KARLSRUHE – Die PISA-Studie 2025 zeigt im OECD-Raum einen Rückgang der Mathematikleistung um 22 Punkte von 2015 bis 2025. Parallel sinken auch die Werte im Lesen um 28 Punkte. Der Druck auf Schulen und Hochschulen steigt damit, mathematische Inhalte stärker handlungsorientiert, spielerisch und mit neuer Fehlerkultur zu vermitteln. Besonders Kleingruppen-Formate und digitale Missionen sollen frühe Hürden gezielt abbauen.

PISA 2025: Mathematikleistung sinkt deutlich – neue Förderansätze im Fokus
PISA 2025: Mathematikleistung sinkt deutlich – neue Förderansätze im Fokus (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Meldung wirkt auf den ersten Blick wie eine reine Bildungsstatistik, hat aber eine unmittelbare Konsequenz für den Technik- und Bildungsbereich: Wenn PISA 2025 im Mathematikbereich im OECD-Raum über einen längeren Zeitraum um 22 Punkte nachgibt, dann betrifft das nicht nur Unterrichtsinhalte, sondern auch die Art, wie Lernprozesse modelliert, diagnostiziert und in konkrete Lernangebote übersetzt werden. Die Studie, deren Ergebnisse laut Angaben am 8. September 2026 veröffentlicht wurden, verortet diese Entwicklung ausdrücklich in einem Zeitraum von 2015 bis 2025 und ergänzt sie mit dem Hinweis, dass der Wandel pädagogischer Anforderungen die Debatte längst über klassische Ranglisten hinaus verschoben hat. In der Praxis landet man dann bei Fragen wie: Wie reduziert man Schwellenängste? Welche Lernmechanik sorgt dafür, dass aus „Ich kann das nicht“ ein „Ich probiere es“ wird?

Für die Einordnung lohnt sich ein Blick auf die Methodik im Hintergrund der Zahlen. Insgesamt wurden 760.000 Schülerinnen und Schüler aus 91 Ländern getestet, was die Aussagekraft im Vergleich zu einzelnen nationalen Erhebungen erhöht. Auffällig ist zudem der Anteil leistungsschwacher Jugendlicher, der auf 20 Prozent steigt – gegenüber 16 Prozent im Jahr 2022. Das ist weniger eine Randnotiz als ein Signal, dass die Abwärtstendenz breiter streut und nicht nur eine kleine Gruppe betrifft. Auch Deutschland ist dabei sichtbar: 6.700 Schülerinnen und Schüler nahmen aus 245 Schulen teil. Damit verschiebt sich die Debatte von „Welche Länder sind vorne?“ hin zu „Welche Rahmenbedingungen senken die Einstiegshürden?“

Statt reiner Ergebnisvergleiche rückt die Diskussion in Richtung sozialer Ungleichheiten und früher Förderung. Katja Scharenberg, Professorin an der LMU, wird in diesem Zusammenhang mit der Position zitiert, Ranglistenvergleiche seien kritisch zu sehen; der Fokus müsse stärker auf Ungleichheiten und der Bedeutung früher Förderung liegen. Für den Unterricht bedeutet das: Aufgaben müssen nicht nur lösbar sein, sondern auch so gestaltet werden, dass Lernende ihre Denkwege überhaupt artikulieren können. Genau hier setzen mehrere der beschriebenen Praxisansätze an. Am Hannah-Arendt-Gymnasium in Lengerich konstruierte Marit Prigge im Rahmen der Schülerakademie Mathematik Münster (SAMMS) platonische Körper und eine Sierpinski-Pyramide aus insgesamt 4.500 Zahnstochern. Das ist mehr als Basteln: Es zwingt zu räumlichem Vorstellungsvermögen und macht Eigenschaften geometrischer Strukturen haptisch überprüfbar.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dialogorientierten Formaten und einer bewussten Fehlerkultur. Professor Sebastian Wartha von der PH Karlsruhe begleitet laut Bericht den Karlsruher Mathesommer mit einem Ansatz in Kleingruppen von maximal sechs Kindern, wobei insbesondere der Zahlenraum bis 10 thematisiert wird. Entscheidend ist dabei, dass Fehler nicht als Störung der Leistungskurve behandelt werden, sondern als Lerngelegenheit: Die Kinder werden explizit angeregt, über ihre mathematischen Gedankengänge zu sprechen. Solche Mechaniken lassen sich technisch gut denken, auch wenn die Umsetzung im Klassenzimmer stattfindet: Wer Denkwege verbalisiert, liefert strukturierte Hinweise für gezielte Rückfragen und für das Wiederholen auf der richtigen Schwierigkeitsebene. Das senkt nicht nur individuelle Hürden, sondern verbessert auch die Passung zwischen Aufgabe und Vorerfahrung.

Parallel gewinnen spielerische und digitale Vermittlungsformen an Bedeutung. Die Lehrerin Nicky Secchi bietet mit der „MathMagicSchool-Suite“ eine kostenlose Software für Grundschulen an, die mathematische Fähigkeiten über narrative Missionen vermitteln will. An solchen Konzepten erkennt man eine Tendenz, die in vielen Bereichen der Bildungstechnologie relevant ist: Statt isolierter Übungen steht ein durchgehendes Aufgaben-Narrativ im Mittelpunkt, das Motivation und Wiederholung stabilisieren soll. Ergänzend werden bewegungsorientierte Methoden diskutiert. Ein Online-Workshop Anfang September 2026 thematisierte etwa Jonglieren als Mittel zur Förderung von Lernprozessen. Und auch auf kommunaler Ebene wird gespielt: Die Stadt Lünnen stellt Schulen das Brettspiel „Schwamm drunter!“ zur Verfügung, das mathematisches Verständnis mit Themen der Klimaanpassung verknüpfen soll. Gerade diese Kombination aus Spielmechanik und alltagsnaher Kontextualisierung wirkt wie eine Brücke zwischen abstrakter Mathematik und persönlicher Erfahrbarkeit.

Damit die Praxis nicht nur punktuell bleibt, greifen auch politische und institutionelle Anpassungen. Auf Bundesebene verabschiedete das Bundeskabinett am 2. September 2026 das „Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz“. Vorgesehen ist ab 2027 die Einführung verpflichtender Sprach- und Entwicklungstests für alle Vierjährigen. Der Bund stellt dafür im Zeitraum 2027 bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro bereit, ergänzt durch ein Investitionsprogramm über 4 Milliarden Euro für die Jahre 2026 bis 2029. Solche Summen sind in der Bildungslandschaft ein harter Hebel, weil sie Kapazitäten für Personal, Materialien und Evaluation schaffen. Wichtig ist aber auch die regionale Übersetzung in Lehrpläne: In Sachsen-Anhalt befindet sich seit August 2026 ein neuer Grundschul-Lehrplan in der Erprobung, der neben der schriftlichen Division das halbschriftliche Rechnen und das Problemlösen betont.

In Niedersachsen läuft zudem ein von der EU finanziertes Rahmenmodell von UNICEF, das in 13 Kindertagesstätten die sprachlichen und mathematischen Kompetenzen stärken soll. Dazu passen wissenschaftliche Fachbegegnungen wie die DMV-Jahrestagung an der Universität Konstanz vom 7. bis 10. September 2026, bei der es neben der Cantor-Medaille an Gerhard Huisken mit einem speziellen „Teachers Day“ explizit um die Schnittstelle zwischen Forschung und Schulpraxis geht. Für Entscheiderinnen und Entscheider ist das relevant, weil sich hier ein Muster zeigt: Frühe Tests und gezielte Förderung werden nur dann Wirkung entfalten, wenn Lehrkräfte konkrete, alltagstaugliche Konzepte erhalten, die Diagnostik und Unterrichtsentwicklung zusammenbringen. Der technische Teil der Debatte besteht dabei vor allem in der Übersetzung von Erkenntnissen in Materialien, digitale Lernpfade und wiederholbare Trainingsformate – also in dem, was am Ende im Klassenzimmer ankommt.


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