LONDON (IT BOLTWISE) – Plex-Mitgründer Elan Feingold baut aus einem Geburtstags-Tüftelprojekt nun ein Startup rund um Musik-Apps. Im Zentrum steht ein Hardware-Player mit minimalistischer Gestaltung und einem besonderen Zugriffskonzept: Nutzer legen kleine „Album“-Karten in ein eingelassenes Tablett. Die Musikbibliothek ist bereits mit 1001 Alben vorinstalliert – ohne Playlists, ohne Shuffle und ohne Empfehlungen. Aus den dabei entstandenen Code-Ansätzen will Feingold vor allem Plexamps Probleme bei Multiroom-Audio und für die Wiedergabe auf dem großen Bildschirm verbessern.

Elan Feingold, Mitgründer von Plex, hat sich nicht nur aus einem Software-Background heraus erneut der Hardware zugewandt, sondern auch den Schritt zurück in die Produktwelt bewusst als Lernkurve gestaltet. Laut der Beschreibung seines Projekts begann alles mit der Suche nach einem passenden Geschenk zum 60. Geburtstag eines Freundes. Feingold sagt, dass ihn sein Hintergrund in Informatik und Elektrotechnik schon lange dafür begeistert, physische Objekte zu bauen. Genau daraus entstand ein Musik-Player als bewusstes Gegenmodell zu modernen Streaming-Workflows: statt Displays, Menüs und endlosen Bibliotheken steht ein einzelner Drehknopf im Mittelpunkt, kombiniert mit einer reduzierten Material-Ästhetik wie Nussbaumholz und eloxiertem Aluminium.
Technisch bemerkenswert ist dabei weniger die Optik als der Bedienmechanismus. Der Player ist mit 1001 Alben vorab geladen, die sich nur über kleine „Album“-Karten erschließen lassen. Diese Karten werden in ein eingelassenes Fach auf der Geräteoberfläche gesteckt – wie bei einem analogen „Datenträger“, nur eben als hybride Interaktion aus physischem Objekt und digitaler Wiedergabe. Damit entfällt das, was Streaming-Plattformen typischerweise im Vordergrund haben: keine Playlists, kein Shuffling, keine algorithmische kuratierte Auswahl. Feingolds Ziel formuliert er als Rückkehr zur „Physicality“ und zugleich als bewusste Rücknahme des Komforts, etwa beim Wechsel zwischen Alben.
Aus Produktperspektive war der Weg zur Serienfertigung jedoch nicht naheliegend: Allein das Vorladen der Musik in einer fertigen Hardware-Version hätte, den Angaben zufolge, sehr hohe Kosten verursacht. Interessant ist, wie Feingold aus dieser Sackgasse trotzdem einen Ressourcen- und Kompetenzgewinn ableitet. Er berichtet, dass er bereits Code aus dem Player in ein Software-Thema transferiert hat, an dem er in den letzten Jahren gearbeitet hat: Plexamp, der dedizierte Musikplayer für Plex’ persönlichen Medienserver. Entscheidend ist dabei ein konkret benanntes Defizit: Plexamp habe keine wirklich gute Lösung für Multiroom-Audio gehabt. Indem Feingold die Implementierung, die für sein Gerät entstand, für Plexamps Multiroom-Ansatz nutzbar macht, wird aus einem „einmaligen“ Geburtstagsprojekt ein übertragbares Software-Asset.
Damit verändert sich auch der Fokus des neuen Vorhabens. Feingold nutzt die Gelegenheit, seine Plexamp-Logik nicht nur zu verfeinern, sondern sie in der Breite auf andere Hardware-Plattformen zu übertragen. Im Text wird zusätzlich ein zweiter Schwachpunkt angesprochen: Plexamp habe auch für die Wiedergabe „auf dem großen Bildschirm“ nicht die passende Story beziehungsweise keine wirklich gute Lösung. Das deutet darauf hin, dass die kommende Caldera Music genannte Ausrichtung eher als Plattform- und Interaktionskonzept verstanden werden kann als nur als „Player-App“. Gleichzeitig bleibt das Prinzip erhalten, dass es um konkrete Nutzerinteraktionen geht, die das Hören nicht über Empfehlungen steuern, sondern über eine klare, nachvollziehbare Zugriffsschicht.
Historisch passt das in eine Entwicklung, die man in der Medienlandschaft seit Jahren sieht: Der Markt hat längst gelernt, dass Komfort allein nicht reicht. Viele Nutzer erleben beim Wechsel vom lokalen Medienmanagement zu reinen Empfehlungssystemen eine Art „Verlust an Griff“ – die Bibliothek wirkt beliebig, der Startpunkt verschwimmt. Feingolds Ansatz setzt dagegen auf bewusste Einschränkung: Man hat eine definierte Auswahl (1001 Alben), die man aktiv anfordert, statt sie über endlose Filter zu suchen. Das ist weniger Nostalgie als Produktphilosophie. Und gerade weil Streaming heute so stark auf automatisierte Kuratierung setzt, kann ein physisch-gestütztes Konzept als Differenzierungsmerkmal funktionieren – auch dann, wenn am Ende nicht jeder Kunde einen dedizierten Hardware-Player kauft.
Für den Software-Teil ist besonders relevant, dass Multiroom-Audio und „Big Screen“-Wiedergabe unterschiedliche technische und UI-Anforderungen stellen. Multiroom bedeutet in der Praxis Synchronisation über mehrere Wiedergabegeräte hinweg, stabile Verbindungsszenarien und konsistente Wiedergabezustände. Die Tatsache, dass Feingold Teile seines Hardware-Codes für diesen Kontext wiederverwendet, spricht dafür, dass er nicht nur eine Oberfläche betrachtet, sondern auch die Zustandslogik und die Audio-Pipeline neu gedacht hat. Dazu kommt der Kontext „großer Bildschirm“, bei dem nicht nur die Wiedergabeform zählt, sondern auch die Navigation, die Darstellung von Metadaten und die Interaktionswege, die auf Fernsehern oder ähnlichen Geräten anders funktionieren als auf dem Smartphone.
Für Unternehmen und Entwickler in der KI- und Medien-Infrastruktur ist die Geschichte vor allem ein Signal: Schnittstellen zwischen lokaler Medienverwaltung, dedizierten Clients und plattformübergreifender Wiedergabe bleiben ein offenes Feld. Feingolds Weg zeigt, wie aus einem physisch inspirierten Prototypen wiederverwaltbare Software-Bausteine entstehen können, statt dass alles im „Proof-of-Concept“-Stadium stecken bleibt. Gleichzeitig bleibt die konkrete Vermarktung des Hardware-Aspekts vorerst unklar, weil das Vorladen der Musik laut Darstellung zu teuer wäre. Was aber als klarer nächster Schritt wirkt: Caldera Music soll die von Plexamp adressierten Lücken bei Multiroom und TV-naher Darstellung schließen – und dabei die Idee der bewussten, reduzierten Auswahl als Markenkern tragen.
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