SAVANNAH, GEORGIA / LONDON (IT BOLTWISE) – OpenAI erhöht seine Infrastruktur-Ausgaben für KI massiv: Bis 2030 sollen es 750 Milliarden US-Dollar werden. Den Startpunkt bildet ein erstes Rechenzentrums-Campusprojekt in Georgia mit dem Namen Project Camellia. Dafür sind mindestens 3,2 Gigawatt Stromleistung vorgesehen, die Georgia Power überträgt. Wie genau die erste GPU-Zündung zeitlich ablaufen soll, bleibt offen – gleichzeitig deutet der Plan auf eine sehr frühe Skalierung hin.

OpenAI plant 750 Milliarden US-Dollar Infrastruktur für KI bis 2030 – Georgia-Fokus
OpenAI plant 750 Milliarden US-Dollar Infrastruktur für KI bis 2030 – Georgia-Fokus (Foto: IT BOLTWISE)
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OpenAI treibt seine KI-Infrastruktur in den Bereich von Billionen-Vorhaben: Das Unternehmen will bis 2030 insgesamt 750 Milliarden US-Dollar in Infrastruktur ausgeben. Das ist laut der aktuellen Ankündigung etwa 25 % mehr als die bereits zuvor genannte Schätzung in diesem Jahr. Der Schritt kommt in einer Phase, in der das größere Rechenzentrumsprogramm unter dem Stichwort Stargate öffentlich bereits als „ins Stocken geraten“ beschrieben wurde. Für Betreiber und Zulieferer bedeutet das vor allem eines: Nicht nur Modelle, sondern Stromnetze, Baukapazitäten und Standorte werden zur strategischen Engstelle.

Der erste konkrete Startpunkt heißt Project Camellia: OpenAI plant dafür ein Datenzentrum-Campusprojekt in Georgia mit einem Volumen von 20 Milliarden US-Dollar. Der Standort liegt auf 1.400 Acres etwa nordwestlich von Savannah. Die Planungsgröße ist dabei nicht vage, sondern klar stromgetrieben: Es sollen mindestens 3,2 Gigawatt aus dem Netz von Georgia Power bereitgestellt werden, also in der Größenordnung eines mittleren bis großen Kraftwerksparks. Die erwartbare Verfügbarkeit der notwendigen Erzeugungsleistung ist auf einen Zeitraum zwischen 2028 und 2032 datiert. Außerdem signalisiert OpenAI eine strikte Kostenübernahme, indem das Unternehmen die vollen Kosten sowohl für die Infrastruktur als auch für die elektrischen Serviceleistungen für das neue Rechenzentrum tragen will.

Für die Netzseite ist der regulatorische Rahmen entscheidend. In Georgia sieht eine Regel vor, dass Versorger Kosten, die aus dem Mehrverbrauch neuer Nutzer resultieren, nicht einfach an die Allgemeinheit weiterreichen können, wenn es um Lastspitzen über 100 Megawatt geht. OpenAI adressiert das gleich auf mehreren Ebenen: Georgia Power hat außerdem angekündigt, dass das Unternehmen seine Stromaufnahme in Hochlastphasen des Netzes um bis zu 1 Gigawatt reduzieren soll. So entsteht eine Art Betriebsvertrag-Logik rund um Resilienz und Lastmanagement, die in KI-Setups mit hohen, konstanten Leistungsbedarfen immer wichtiger wird. Zusätzlich ist in Effingham County eine 50%ige Befreiung bei der Grundsteuer für 15 Jahre vorgesehen – ein Faktor, der die lokalen Betriebskosten und damit die Wirtschaftlichkeit langfristiger Rechenzentrumsinvestitionen beeinflusst.

Wie der Strom letztlich erzeugt wird, ist in den vorliegenden Unterlagen zum Energieausbau ein klarer Hinweis auf die technische Umsetzung. Georgia Power will einen großen Teil der zusätzlichen Kapazität über Gas abdecken: Geplant oder beschafft werden sollen rund 5,8 Gigawatt Erzeugungsleistung aus Erdgas. Davon entfällt etwa ein Viertel auf weniger effiziente, stärker emittierende Simple-Cycle-Turbinen. Zusammengenommen würde dieses zusätzliche Fossil-Kapazitätsvolumen die bestehende Erdgaspalette von Georgia Power mehr als verdoppeln. Den verbleibenden Anteil sollen gridskalige Batteriesysteme und Solarenergie liefern – damit rückt nicht nur die reine Erzeugung, sondern auch die Glättung von Lastkurven und die Bereitstellung von Leistungsspitzen in den Mittelpunkt.

Auf der Implementierungsseite bleibt ein wichtiger Punkt offen: OpenAI nennt keinen Zeitplan, wann die erste GPU im Project-Camellia-Setup tatsächlich in Betrieb geht. Da die Stromlieferung von Georgia Power für 2028 erwartet wird, könnte die Hardwareaktivierung allerdings früher erfolgen, falls Bau- und Inbetriebnahmephasen schneller durchlaufen als in den Baseline-Timelines. Genau hier setzt auch die Personalie an: OpenAI hat Brett Mayo mit der Leitung des Rechenzentrumsbaus betraut. Mayo war zuvor bei xAI tätig und koordinierte dort den Bau des Rechenzentrums Colossus in Memphis, der in der kurzen Bauzeit als bemerkenswert beschrieben wurde. Allerdings sind zu solchen „Tempo-Projekten“ auch Gegenstimmen dokumentiert: In einem Rechtsstreit wurde dem Umfeld vorgeworfen, dass der Betrieb nicht genehmigte Erdgas-Turbinen umfassen könne und dadurch Luftqualitätsbelastungen entstehen.

Aus Sicht von Unternehmen, die KI-Produktion betreiben oder betreiben wollen, ist diese Konstellation mehr als eine Standortmeldung. Sie zeigt, wie stark sich KI-Teams inzwischen auf die klassische Infrastrukturwelt ausrichten müssen: Power-Procurement, Netzstabilität, Reservekapazitäten, Bau- und Lieferketten für Switchgear, Transformatoren sowie die Integration in Energiemanagementsysteme werden zu Kernkompetenzen. Gerade in großen Deployments ist die Frage nicht nur „Welche GPU-Generation“, sondern „Welche Leistung kommt wann“, „wie werden Lastspitzen abgefangen“ und „wie werden regulatorische Lastverschiebungen verhandelt“. Wenn ein Projekt wie Camellia mindestens 3,2 Gigawatt zieht, reicht eine rein IT-nahe Betrachtung nicht mehr aus.

Für den Markt dürfte der Investitionsschub zudem Signalwirkung für die gesamte Lieferkette entfalten. Große, stromhungrige Rechenzentren ziehen Energieerzeuger, Netzbetreiber, Speicheranbieter und Baupartner an, und sie erhöhen den Druck auf regionale Kapazitäten – von der Genehmigungslogik bis zur Verfügbarkeit von Baukränen und Fachkräften. Gleichzeitig verschiebt sich der Wettbewerb in Richtung „Time-to-Power“: Wer seine Netzanschlüsse und Erzeugungsoptionen frühzeitig absichert, kann Inbetriebnahmen eher planen. Ob OpenAI das angestrebte Tempo auch bei der KI-Produktionsskalierung trifft, wird sich daran messen lassen, wann erstmals GPU-Workloads am Standort starten – und wie sich dabei die angekündigten Lastreduktionen in realen Netzspitzen bewähren.


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