ITHACA / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Planungsausschuss von Ithaca hat die vorläufige Zustimmung für das Projekt „Water’s Edge“ zunächst verzögert. Ausschlaggebend waren wiederkehrende Bedenken, dass das Vorhaben zu viel Parkraum vorsieht und die Wegeführung für Fußgänger zu wenig betont. Parallel gab es auch Kritik an der Größe und Tragfähigkeit der geplanten Ladenflächen direkt am Waterfront-Trail. Für ein anderes Wohnbauprojekt („SouthWorks Gateway“) stimmte das Gremium dagegen vorläufig einstimmig, während bei einer Bank-Parkplatzmaßnahme ein erneuter Konflikt zwischen Nachbarschaft und Betriebskosten aufflackerte.

Für den City of Ithaca Planning & Development Board stand am 22. September nicht das Entwurfspostkartenmotiv im Vordergrund, sondern das ganz praktische Thema Parken. In der Sitzung verzögerte das Gremium die vorläufige Genehmigung der Standortplanung für „Water’s Edge“, obwohl der Projektträger mit einer aktualisierten Präsentation erneut vorstellig wurde. Der Grund war weniger eine einzelne Detailfrage als ein durchgängiger Kritikpunkt: Die Planung für ein Areal mit rund acht Hektar Fläche, auf dem bislang drei Gebäude des New York State Department of Transportation stehen, sieht nach Ansicht mehrerer Mitglieder zu viele Stellplätze vor und räumt dem Fußgängerverkehr am Cayuga Waterfront Trail nicht ausreichend Priorität ein. Besonders deutlich wurde diese Haltung im Kontext der Ladenflächen: Wo der Entwurf Retail in erster Linie als Teil eines gemischt genutzten Quartiers denkt, bezweifelte der Ausschuss die wirtschaftliche Nachhaltigkeit, weil die Frequenz in dieser Lage saisonal stark schwankt.
Technisch und städtebaulich betrachtet umfasste der erneut vorgestellte Entwurf zwei fünfgeschossige Gebäude. Geplant sind insgesamt 200 Wohneinheiten sowie etwa 4.000 Quadratfuß Einzelhandelsfläche, verteilt auf die zwei Gebäudevolumina. Im westlichen Baukörper sollen 160 marktübliche Wohnungen entstehen, während der kleinere östliche Baukörper 40 Apartments aufnehmen soll. Die Stellplatzbilanz liegt bei insgesamt etwa 219 Parkplätzen, darunter 53 überdachte Plätze sowie weitere 166 Stellplätze entlang von Straßenkanten oder in Off-Street-Lots. Ergänzend nennt der Entwurf Terrassen- und Rampenanlagen entlang des Waterfront-Trails, Außen-Sitzbereiche, Landschaftsgestaltung, Beleuchtung sowie einen gestuften Übergang zum öffentlichen Weg. Auch organisatorisch hatte sich die Projektlogik angepasst: Nach dem Rückzug der Vecino Group aus dem zuvor problematischen Asteri Ithaca-Ansatz blieb nur ein Zwei-Baukörper-Konzept übrig, weil eine einheitliche 200-Einheiten-Lösung zwar diskutiert worden war, Arnot Realty jedoch die gestaffelte Größenstruktur für stimmiger hielt.
Statt einer pauschalen Ablehnung blieb der Planungsausschuss bei einer klaren Struktur: Die Mitglieder billigten zwar die Gebäudeausbildung im Entwurfsstadium, wollten die Standortplanung jedoch nicht vorläufig durchwinken, solange die zentralen Bedenken bestehen. Board Chair Max Pfeffer formulierte dabei vor allem eine Risikoanalyse zur Einzelhandelsnutzung: Die Ladenflächen seien aus seiner Sicht zu wenig in die tägliche Passantenströme-Logik eingebunden, weil der Waterfront-Trail zwar wertvoll ist, die Mehrheit der Laufkundschaft jedoch nicht dauerhaft „am Gebäude vorbeigeht“. Mitch Glass und Emily Petrina verbanden diese Einschätzung mit der Frage, ob der Entwurf den öffentlichen Raum zu sehr „parkt“ und damit die Qualität der Fußgängerführung im Quartier unterbelichtet. Für die Projektseite war zudem wichtig, dass manche Annehmlichkeiten ursprünglich für ein größeres Volumen von 400 Wohneinheiten ausgelegt waren. Ian Hunter verwies darauf, dass Teile nur rechtlich und technisch erst möglich wären, wenn eine zweite Zufahrtsstraße über die Bahntrasse realisiert wird; bestimmte Investitionen – etwa der Dock-Bereich – seien im aktuellen Phasing nur sinnvoll, wenn eine zweite Projektstufe tatsächlich umgesetzt werden kann.
Damit prallt im Kern ein klassischer Zielkonflikt aufeinander, der für Stadtentwicklung in vielen US-Kommunen typisch ist: Einerseits wollen Entwickler durch ausreichende Stellplätze die Erreichbarkeit absichern; andererseits muss das Quartier so gestaltet werden, dass es im Alltag funktioniert und nicht nur im Marketingbild. Hunter signalisierte Kompromissbereitschaft, indem er erläuterte, dass in einer späteren Phase die Zahl der Parkplätze reduziert werden könne, falls sich in Phase eins eine Unterauslastung zeigt. Gleichzeitig blieb die Genehmigungsentscheidung gekoppelt an die Notwendigkeit einer Anpassung: Der Ausschuss verlangte aus Gründen der anhaltenden Kritik eine Designänderung, aber nicht zwingend im Sinne eines vollständigen Neubeginns. Dazu gehören aus Sicht der befürwortenden Mitglieder vor allem konkrete Raumprogramme für Retail – etwa klar exklusiv dem Einzelhandel vorbehaltene Flächen entlang des Waterfront-Bereichs mit besser angebundener Fußwegeführung oder die Überarbeitung eines Platzbereichs (Piazza). Bemerkenswert ist: Einige Mitglieder forderten zugleich, den Einzelhandel nicht stärker „auf Verdacht“ auszubauen, wenn die Nutzungs- und Nachfrageannahmen nicht belastbar sind. In diesem Zusammenhang wurde als Vergleich auf aktuelle Entwicklungen in Collegetown verwiesen, allerdings mit dem Hinweis, dass dort die Vorbelegung über Mietkonditionen unterhalb des Marktniveaus unterstützt wurde.
Während „Water’s Edge“ damit eine zusätzliche Hürde erhielt, verlief die zweite zentrale Entscheidungsstrecke für das Gremium anders. Beim Projekt „SouthWorks ‘Gateway Apartments’“ (620–640 South Aurora St.) signalisierte der Planungsausschuss bereits im September eine deutlich freundlichere Grundhaltung. Geplant sind zwei neue fünfgeschossige Gebäude mit jeweils 50 Wohneinheiten (G1 und G2). Die Einheiten sollen gemischt einkommensbezogen sein und sich an Haushalte richten, die zwischen 50 % und 80 % des medianen Einkommens der Region Tompkins County verdienen. Ergänzt wird das Konzept durch einen Innenhof mit Tischen und Stühlen zwischen den Gebäuden, einen separaten Bereich für Hunde, beleuchtete Fußwege sowie 40 Parkplätze hinter und unter den Gebäuden; weitere Stellplätze sollen in der Nähe in der ehemaligen Fabrikparkfläche entstehen. Auch hier gibt es ein größeres Gesamtareal in beiden Zuständigkeiten – Stadt und Town – weshalb parallele Prozesse bei unterschiedlichen Planungsgremien laufen. Für „SouthWorks Gateway“ stand außerdem die Einbindung in den Ablauf des staatlichen Förderkontexts im Fokus: Eine Prüfung durch New York State Homes and Community Renewal war erforderlich, damit eine Projektförderung überhaupt in die Schiene passt.
Erwähnenswert ist schließlich, dass der Ausschuss nicht nur über Neubauvolumen und Stellplatzquoten sprach, sondern auch über die typischen „Randkonflikte“ des Alltagsbetriebs. Bei Beginnings Federal Credit Union ging es um die Umnutzung eines Areals der früheren Esty Street Garden zu einem Parkplatz mit zehn Stellplätzen, ergänzt um dekorative Bepflanzung, Entwässerungsanlagen (Stormwater) und Randbefestigungen (curbing). Die Bank begründete das Vorhaben damit, dass die Filiale mit 409 North Meadow St. die meistfrequentierte Filiale im Netzwerk sei und derzeit Parkplatzengpässe für Mitarbeitende und Kundschaft entstünden; die Maßnahme war mit einem Volumen von 452.000 US-Dollar und einem Start „spät im Jahr 2026“ datiert. In der Debatte blieb die Spannung: Einige Mitglieder hielten die Parkplatzlösung für eine pragmatische Bestlösung, andere empfanden es als Problemverlagerung in eine Wohnzone. Der Planungskontext liefert dabei ein wichtiges Detail: Nach Darstellung der Verwaltung ist Parken auf dem betreffenden Wohngrundstück zulässig, weil es sich um zugeordneten (accessory) Stellplatzbedarf für einen benachbarten Geschäftsbetrieb handelt, nicht um einen vollständig eigenständigen Parkplatz. Dennoch meldete sich Kritik, etwa zur Frage der Verkehrssicherheit und zur nötigen Pufferzone. Für die nächste Runde ist zudem vorgesehen, dass das Kreditunion-Vorhaben für eine öffentliche Anhörung erneut auf die Tagesordnung kommt.
Auch bei der City Harbor-Erweiterung zeigte sich, dass „Parken“ nicht das einzige Kriterium ist, sondern ein Hebel, mit dem sich wirtschaftliche Realitäten in den Genehmigungsprozess hineinziehen. Das Gremium stimmte einer Verlängerung der Standortplan-Gültigkeit zu, zeigte aber Skepsis, weil die Planung für Parkraum im Verhältnis zur bisherigen Entwicklung und zu den vorhandenen Docks aus Sicht einiger Mitglieder zu üppig sei. Als wesentliche Bremse für die Realisierung wurde der herausfordernde Immobilienmarkt genannt: Steigende Zinsen machen Baukredite teurer, weshalb zwar neue medizinische Büros und neue Docks gebaut wurden, die rund 156 Wohnungen und die Retail-Flächen aber bislang nicht entstanden sind. Für die Entwickler bedeutet das: Erst wird die zeitliche Genehmigung verlängert, dann müssen sie bei Bedarf mit einem neuen Vorschlag zur Stellplatzreduzierung zurückkommen. Für „Water’s Edge“ heißt die nächste Etappe dagegen vor allem, das Retail-Konzept und die Stellplatzlogik so zu schärfen, dass der Ausschuss eine tragfähige Balance zwischen saisonal geprägter Waterfront, Fußgängerqualität und wirtschaftlicher Nutzung der Erdgeschosszonen erkennen kann.
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