LONDON (IT BOLTWISE) – Web.de und GMX führen ab dem 23. Juli 2026 einen passwortlosen Login per Passkey ein. Der Rollout lief bis zum 24. Juli und betrifft rund 38 Millionen Konten in Deutschland. Nutzer authentifizieren sich künftig über Gerätefreigaben, etwa per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder Geräte-PIN. Damit soll Phishing durch abgefangene Passwörter weitgehend wirkungslos werden.

Web.de und GMX setzen im deutschen E-Mail-Markt auf den nächsten Schritt zur Passwortlosigkeit: Passkeys werden ab dem 23. Juli 2026 eingeführt und der Rollout ist bis zum 24. Juli für alle Nutzer abgeschlossen. Betroffen sind rund 38 Millionen Konten bei den beiden United-Internet-Tochtern. Für Anwender ändert sich dabei weniger die Oberfläche als der Kern der Authentifizierung: Statt eines Kennworts wird ein kryptografisch gebundener Schlüssel verwendet, der den Zugang an die konkrete Ziel-Webseite koppelt.
Technisch betrachtet basiert das neue Login-Verfahren auf den Standards FIDO und WebAuthn. Das ist entscheidend, weil Passkeys nicht wie klassische Passwörter nur als Zeichenfolge vorliegen, die gestohlen oder erraten werden kann. Beim Passkey-Prozess existiert stattdessen ein Schlüsselpaar: Der öffentliche Schlüssel liegt beim Dienstanbieter, während der private Schlüssel auf dem Gerät des Nutzers verbleibt. Diese Trennung reduziert die Angriffsfläche massiv, weil ein Angreifer nicht einfach „das Passwort“ ausnutzen kann, wenn er es einmal abgefangen hat.
Der Sicherheitsgewinn lässt sich konkret am Phishing-Risiko festmachen. In typischen Phishing-Szenarien versuchen betrügerische Seiten, Nutzer zur Eingabe von Zugangsdaten auf eine gefälschte Oberfläche zu bringen. Bei der Passkey-Variante gibt es jedoch keinen verwendbaren Passwortwert, der beim Auslesen der Tastatureingaben weitergereicht werden könnte. Zusätzlich sorgt die kryptografische Bindung dafür, dass ein Passkey nur für die legitime Webseite funktioniert, für die er erstellt wurde. Auf einer gefälschten Login-Seite lässt er sich daher praktisch nicht einsetzen.
Für die Praxis bedeutet das: Die Authentifizierung erfolgt über biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung oder alternativ über eine Geräte-PIN. Der Setup-Prozess wird in den Kontoeinstellungen unter „Login & Sicherheit“ sichtbar; die Aktivierung erfolgt entweder per QR-Code-Scan oder über eine direkte App-Integration. Dass „herkömmliche Passwörter“ zunächst als Backup erhalten bleiben, ist dabei aus Betriebs- und Support-Sicht plausibel: Nicht jedes Gerät ist gleich ausgestattet, und auch bei Nutzerwechseln oder Geräteverlusten braucht es Übergänge, bis der Passkey-Status überall zuverlässig nutzbar ist.
Auch für die Frage, wo Passkeys gespeichert werden, bleibt die Entscheidung nicht bei einem einzigen Ökosystem. Laut Ankündigung lassen sich Passkeys auf verschiedenen Plattformen ablegen, etwa in Mobile- und Desktop-Betriebssystemen wie Android, iOS und Windows. Daneben können sie in Drittanbieter-Passwortmanagern verwaltet werden, im Text werden dafür Bitwarden und KeePassXC genannt. Gleichzeitig betonen solche Setups eine alte Regel in neuem Gewand: Selbst wenn das Login-Verfahren passwortlos ist, bleibt das Smartphone bzw. das genutzte Endgerät die „Wahrheit“ für die Authentifizierung – deshalb ist ein konsequenter Schutz des Mobilgeräts weiterhin ein Sicherheitshebel.
Der Schritt bei Web.de und GMX ordnet sich außerdem in einen breiteren internationalen Trend ein. In den genannten Branchendaten wird die Zahl aktiver Passkeys weltweit im Mai 2026 auf rund fünf Milliarden beziffert. Das signalisiert nicht nur steigende Nutzerakzeptanz, sondern auch eine wachsende Verbreitung von Passkey-fähigen Clients und Browsern, sodass der Wechsel für große Anbieter operativ machbar wird. Für Unternehmen heißt das: Passwortlosigkeit ist inzwischen weniger ein Pilotprojekt, sondern wird zunehmend zu einem Standard-Baustein, der die Nutzerführung vereinfacht und gleichzeitig typische Credential-Angriffe abschwächt.
Was Anwender kurzfristig beachten sollten, ist weniger „neue Bedienung“, sondern die Absicherung der Schlüsselprozesse. Wer Passkeys einrichtet, sollte sicherstellen, dass die Geräte-Freigabe auch bei wechselnden Sperr- und Sicherheitszuständen verlässlich funktioniert, und dass der Backup-Plan im Ernstfall nicht zu einem späteren Zeitpunkt fehlt. Genau an dieser Stelle zeigt sich der Kernnutzen: Der Login wird schneller und weniger fehleranfällig, weil komplexe Passwortkombinationen entfallen, während der Schutz gegen Phishing durch die kryptografische Auslegung der FIDO/WebAuthn-Logik strukturell verbessert wird. Für IT-Organisationen in Unternehmen mit vergleichbaren Nutzer- und Kontosystemen ist die Meldung damit auch ein Orientierungspunkt: Passkeys reduzieren die Abhängigkeit von zentralen Passwortdatenbanken und verlagern Sicherheit näher an Endgeräte und verifizierbare Authentifizierungskanäle.
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