte Zeit braucht. In der Praxis bedeutet das: Wenn Paramount in zwei bis drei Jahren in Nashville operativ anschließen will, muss das Unternehmen neben Miet- oder Bauverträgen auch technische Umstellungen planen – etwa für IT-Setups, Daten- und Projektzugriffe, sowie für die Integration mit Produktions- und Distributions-Teams. Vor allem Künstliche Intelligenz spielt in solchen Umfeldern zunehmend eine Rolle, etwa bei Workflows zur Produktionsplanung, bei Empfehlungssystemen oder Qualitätsauswertung in der Mediathek; der Kern bleibt jedoch derselbe: Ohne stabile Prozesse und Netzwerkinfrastruktur wird kein KI-Projekt im Tagesgeschäft sauber skaliert.
Unabhängig davon, ob Paramount tatsächlich Teile der Organisation verlagert, steht im nächsten Schritt vor allem die gerichtliche Dynamik im Vordergrund. Die Vergleichstermine in San Francisco, die abgesagten freiwilligen Gespräche und der Hinweis auf ein anstehendes Verfahren bis hin zum Prozessstart im März zeigen, dass sich das juristische Tempo nicht an einer Neubewertung von Office-Standorten ausrichtet. Dennoch kann die Immobilienstrategie die Verhandlungsrealität beeinflussen: Wenn eine Alternative in Nashville glaubhaft „in der Pipeline“ ist, verändert das die Wahrnehmung von Optionen. In den kommenden Wochen dürfte daher weniger die Frage zählen, ob ein neues Gebäude morgen existiert, sondern ob Paramount seine Planungen so konkretisieren kann, dass sie in den Verhandlungen als belastbare Handlungsfähigkeit erkennbar werden.
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