AVONDALE / LONDON (IT BOLTWISE) – Phase Three Brewing eröffnet später in diesem Jahr sein erstes Taproom in Chicago. Der Standort übernimmt das ehemalige Metropolitan Brewing an der 3057 N. Rockwell Ave. im Stadtteil Avondale. Das Team kündigt ein weitgehend unverändertes Ladenlokal an und startet mit Bieren sowie Hard Seltzern, während eine Küche erst nachgelagert aufgebaut wird.

Avondale bekommt ein neues Ziel für Craft-Beer-Fans: Phase Three Brewing verlegt mit seinem dritten Taproom die Marke aus den Vororten erstmals direkt an die Chicago River-Umgebung. Ausschlaggebend ist dabei nicht nur der Platz im Quartier, sondern auch die Wahl der Infrastruktur, denn der neue Ausschank entsteht im ehemaligen Metropolitan Brewing Space. Laut den Angaben der Betreiber übernimmt Phase Three die Fläche in der 3057 N. Rockwell Ave. im Stadtteil Avondale, nachdem Metropolitan den Standort bereits 2023 verlassen hatte.
Für die Unternehmensstrategie ist das ein sichtbarer Schritt, denn Phase Three existiert seit 2019 und betreibt bereits Taprooms in Lake Zurich und Elmhurst. In Chicago erweitert das Unternehmen damit seine Reichweite entlang der Nord- und Nordwestseite, ohne die Produktidentität zu verwässern. Technisch betrachtet geht es im Kern um die Umstellung eines Standorts von der vorherigen Brau- und Ausschanklogik auf eine neue Prozesskette: Lagerung, Zapfanlagen, Leitungsführung, Temperaturzonen und die zeitliche Abstimmung der Zapfplanung. Da der Raum nach dem Auszug von Metropolitan weitgehend unberührt blieb, setzt Phase Three auf eine pragmatische Markteinführung und beschreibt nur kosmetische Anpassungen als Anfang.
Der Produktmix soll dabei der bisherigen Handschrift entsprechen: Phase Three steht für ein breites Spektrum von IPAs über barrel-aged Ales bis hin zu stärker fruchtbetonten Bieren. Dass das Unternehmen zugleich klassische Bierstile wie Blonde Ales, Porter und Pale Ales über die Jahre ergänzt hat, signalisiert einen Ansatz, der nicht nur Trends „nachfährt“, sondern ein mehrdimensionales Portfolio pflegt. Auch bei den Hard Seltzern will Phase Three starten und nennt smoothieartige Varianten sowie cocktail-inspirierte Ausprägungen. Für das Kundenerlebnis bedeutet das: Der Taproom wird nicht als reine IPA-Kultstätte positioniert, sondern als Mischung aus typischen Craft-Zielgruppen und solchen Gästen, die eher leichtere oder „ready-to-drink“-nahe Optionen suchen.
Besonders prägend für die Marke ist die Fassreifung, und hier liefern die Betreiber konkrete Ankerpunkte. In Lake Zurich sollen laut Aussagen über 300 Bourbon-Barrels reifen, die jeweils über zwei Jahre stehen und dabei „oak“ sowie „bourbon“-Noten und weitere Nuancen aufnehmen. Das ist mehr als ein Marketingversprechen: Barrel Aging ist in der Praxis eine Kapazitäts- und Prozessfrage, bei der Reifegrad, Temperatur, Hygienestandards und die Dokumentation jeder Chargenfamilie zusammenkommen. Wenn ein Taproom zudem langfristig im Rhythmus saisonaler Fässer kuratiert werden soll, braucht es eine saubere Abstimmung zwischen Produktionstempo, Reifeplanung und dem späteren Ausschank-„Rollout“ im Laden. Phase Three kündigt für Avondale zunächst den Start mit bestehenden Getränken an und plant parallel den Aufbau einer Küche, um später auch Speisen anbieten zu können.
Die Einbindung in die lokale Szene spielt gleichzeitig eine operative Rolle. Avondale wird als Stadtteil mit eigener Identität beschrieben, nicht als austauschbare Ansammlung neuer Wohnblocks. Die Betreiber betonen, dass die Biere bereits zuvor in lokalen Bars präsent waren, darunter unter anderem Map Room, Beer Temple, Avondale Bowl und Sleeping Village. Damit wirkt die Standortwahl wie ein planvoller Vorgriff: Wer über Jahre Beziehungen zu Barbetreibern aufbaut, senkt das Risiko, dass ein neuer Taproom ohne „Testpublikum“ startet. In der Erzählung taucht außerdem das Gebiet der sogenannten „Beer Triangle“ auf der Northwest Side als Kulisse für den Aufbau von Kontakten auf, während Phase Three sich zugleich zu Kooperationen mit Nachbarorganisationen und Events bekennt.
Marktseitig ordnet sich der Schritt in eine Phase ein, in der das Chicagoer Brau-Ökosystem gerade neu sortiert wird. Nach der Schließung bzw. dem Umbau einzelner Standorte wird immer deutlicher, dass Craft-Unternehmen entweder in Kapazität, Markenportfolio oder in Standortstrategie investieren müssen, um dauerhaft wirtschaftlich zu bleiben. In der Vergangenheit hatten Ravinia, Revolution, Maplewood und Half Acre in den letzten Jahren teils Neuausrichtungen angekündigt bzw. Strukturen verändert, wobei zumindest ein Teil davon auf die Dynamik der Branche reagiert. Vor diesem Hintergrund versteht sich Phase Three in Avondale als Zusatzpunkt in einem Umfeld, das bereits mehrere Schließungen hinter sich hat, und will zugleich mit einem klaren Angebot (Bier plus Hard Seltzer) in der Startphase nicht zu viel auf einmal leisten.
Interessant ist dabei auch, wie stark die „Story“ um die Firmennamen und Phasen in die Positionierung hineinspielt. Der Name „Phase Three“ wird als dritte Etappe der drei beteiligten Gründer beschrieben: zuerst Erfahrungen im Brau- und Managementumfeld, dann ein zweiter Abschnitt ohne vollständige Eigentümerschaft und schließlich die eigene Firmenphase. Diese Kontinuität hilft in einem lokalen Markt, in dem viele Kunden Marken über Personen und Erlebnisse kennen. Während Shaun Berns den Braubereich verantwortet, wird die Fassreifung mit konkreten Produktbeispielen hervorgehoben, etwa barleywines und imperial stouts mit Akzenten wie Vanillebohne und Kokos. So entsteht im Taproom eine Konsistenz zwischen dem, was in der Produktion passiert, und dem, was später im Glas landet.
Für die Umsetzung bedeutet das: Sobald die Eröffnung in „später in diesem Jahr“ fällt, entscheidet weniger die Theorie als der operative Feinschliff. Dazu gehört, wie Phase Three den Übergang von einem im Wesentlichen bestehenden Raum zu einem markentypischen Treffpunkt gestaltet, ohne die Anlaufphase mit zu umfangreichen Umbauten zu verlängern. Gleichzeitig könnte die Kombination aus Hard Seltzern, dem perspektivischen Küchenausbau und geplanten Partnerschaften der entscheidende Hebel sein, um aus einem reinen Ausschank-Standort eine wiederkehrende Community-Anlaufstelle zu machen. Offen bleibt zwar der genaue Eröffnungstermin, doch die Richtung ist klar: Phase Three nutzt Avondale als dritten Kapitelpunkt und will dabei sowohl die Produkttradition als auch die lokale Einbettung zusammenführen.
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